Schwierig

Michael Krause, Freitag, 16.10.2020, 18:47 (vor 6 Tagen) @ Talleyrand1591 Views
bearbeitet von Michael Krause, Freitag, 16.10.2020, 18:51

Das ist wirklich ein weites Feld, dass Du hier aufmachst und es fällt schwer alle Aspekte zu beleuchten.

Ich muss zugeben, dass ich gestern auch den Eindruck hatte, dass unser Staatsfernsehen das Framing nicht lassen kann. Allerdings in ganz anderem Zusammenhang. Die Polizei der Weimaer Republik war geprägt durch ehemalige Polizisten des Kaiserreichs, Freikorpskämpfer und ehemaligen Offizieren. Phenotypen wie Rath oder das Frollein Ritter kamen da nicht vor. Aber einerseits ist die Folge Unterhaltung und weiter müssen in jeder Folge auch genügend Frauen mitspielen. Liv Lisa Fries und Volker Bruch sind wirklich tolle Schauspieler, da muss man diesen historischen Stilbruch verzeihen.

Weiterhin sollte man nicht übersehen, dass in den Zwanzigern ein neuer Frauentyp geboren wurde, der selbstbewusst eigene Ziele verfolgte. Dies waren aber Frauen aus dem Großbürgertum und dem Adel, die auch das Geld hatten, um sich Extravaganzen leisten zu können. Keinesfalls waren es Frauen wie das Frollein Ritter.

Die Rolle der KPD ist m.E. gar nicht so schlecht dargestellt. Zur Zeit (1929) in der Babylon spielt, hat die KPD längst den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf den Kampf um die Straße verlagert. Den Parlamentarismus lehnte man weitgehend ab. Auch der Kampf gegen den Paragraphen 218 spielte keine unbedeutende Rolle.

Abschließend noch eine Anmerkung zu Hans Litten. Litten wurde übrigens nur 35 Jahre alt. Er starb 1938 im KZ Dachau. Litten war fachlich ein herausragender Strafverteidiger. Er verteidigte eine Vielzahl von Arbeitern, die bei Demonstrationen festgenommen worden waren. Die Rote Hilfe organisierte und finanzierte die Verteidigung. Litten war allerdings niemand der sozialistische Märtyrer schaffen wollte, d.h. er arbeitete auf einen Freispruch hin oder auf tatangemessene Bestrafung, was zu Konflikten mit der Roten Hilfe führte. Bei den Kommunistenprozessen im Nachkriegsdeutschland gab es übrigens ähnliche Anwälte wie Posser oder Hütsch, die keine Kommunisten waren, sondern dem Recht zur Geltung verhelfen wollte. Posser war Sozialdemokrat (Justizminister NRW), Hütsch war ein Liberaler. Jedenfalls hat Litten zu Recht auch heute noch ein ehrendes Andenken verdient.

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Das einzige Recht des Sklaven ist das Recht auf Arbeit und das darf man ihm nicht nehmen.


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