Außenhandelsbilanz, Löhne & Gewerkschaften etc. ..
Du erklärst die Zusammenhänge völlig richtig. Interessant fände ich noch, soweit das möglich ist, Inflation von Teuerung abzugrenzen.
Ich finde deine Unterscheidung sachlich richtig, jedoch nicht für "allgemein üblich". Ich verwende den Begriff Inflation deshalb lieber "im geläufigen Sinne", der Verständlichkeit wegen, und unterscheide zugleich zwischen "guter" (= Lohn-Preis-Spirale) und "schlechter Inflation" (= Stagflation).
-> z.B. die damalige DEM wurde härter, weil DE Exportweltmeister war und sich vor Zustrom von Devisen (wie $US) kaum retten konnte.
An diese Zeiten kann ich mich noch erinnern (70er). Die Auslandsreise kam dann in Mode, um wenigstens einen Teil der Devisen im Ausland gegen Leistung wieder abzuladen. Da erreichte den Segen wenigstens mal den Fabrikarbeiter, der sich die von ihm produzierten Autos nicht leisten sollte (sie gingen ja ins Ausland).
Ja, das erinnere ich auch so. Jeder deutsche Malocher konnte sich einen schönen Auslandsurlaub in Süd-Europa leisten; und einen VW-Käfer oder Opel oft noch dazu. Selbst all die Gastarbeiter konnten das.
Du musst aber mitbedenken, dass wir damals sehr starke Gewerkschaften hatten - mit Organisationsgrad von über 90% der Arbeitnehmer - die ohne Wenn und Aber regelmäßig starke Lohnsteigerungen durchsetzen konnten .. nicht zuletzt mittels der großen Streiks. Das ist vorbei. Heute ist der Organisationsgrad weit unter 15%. Das hat folgende Konsequenzen:
Auch heute ist DE zwar ein Exportweltmeister, aber die Reallöhne stagnieren. Heute bekommen die deutschen Malocher anstelle von billigen Devisen diese Luftnummer: "Target2"! Also den Stinkefinger! Du verstehen? Das janze Geld in Euro behalten jetzt die Unternehmer und ihre Managerbonzen für sich. Nix billiger Urlaub im Ausland, Du Malocher!
Es ist immer wichtig, zwischen der überwiegend exportierenden und der hauptsächlich binnenmarkt'abhängigen Wirtschaft zu unterscheiden: Die exportierende Wirtschaft braucht gar keine Löhne zu zahlen, da sie diese NICHT als Einnahmen benötigt. Die binnenmarkt'abhängige Wirtschaft kann sich aber Lohnsenkungen gar nicht leisten, da sie entsprechende Einnahmeneinbußen hätte und einpacken kann.
Das bedeutet: Ohne starke Gewerkschaften oder entsprechende "Lohnpolitik" der Regierung krebsen binnanmarkt'abhängige Unternehmen vor sich hin (= tendenzielle Rezession), WENN, wie im Falle von DE, die exportierenden Unternehmen wachsen und selbstverständlich die Löhne drücken.
Weiter wechselte die Bundesbank ihre Dollar Devisen in physischen Goldbesitz, der dann auf Nimmerwiedersehen in den Tresoren der FED wandern durfte.
Ja, auch dem stimme ich zu.
Letztendlich wurde doch mit jeder Aufwertung der D-Mark das im Besitz Deutschlands befindliche Devisenguthaben abgewertet, den ausländischen Kunden also nachträglich ein erheblicher Rabatt auf ihre Einkäufe eingeräumt.
Ich würde nur sagen: dass die Exporte verteuert wurden, was den Exportüberschuss gebremst hat .. was grundsätzlich sinnvoll ist. Deshalb halte ich freie Wechselkurse für wichtig.
Eine gesunde VW hat eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz .. was ihr die größtmögliche Stabilität verleiht. Dies ist im Sinne einer "Optimierungsfunktion" zu verstehen = goldene Mitte; der Königsweg.
Oder habe ich da einen Denkfehler?
Das kann ich im Moment nicht beurteilen.
Mit Gruß, Beo2