Outdoor-Chiemgau weist auf Alarmmeldung von Übertragungsnetzbetreiber Tennet hin
Hallo Ankawor,
Tennet soll gemeldet haben, dass das (n-1)-Kriterium verletzt ist.
Was in einer solchen Situation infolgedessen passieren kann, beschreibt dieser Artikel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stromausfall_in_Europa_im_November_2006
Das Übertragungsnetz fährt von nun an offensichtlich im wahrsten Sinne des Wortes ohne Netz, falls der Alarm nicht zwischendurch aufgehoben wurde.
Konkret heißt das, daß das Netz bei Ausfall einer Leitung keine Stabilität mehr garantieren kann.
Dazu ein primitives Beispiel:
In Deinem Badezimmer befindet sich ein Durchlauferhitzer, den Du auf Stufe II gestellt hast (18kW).
Klassischerweise wird der dreiphasig angeschlossen.
Ich unterstelle mal, Du habest den 1-phasig angeschlossen (weiß nicht, ob das geht).
Bei 230V braucht der Durchlauferhitzer ~78 Ampère. Du hast das Gerät über drei Leitungen, die mit 32 A abgesichert sind, am Verteilerkasten angeschlossen.
Wenn jetzt eine Leitung ausfiele, würden sich die 78 Ampère auf zwei Leitung verteilen, im Idealfall mit je 39 Ampère. Bedingt durch die Überlast schaltet irgendwann die stärker belastete Leitung ab und die nun verbleibende Leitung muss jetzt 78 Ampère tragen und schaltet sofort ab.
Die Netzwirklichkeit ist natürlich komplexer (Graphenstruktur, Erzeuger, Abnehmer, mehrere Netzebenen etc.), aber das ist quasi die maximale Vereinfachung des Sachverhalts.
Hättest Du den Durchlauferhitzer über vier Leitungen à 32 Ampère angeschlossen, hättest Du (n-1)-Sicherheit gehabt: Durch den Ausfall einer der vier Leitung wäre die Verfügbarkeit von Warmwasser sichergestellt gewesen, denn ein Leitungsausfall produziert noch keine Abschaltung in Form einer Kettenreaktion.
In 2006 gingen aufgrund der Kettenreaktion der Abschaltung die Ausfälle bis Nordspanien.
Ausschreibung von Tennet
Im Video 11:45 wird eine Ausschreibung von Tennet gezeigt. Tennet fehlen offensichtlich die Kraftwerkskapazitäten, mit denen es möglich wäre, aus Gründen der (n-1)-Sicherheit einem Kraftwerk den Betrieb zu untersagen und dafür ein anderes anzuschalten.
Mit solchen Maßnahmen kann man die Lastflüsse lenken und die (n-1)-Sicherheit wiederherstellen.
Je kleiner der Kraftwerkspark, desto geringer die Möglichkeiten, Lastflüsse zu lenken.
Im grünen Endstadium ohne Kernkraft und Kohlenwasserstoff gibt es natürlich keine Lenkung mehr, sondern nur Ausfälle.
Dazu muss man allerdings wissen, dass der Übertragungsnetzbetreiber Tennet z.B. schon vor ein paar Jahren mittlerweile im Schnitt schon zweimal pro Tag eingreifen musste. Anfang der 2000-er Jahre war das zweimal im Jahr.
Der Eierkrauljob in der Leitzentrale, die gar nicht so weit von mir weg ist, ist zu einer sehr anspruchsvollen Tätigkeit geworden.
Gruß
paranoia
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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.