Nur noch Randbemerkungen, im Großen und Ganzen stimme ich Dir zu

helmut-1, Siebenbürgen, Samstag, 27.06.2020, 14:19 (vor 13 Tagen) @ trosinette233 Views

Und so hattest Du offenbar das großes Glück, dass Deine Eltern an Dir auch ihren positiven Beitrag geleistet haben,...

Fehlannahme. Im Alter von 3 Jahren wurden meine Eltern geschieden, nach den Horrorjahren bei den Mönchen und den Pinguins wuchs ich überwiegend unbeaufsichtigt heran. Schlechte Gesellschaft bei Gleichaltrigen, trotzdem, - oder vielleicht sogar dadurch - , habe ich gelernt, mich zu behaupten und meinen Willen durchzusetzen. Da ich eine genetische Gabe für die Musik mitbekommen hatte, nutzte ich diese, - aber ohne Wissen meiner Mutter, die sowieso keine Zeit für mich hatte. Klaute der Oma damals 50 öS aus dem Geldbeutel und meldete mich zur Aufnahmeprüfung bei der Wiener Musikakademie mit der Violine an, im Alter von 13 Jahren. Spielte damals die Romanze op. 50 von Beethoven vor und kam zu Prof. Morawetz. Hat mir niemand geholfen, hab mir das selbst eingelernt, die Noten hatte ich ja.

Mit 16 Jahren bin ich von zuhause ausgezogen und hatte meine eigene Wohnung, die mir meine verstorbene Oma vererbt hat. Ja, - hier trifft es zu, dass ich was "vom Himmel" bekam, die Wohnung und die damit verbundene Selbständigkeit waren ein Glücksfall. Aber sie festigte auch meinen Charakter, - denn ich war viel zu stolz, um irgendjemanden um Hilfe zu bitten, wenn irgendwas nicht geklappt hat. Egal, Kochen, Putzen, Waschen, Bügeln, - ich brauchte niemanden. Klar ist da auch manchmal was in die Hose gegangen, - aber ich habe gelernt daraus.

Nicht einmal damals, als ich drei Tage auf der Schnauze gelegen bin (Kreislaufkollaps), davon 1 Tag auf dem Küchenboden, habe ich jemanden gerufen. Aber auch daraus habe ich gelernt, - ich hab dann die mehreren Cola-Rum und die 30 Zigarillos (täglich) weggelassen.

Mein Bruder war Alkoholiker und ist an der Arroganz „ich schaffe das alles ganz allein“ krepiert.

Sowas gibts, und das tut mir leid für Dich. Aber man muss in der Lage sein, seinen Zustand, seine Kraft, seinen Willen und seine Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Ich lehne aus persönlichen Erfahrungen die Weißkittel weitestgehend ab. Es gibt aber Grenzfälle, wo ich dann doch die Fachärzte aus meinem Bekanntenkreis um Rat resp. um deren Einschätzung frage. Meist gehts dabei um meine Frau. Ob ich dann das befolge, was die mir sagen, steht auf einem anderen Blatt.

Hab das ja hier im Gelben beschrieben, als meine Frau im Februar eine Grippe bekam. Welche, weiß der Teufel. Ich hab sie nicht testen lassen, sondern ihr die natürlichen Heilmittel zukommen lassen, die auch mir das Jahr davor geholfen haben. Nach einer Woche wars weg.

Fazit:
Du wirst ja schon recht haben, dass man in der Gemeinschaft vieles erreichen kann, was man alleine nicht schaffen würde. Ein gutes Beispiel ist die Studentenverbindung, wenn man in einem fremden Land, wo man lediglich die Adresse von einem Bundesbruder hat, den man noch nie gesehen hat, und klopft dann an dessen Tür. Dann wird aufgemacht und man ist bei vorher wildfremden Menschen plötzlich "zuhause".

Meine persönlichen Erfahrungen aber gingen überwiegend in eine ganz spezielle Richtung. Das beschreibt Reinhard Mey ganz gut in diesem Lied, - ich habe alle 4 Strophen am eigenen Leib erlebt, - aber die 2. Strophe ist symptomatisch:

https://www.youtube.com/watch?v=7Wvc1KBFCI4

Deshalb bin ich so, wie ich bin, und orientiere mich eher an dem Sprichwort:

"Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott".


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