Markt ist auch ein Machtbastard

Miesepeter, Sonntag, 30.08.2020, 16:47 (vor 1979 Tagen) @ Mephistopheles2510 Views
bearbeitet von Miesepeter, Sonntag, 30.08.2020, 16:51

Der Debitismus mit seiner Zentralmachts-Hypothese ist in meinen Augen eine marktfundamentalistische Ideologie.

Eine "marktfundamentalistische Ideologie", was ist das? Ich interpretiere sie mal als Markt-Extremismus, also in etwa das, was Anarcho-Kapitalisten postulieren. Das hat mit Debitismus in der Tat nichts gemein, denn diese Vorstellung geht von der falschen Idee aus, dass Marktwirtschaft der Staatsgewalt diametral gegenüberstünde.


Definitiv nicht. Dass du den Debitismus als marktfundamentalistisch interpretierst, sprich dafür, (dass du den Unterschied zwischen allgemeiner und spezieller Relativitätstheorie :-P ) nicht verstanden hast. Der Debitismus ist lt. Dottore ein Staats- (Macht-)derivat und somit das Gegenteil von Marktfundamentalismus.

Und zwar deswegen, weil es ohne Staatsgewalt keinen Markt gibt und niemals gab. Der Markt ist sprichwörtlich der Platz, wo Güter (und in der Neuzeit auch Dienstleistungen) angeboten werden, um dafür Geld zu erhalten, mit welchem dann Schulden getilgt werden können, allervordest die auferlegten Steuerschulden.

Dottore hat als Beleg vielfach auf die Arbeit von Karl Polanyi - Die grosse Transformation - hingewiesen.

Der Markt ist ein Machtbastard, und Marktfundamentalisten sind Ideologen ohne Fundament. Eine Marktwirtschaft ohne Staatsgewalt hat es in der Geschichte ebensowenig gegeben wie eine Geldwirtschaft ohne Staatsgewalt. Ohne Gewalt/Macht kommt es nicht zu Wirtschaften, Dottore hat dieses Mantra wieder und wieder vorgetragen, niemand hat ihn je mit einem Gegenbeispiel wiederlegen können. Kein Wirtschaften schliesst - insbesondere - auch mit ein: Kein Marktwirtschaften.

Der Umstand allein, dass die "Urschuld" für alle Menschen, in allen Kulturen, in allen "Lebenswelten" gilt, macht sie als Fundierung dessen was heute "Kapitalismus" genannt wird völlig ungeeignet.

Die Idee der biologischen Urschuld - die Dottore in seinen frühen Büchern vertrat, ist auch hier im Forum umstritten gewesen. Sie ist nicht falsch - alles Leben kommt einher mit der Schuld, sich aufrechtzuerhalten, und muss dafür leisten - aber sie begründet den Debitismus nicht ausreichend, denn auch Tiere unterliegen dieser Urschuld, auch Ureinwohner vor der neolithischen Revolution unterlagen dieser Urschuld - und wirtschafteten trotzdem nicht.

Die Urschuld, die tatsächlich dem Debitismus zugrunde liegt, ist die erste menschengemachte "Schuld ex nihilo": die Abgabe, die Steuer, der Census. Diese erst zwingt den Mensch zum Wirtschaften. Von da an geht alles seinen Weg.

Wo ist bei der Urschuld das exakt spezifizierte Fälligkeitsdatum?


Fälligkeitsdatum der Urschuld ist immer JETZT! Wenn du es nicht glaubst, dann stelle einfach mal deine Atmung ein.

Man kann es auch anders sehen: Fälligkeitsdatum der Urschuld ist, wenn diese nicht mehr bedient werden muss.
Das Fälligkeitsdatum der wirtschaftlichen Urschuld ist eindeutig: wann immer der Machthaber das Datum zu setzen geruht hat.

Gruss,
mp


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