Regelung von Schwankungen, die durch Balkonkraftwerke entstehen

paranoia, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Dienstag, 11.04.2023, 23:17 (vor 1054 Tagen) @ Mirko23153 Views

Hallo Mirko2,

Das war ja meine Frage, wie will der Netzbetreiber meine Einspeisung berechnen, wenn die Wechselrichter hin und her tanzt. Wolke da Leistung sinkt von 7600W auf 900W und dann wieder auf 2000W.

dann verstehst Du ja das Problem perfekt!

Die Frage ist nicht, was Deine Einspeisung macht, sondern was ein Pool aus Einspeisern macht.
Ist die Volatilität der Summe der Einspeisungen kleiner als die Summe der einzelnen Volatilitäten?

Dein Netzbetreiber braucht Kraftwerke, die sehr schnell regelbar sind. Neben Pumpspeicherkraftwerken, von denen es nur eine begrenzte Zahl gibt, sind das vor allem Gaskraftwerke.

Wenn Deine Leistung von 7600 Watt auf 900 Watt fällt, muss der Netzbetreiber die 6700 Watt Ausfall ausregeln. Es muss also Kraftwerke geben, die Deine fehlenden 6700 Watt ersetzen.
Der Begriff dazu ist "Primärregelung".

https://de.wikipedia.org/wiki/Regelleistung_(Stromnetz)

Im ersten Schritt aber bremsen die Verbraucher nun die Läufer der Generatoren in den Kraftwerken aus, die laufen langsamer, also fällt die Frequenz der erzeugten Wechselspannung.

Und ich meine nicht nur meine Anlage, sondern die vielen Privaten, wie will der Netzbetreiber seine Grundlast berechnen, die er vorhalten muss, um genau diese Schwankungen auszugleichen? Dazu dann die vielen Balkon(kraft)werke ... In meiner Erinnerung hat mal mein Netzbetreiber "ČEZ" davor gewarnt, der schnelle Ausbau von nicht steuerbaren Energieerzeugungsanlagen es zu Abschaltungen einiger Städte oder Teile kommen könne (ohne Vorwahrungen).

Hier ist die Frage, ob die Erzeugung der vielen Balkonkraftwerke positiv korreliert ist (dann addieren sich die Schwankungen) oder ob die unkorreliert oder negativ korreliert sind (dann verringern sich die Summe der Schwankungen. Es stellt sich auch die Frage, ob diese Korrelation im Zeitablauf gleich ist.
Das kann ich Dir alles gar nicht sagen, weil ich es auch nicht weiß!

Früher mussten Solaranlagen bei 50,2 Hz ihre Einspeisung abbrechen. Diese harte Regelung ist wohl heute Geschichte aber es gibt noch genügend Wechselrichter im Betrieb, die so gebaut sind.

Du kannst zur Behebung von Ungleichgewichten immer Stromerzeuger oder Verbraucher vom Netz trennen.
Letzteres wird von den Betroffenen als störend empfunden. [[lach]]

Bei Unterfrequenz gibst Du Gas, fährst Gaskraftwerke hoch etc. Wenn das nicht reicht, musst Du Verbraucher abwerfen. Wenn die Regelleistung im Netz nicht mehr ausreicht, weil die Balkonkraftwerke doch positiv korreliert sind, und auch die Balkonkraftwerke Deiner Nachbarn angesichts der Wolke am Himmel genauso ihre Einspeisung reduzieren, dann müssen irgendwann Verbraucher vom Netz getrennt werden (Lastabwurf).

Bei Überfrequenz fährst Du Gaskraftwerke herunter und trennst notfalls Erzeuger vom Netz.

Wenn denn dank Balkonkraftwerken ein Wohngebiet vom Verbraucher zum Nettoerzeuger mutiert, die Frequenz auf 50,2 Hz oder gar mehr steigt und die Balkonkraftwerke keine Rundsteuersignale auswerten (das weiß ich leider nicht), dann könnte man dieses Wohngebiet auch notfalls abwerfen.
Ohne Takt vom Netz machen die Balkonkraftwerke vermutlich auch zu und erzeugen nichts mehr, bzw. gehen auf Störungsmodus.

Durch die volatilen Einspeiser, böse Zungen sprechen auch vom "Zufallsstrom", wird die Regelung schwieriger und immer mehr Eingriffe seitens des Netzbetreibers werden erforderlich.

Ich mag's gerne einfach und glaube, dass uns die wachsende Komplexität irgendwann einmal das Rückgrat bricht.

Gruß
paranoia

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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.


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