Selbstversorgung und Nutztierhaltung ist neben dem Beruf sowieso nur Hobby, wo man draufzahlt

Plancius, Montag, 21.03.2022, 17:29 (vor 1419 Tagen) @ kaddii4101 Views

In den letzten 10 Jahren hat nach einem geschwundenen Interesse nach der Wende und der massiven Abwanderung junger Leute die Selbstversorgung aus dem Garten und die Nutztierhaltung im ländlichen Mecklenburg wieder an Popularität gewonnen. Haupttreiber hierfür sind der Zuzug aus dem Westen und aus den Großstädten, insbesondere Berlin.

Viele Kleingartenanlagen in den Kleinstädten haben ihre Gärten zur Nutztierhaltung geöffnet, damit die Gärten noch bewirtschaftet werden. Das Interesse an Kleingärten ist jedoch gegenüber DDR-Zeiten merklich zurückgegangen. Auf diese Weise pachten jetzt die verbliebenen Kleingärtner 2 oder 3 Gärten, bauen in einem Garten Gemüse zur Selbstversorgung an, in einem Garten werden Hühner oder manchmal auch Kamerunschafe gehalten und ein Garten ist für größere Flächen, wie Kartoffeln und Grünfutter für die Hühner (Grünkohl, Mangold) und Klee für die Hasen reserviert.

Ich habe auch immer zwischen 12 und 25 Hühnern und weiß, dass ich bei meinen 2 Gärten jedes Jahr draufzahle. Pacht und Wasser sind zwar noch billig, aber da ich eigentlich alles biologisch anbaue, muss ich immer mit großen Ertragsausfällen rechnen. Auch der Einsatz der chemischen Keule rechnet sich nicht mehr. Pestizide sind sehr teuer und weniger wirkungsvoll als zu DDR-Zeiten (wahrscheinlich war früher überall DDT drin).

Letztes Jahr hatte ich den Kartoffelkäfer und die Raupe des Kohlweißlings hat mir den gesamten Grünkohl geraubt. Da hat auch tägliches Absammeln nichts geholfen.

Vor kurzem habe ich mir neue Hühner gekauft. Gegenüber letztem Jahr sind die Preise fast 50% gestiegen. Junghennen jetzt zwischen 12,50 EUR und 17 EUR, letztes Jahr zwischen 9 und 13 EUR. Da man jetzt praktisch jedes Jahr im Herbst/Winter mit einer mehrwöchigen Stallpflicht wegen Vogelgrippe rechnen muss, habe ich mir vor 2 Jahren eine überdachte Voliere gebaut. Kosten auch mehr als 1.000 EUR. Bei Stallpflicht hat man auch mehr Krankheiten, so dass auch hier mal das eine oder andere Huhn stirbt. Im freien Garten holt sich auch der Habicht mal ein junges Huhn.

Also mir dienen die Gärten nur zur körperlichen Ertüchtigung, für einen regelmäßigen Tagesablauf und der gesunden Ernährung. Im Supermarkt könnte ich wohl insgesamt alles billiger kaufen, wenn ich eine Vollkostenrechnung ohne Arbeitseinsatz aufmache. Vielleicht würde es finanziell sogar für den Bioladen reichen.

Und als Krisenvorsorge dient die Selbstversorgung auch nicht, denn in einem abseits gelegenen Garten werden Gemüse, Hühner und Eier schneller geklaut als man gucken kann.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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