Muss man dazu nicht dieses Ende erst einmal erreichen?

Miesepeter, Dienstag, 12.04.2022, 19:54 (vor 1399 Tagen) @ Weiner3677 Views
bearbeitet von Miesepeter, Dienstag, 12.04.2022, 20:48

Hallo Weiner,

Ich schätze zwar Miesepeter sehr, aber er gibt nur den Möchte-Gern-Steuerungs-INPUT derjenigen an, die glauben, sie könnten das Geschehen (noch) lenken.

Schuldig wie angeklagt [[zwinker]]


Am Ende werden aber all diese Bestrebungen, die gerade auf den Weg gebracht werden, zu gar nichts anderem führen als zu Chaos, Blut, Schweiß, Tränen, Hunger, Feuer, Asche, Staub ...

Dieses Stadium haben wir ja bereits erreicht, und die Frage für die meisten hier ist nun, welche Kreise wird das ganze Unterfangen noch ziehen, wen wird es noch erwischen?


Wir sind im Vorgang einer Entgleisung. Momente lang mögen die Waggons noch auf das Gleis zurückspringen. Man schöpft Hoffnung. Vielleicht lässt sich hie und da noch bremsen. Aber die Wucht und die falsche Richtung lassen sich letztlich nicht mehr kontrollieren. Einige Wagen werden sich überschlagen, einige in den Abgrund stürzen, andere auf ihren eigenen Rädern ausrollen. Glück gehabt. Aber das Gesamtergebnis ist absehbar.

Diese Unabdingbarkeit kann ich so nicht erkennen. Es gibt noch viele Eskalationsstufen, und niemand weiss z.Z. mit Sicherheit, welche davon noch überschritten werden, ob die Eigendynamik die Dinge letztendlich bis zum bitteresten Ende treibt oder ob eine der beteiligten Parteien zu irgendeinem Zeitpunkt noch die Notbremse zieht.

Wesentliche Eskalationsstufen sind zb:

- Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine
- Eingriff westlicher Truppen auf ukrainischem Gebiet
- Ausweitung militärischer stand-off Schläge auf das Gebiet Russlands oder der Nato
- Einmarsch feindlicher Truppen auf das Gebiet Russlands oder der Nato
- Einsatz atomarer stand-off Waffen
- Einsatz atomarer kontinentaler und interkontinentaler Massenvernichtungswaffen

Eine Entgleisung kann man aus europäischer Sicht m.E. frühestens dann sicher konstatieren, wenn die Kampfhandlungen die Grenzen der Ukraine überschreiten.

Bisher ist bereits klar zu erkennen, dass die USA die Ukrainer als Truppen in einem Stellvertreterkrieg missbrauchen, und nun auch daran arbeiten, die Europäer in den Kampf zu manövrieren.

In der Ukraine hat das sehr gut geklappt. Auch dort wollten die Bürger sicher nicht gegen Russland in den Krieg ziehen, jetzt sind sie mittendrin. Es spricht nicht viel dafür, dass es den Europäern da anders ergehen könnte, aber gesichert ist dies nicht. Es ist eine wahrscheinliche Möglichkeit, nicht mehr. Letztendlich läuft alles auf die Frage hinaus, ob die Europäer an irgendeinem Eskalationspunkt in der Lage sein werden, ihren Eigeninteressen Vorrang einzuräumen, die Feindseligkeiten einzustellen und sich gegen die Bemühungen der USA mit Russland in irgendeiner Form zu verständigen.

Persönlich halte ich die Wahrscheinlichkeit einer solchen eigenständigen Interessenpolitik nicht für sehr gross, aber das ist eine sehr subjektive Einschätzung. Womöglich traue ich den Europäern zu wenig zu. Unabhängig davon, wie sich die Dinge entwickeln, dürfte inzwischen allerdings jedem klar sein, dass Europa in jedem Falle einen hohen Preis bezahlen wird.

Gleiches lässt sich hingegen für andere Kontinente wie Asien oder Südamerika noch nicht absehen. Nicht einmal für die USA. Auch die USA haben jederzeit die Möglichkeit, die Eskalationsspirale zu unterbrechen, und können viel später als die Europäer noch unbeschädigt aussteigen. Und den Amerikanern bzw. deren leitenden Kräften ist es durchaus zuzutrauen, unnachgiebig zu kämpfen, solange andere die Hauptlast tragen, und falls das nicht zum Erfolg führen sollte, die Definitionen über Nacht zu ändern und sich neu zu orientieren.

Insofern würde ich der Aussage "das Gesamtergebnis ist absehbar" gerne widersprechen, ich jedenfalls kann es nicht absehen.

