Kant dreht sich gerade im Grabe herum

Otto Lidenbrock, Montag, 17.10.2022, 11:20 (vor 1224 Tagen) @ Rain3538 Views
bearbeitet von Otto Lidenbrock, Montag, 17.10.2022, 11:29

Ja, diese vielleicht etwas simplifizierende Sichtweise von H. Danisch hat durchaus etwas für sich. Oberflächlich betrachtet, scheinen wirklich sehr viele unserer Mitmenschen auf diese Weise zu verfahren. Man schaut sich kurz um und beobachtet, wie die anderen sich verhalten und um nirgendwo anzuecken und lästigen Rechtfertigungen aus dem Weg zu gehen, tut man das, was die Mehrheit vermeintlich vorgibt. Den Individuen dieser Mehrheit geht es aber letzten Endes genauso, weshalb man sich fragen muss, wo die ganze Geschichte ihren Anfang nimmt?

Und da kommen wir dann zu den Leitmedien, die von der Mehrheit treudoof tagtäglich konsumiert werden. Hier werden die Menschen "verführt", den Irrtum zu "vergöttern". Es liegt also zum einen

- am bedingungslosen Glauben an die Wahrheit dessen, was die Leitmedien berichten und kommentieren und

- an der Frage, warum die Leitmedien ein bestimmtes Bild der Wirklichkeit zeichnen, das zwar eigentlich ausgewogen u. unabhängig sein sollte (es aber gar nicht sein kann, wenn man sich die dortigen Strukturen anschaut)?

Der zweite Punkt erledigt sich praktisch von selbst: Es gibt keine "unabhängigen" Medien, jedes Medium, das in einer Marktwirtschaft existieren möchte, ist darauf angewiesen, mindestens seine Ausgaben zu decken und deshalb auf Einnahmen angewiesen, die je nachdem aus mannigfaltigen Quellen stammen können.

Ausnahme könnte an dieser Stelle der ÖRR sein, da er vollständig über Zwangsabgaben finanziert wird und deshalb nicht nach marktwirtschaftlichen Prinzipien agieren muss. Leider ist hier der politische Einfluss so stark, dass man ebenfalls nicht mehr von Unabhängigkeit im Sinne des Wortes sprechen kann.

Am Ende bleibt eigentlich nur noch der Aufklärungsphilosoph Kant und seine Erkenntnistheorie. Leider scheint bei den meisten Menschen die Vernunft keine große Rolle zu spielen, wenn sie sich die Welt erklären wollen. Der gesamte Erkenntnisprozess scheint spätestens bei der Anwendung der zwölf Kategorien (Quantität, Qualität, Relation u. Modalität) zu versagen.

Die bislang beste Erklärung für das Verhalten der Massen habe ich nach Le Bon bei dem belgischen Psychologen Mattias Desmet gefunden, der, ähnlich wie Hannah Arendt, totalitäre Tendenzen in einer Gesellschaft durch soziale Isolation, Vereinsamung und dadurch erzeugte Ängste entstehen sieht, die letztendlich zu Kollektivismus führen können.

"Wenn alle ihre Angst auf das gleiche Objekt und die gleiche Handlungsstrategie richten, entsteht unter den Menschen eine neue soziale Beziehung. Das Leben bekommt in ihren Augen einen höheren gemeinsamen Sinn, einen Zuwachs an Sinn. Eine neue Solidarität entsteht. Die Menschen treten aus ihrem negativen, wenig sinnerfüllten Leben und aus der sozialen Isolation in ein Leben mit hoher sozialer Verbundenheit, das die Masse ihnen jetzt bietet. Die eigene Angst ist nicht mehr so bedrohlich, sie hat ein Ziel.

Das ist der Hauptgrund, warum die Menschen dem Narrativ folgen, selbst wenn vieles noch so absurd und widersprüchlich ist. Es handelt sich um eine Art Ritualisierung. Menschen nehmen an diesen Ritualen teil, um zu zeigen, dass sie zu einer bestimmten Gruppe gehören. So lässt sich ein Kollektiv kreieren. Je absurder die Rituale sind, desto besser lässt sich an ihnen die Gruppenzugehörigkeit aufzeigen."

Prof. Dr. Mattias Desmet, Psychologe u. Psychotherapeut an der Universität Gent

Hier das gesamte Interview:

https://zeitpunkt.ch/warum-halten-viele-immer-noch-am-staatlich-verordneten-corona-narr...


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