Beschreibung ist weder Ideologie noch Advokatur, aber auch keine Kritik

Miesepeter, Mittwoch, 26.08.2020, 12:31 (vor 1987 Tagen) @ Hausmeister3068 Views

Hallo HM,

Einen der unerbittlichsten, weil kenntnisreichsten und stets mit belegten Fakten argumentierenden Kritiker des von ihm umfassend und exakt beschriebenen, menschlichen zivilisatorischen und wirtschaftlichen Systems "Debitismus" (gemeinhin bezeichnet als "Kapitalismus") als "Hardcore Wachstumsideologe" zu disqualifizieren, stellt zwangsläufig die Frage nach dem Motiv dieses Angriffs.

Es ist heutzutage leider weitverbreitet, Beschreibungen als Ideologie oder Advokatur misszuverstehen. Dabei ist eine Beschreibung, oder auch eine Spekulation/Extrapolation selbstverständlich von beiden klar zu unterscheiden. Eine Beschreibung mag unvollständig sein, oder sogar falsch, aber sie differenziert sich von der Ideologie gerade daruch, dass sie nichts fordert oder vorschreibt.

Dr. Martin hat den Debitismus beschrieben und damit einen absolut grundelegenden Aspekt des sog. Kapitalismus, den vorher meines Wissens in dieser umfassenden Weise niemand vor ihm beleuchtet und sichtbar gemacht hat.

Er hat weder Forderungen aufgestellt, wie der Debistismus zu einer debitistischen Wirtschaftspolitik angewandt werden sollte, sei es für mehr Wachstum oder weniger Wachstum, noch dazu, wie er zu einer antidebitistischen Wirtschaftspolitik verwendet werden könne. Als beschreibender Beobachter war er weder Kritiker noch Advokat.

In frühen Jahren war PCM ein Goldbug, welcher der Auffassung war, dass eine goldgepeggtes Währungssystem wesentlich nachhaltiger und gerechter sei als ein Fiat-Geldsystem. Später nannte er Gold das "Gewaltmetall". Der frühe PCM war in der Tat ein von der österreichischen Schule merklich beeinflusster Denker, welcher gerne insbesondere keynesianische Wirtschaftspolitik der Lächerlichkeit preisgab. Der spätere Dottore hingegen hat, nachdem er den Debitismus (welcher sich eigentlich selbst auf u.a. keynesianische Erkenntnisse stützt) weitergedacht hat und an seine Ursprünge geraten ist, die falschen Grundlagen aller herrschenden ökonomischen Theorien erkannt und dem seine Machttheorie entgegengestellt. Spätestens da hörte er auf, ein Advokat für irgendein bestimmtes wirtschaftliches Handeln zu sein. Gewaltherrschaft lehnte er ab, Wirtschaften ohne Gewaltherrschaft ist aber nicht denkbar. Dieses Dilemma hat ihn vermutlich davon abgehalten, wirtschaftspolitisch noch irgendwelche präskriptive Aussagen zu machen.

Seine frühen deutlichen Aussagen hat er aber meines Wissens nach auch nicht widerrufen.

Gruss,
mp


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