Ich empfehle, bereits heute an den Neuaufbau DANACH zu denken.

Um dies zu tun, muss man erst einmal den Tag DANACH erreichen können, in möglichst guter Verfassung, physisch wie materiell. Ein Neuaufbau gestaltet sich auch sehr unterschiedlich, je nachdem, ob man sich dann in der unilateralen Welt, der multilateralen Welt oder einer dezentralen Mad-Max-Welt wiederfindet. Es ist daher vielleicht noch etwas früh, sich bereits mit den (noch zu zahlreichen) möglichen Nachkriegsszenarien allzu sehr die Prozessorkapazitäten zu belasten.

Solange die Kriegseskalationen in Europa weiterlaufen und die feindlichen Handlungen nicht mindestens eingefroren sind, kann es m.E. in weltlichen Belangen keine andere Priorität geben, als sein Denken und Tun darauf auszurichten, diese geschichtliche Zeit körperlich und wirtschaftlich so intakt wie irgend möglich zu überleben.

Den Neuaufbau danach werden vermutlich ohnehin wie immer diejenigen bestimmen, welche daneben noch entsprechende politische Netzwerke mit den obsiegenden Kräften besitzen/aufbauen und selber zu politischer Aktion fähig sind (das ganze Programm, inklusive gezieltem Gewalteinsatz). Am meisten werden von diesen dann wieder diejenigen benötigt werden, die elementare technische Fähigkeiten haben. Gendersternchenanalisten werden in einer brachliegenden Wirtschaft oder gar zerstörten Landschaft vermutlich vorübergehend einmal umschulen müssen.

*) möglicherweise war ich der Erste hier, der deutlich machen wollte, dass echte GELBE eines Tages hier in Uniform durchmaschieren werden. So was geht aber komplett unter im Text, weil niemand etwas damit 'verbinden' kann. Nun haben sie vorgestern ihren ersten Demonstrationsflug über Belgrad gemacht. Ihre Raketen hätten sie auch diskret abliefern können, aber es ist wie bei den Hunden - sie müssen deutlich riechbar ihr Revier markieren: Europa gehört jetzt zu ihrem Einflußbereich (ist auch eine Ansage gegenüber Russland!!). Und dass China das 100 Jahre nach einem absoluten Zusammenbruch tun kann, das ist beeindruckend.

China ist, wie bereits festgestellt, der entscheidende Machtfaktor. Egal auf wessen Seite sie sich am Ende schlagen, sie werden dafür einen guten Preis raushandeln. Die USA hatten im zweiten Weltkrieg die Devise, die schwächere Partei zu unterstützen, um Russen und Deutsche/Europa sich gegenseitig ausbluten zu lassen, und dann zum Schluss die Trophäen einzusammeln. Hat nur zur Hälfte geklappt, war damit aber trotzdem eine sehr erfolgreiche Strategie. Es würde mich nicht wundern, wenn die Chinesen nun ganz ähnlich operieren, in der Wahl ihrer Partner zwischen Russland und den USA.

Die Frage, die mich beschäftigt: kommt Deutschland bzw. Europa nach dem anstehenden Zusammenbruch auch wieder hoch? Weiner sagt JA, aber davon sind wir 30 - 40 Jahre entfernt.

Miesepeter hingegen sieht nach dem Zusammenbruch zunächst einmal eine grüne DDR mit digitaler (Mangel-)Planwirtschaft und (politisch zugeteiltem) privatem Eigentum an den (verbleibenden) Produktionsmitteln - die Lebenspanne der ersten DDR war auch im Bereich 30 - 40 Jahre, insofern könnte das passen. Danach - wenn alle verbleibenden Produktionsmittel abgenutzt und alle marktwirtschaftlichen Impulse abgestorben sind - ist der erwürgende Klammergriff der Utopie dann irgendwann verflogen, und die kleine, reale aber stetige Verbesserung der Lebensverhältnisse kann vielleicht wieder zu neuer - und nachhaltigerer - Blüte gelangen.

Ich hatte gehofft, dass man die in Europa anstehende Transformation in dieses grüne Utopia mit zunehmend massiver Propaganda, digitaler Überwachung, staatlichen Eingriffen in die Wirtschaftpolitik und einer neuen Verzichtsethik schrittweise über den Zeitraum einer Dekade bewerkstelligt. Momentan sieht es aber doch sehr nach einem intensiveren Schnelldurchlauf aus. Dann braucht es auch keine utopische Narrative mehr, um den Übergang in die Mangelwirtschaft zu rechtfertigen. Das erledigt dann die Macht des Faktischen.

Gruss,
mp


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