.. und noch ein paar Berichtigungen ..

Beo2, NRW Witten, Mittwoch, 17.11.2021, 16:57 (vor 1525 Tagen) @ Miesepeter1336 Views
bearbeitet von Beo2, Mittwoch, 17.11.2021, 17:55

-> Die Arbeitskraft (sowie die übergeordnete "Natur") war und ist der Erschaffer aller Produktionsmittel und aller Produkte von Wirtschaftstätigkeit. Daraus folgt für mich zwingend, dass die Arbeitskraft in jedem gesellschaftlichen Werteskala höher stehen muss als das Kapital, was auch praktische Konsequenzen haben muss. Das ist das eine.

Der Kapitalgeber gibt nicht nur sein Kapital her. Er setzt es aufs Spiel.

Genau dasselbe tut auch jeder lohnabhängige Arbeitsgeber, da er seine Arbeitskraft ja an jedem Arbeitstag zu 90% im Unternehmen verbraucht. Er ist deshalb nach jedem "Feierabend" zwangläufig mindestens weitere 2-3 Arbeitsstunden (inkl. der Fahrzeiten) ausschließlich damit beschäftigt, seine Arbeitskraft zu pflegen und wiederherzustellen .. und das, nachdem er bereits die Maschinen und Werkhallen des Kapitalisten feinsäuberlich gepflegt und instandgesetzt hatte. Das kostet ihn nicht nur Geld und "Freizeit", sondern auch ein Stück Gesundheit, da die Wiederherstellung der verbrauchten AK so gut wie nie vollständig gelingen kann. Schließlich sind ja auch noch der Partner, die Eltern und die Kinder usw. da.

Langfristig zeigt sich dann darin, dass die durchschnittliche Lebenserwartung - von durchschnittlicher Lebensqualität ganz zu schweigen - von Menschen, die überwiegend aus einem Arbeitslohn ihren Lebensunterhalt bestreiten, deutlich niedriger ist als diejenige von Menschen, die überwiegend durch Kapitaleinkünfte leben.

Er entscheidet, was überhaupt der Tätigkeitsinhalt der gemeinsamen Unternehmung sein soll, wählt und und strukturiert die Realisierung, und zwar auf eigenes Risiko.

Wieso entscheidet ER ganz allein? .. wenn es sich doch um eine GEMEINSAME Unternehmung handelt? Das widerspricht der offensichtlichen Sachlogik.

Die Arbeitskraft erschafft keineswegs allein alle Produktionsmittel und Produkte von Wirtschaftstätigkeit, ebensowenig wie die Bauarbeiter alleine ein Gebäude erschaffen. Ohne Bauarbeiter entseht kein Haus, aber ebensowenig entsteht es ohne Bauherrn oder Architekt (zumindest in der arbeitsteiligen Marktwirtschaft).

Wenn ich von Arbeitskraft rede, dann rede ich von aller! Arbeitskraft .. auch der des mitarbeitenden! Kapitaleigners usw.. Gewerbliche Lieferanten jeglicher Art (egal ob 1-Mann oder größer) sind wiederum andere Unternehmen, die gesondert, jedoch nach den gleichen Kriterien betrachtet werden müssen.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Verwaltung bzw der Entscheidungsprozess hinsichtlich des Einsatzes von Kapital = die entscheidende Lenkungsfunktion wirtschaftlicher Tätigkeit keine qualifizierte Arbeit darstellt.

Das ist ein Missverständnis deinerseits. Ich meine grundsätzlich alle! in einem U. direkt beteiligte Arbeitskraft und Arbeitsleistung. Für den Arbeitsaufwand des reinen Investors muss es grundsätzlich und berechtigterweise einen Kapitallohn geben. Dagegen ist nichts einzuwenden .. jedoch gegen die Art und Weise von dessen "Berechnung und Bemessung".

-> Zweitens, die Produkte jedes Unternehmens, egal ob Waren oder Dienstleistungen, enstehen aus einer "Fusion" (= Einsatz und Verbrauch) von Kapital und Arbeitskraft. Daraus folgt für mich, dass das Produkt jedes U. selbstverständlich Eigentum sowohl der Kapitalgeber als auch der Arbeitserbringer zu sein hat .. und damit auch die dafür erzielten Erlöse, prinzipiell zu gleichen Teilen. Welche praktischen betriebswirtschaftlichen Konsequenzen auf der Unternehmensebene das haben könnte und sollte, dafür habe ich konkrete Lösungen = Stichwort: paritätische Mitbestimmung & Ergebnisbeteiligung von Kapitalgebern UND Arbeitserbringern.

Übersehen wird so aber, dass die Kapitalgeber im Gegensatz zu den anderen Arbeitserbringern per se keinerlei Einkommen aus den Erlösen erhalten. Sie erhalten Einkommen ausschliesslich aus dem Ergebnis.

... wobei das "Ergebnis" vollständig aus den Erlösen - nach ganz bestimmten! Regeln - heraus gerechnet wird. Und wer diese "Berechnungsregeln" definiert hatte und aufrecht erhält, wissen wir ja. Das wurde von keinem Naturgesetz diktiert.
Und zweitens, wieso eigentlich gehört "das Ergebnis" einer gemeinsamen Unternehmung allein den Kapitaleignern!? Wo bleibt die Sachlogik? Der sog. Arbeitslohn ist nur reine Kostendeckung für die Arbeitsgeber. Wo bleibt deren "Ergebnis"?

Eine Parität müsste also auch beinhalten, dass die Kapitalgeber ebenfalls ein Einkommen aus den Erlösen erzielen.

Woher denn sonst!? Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne vom notwendigen "Kapitallohn", analog zum Arbeitslohn. Und dieser Kapitallohn sollte, nach meiner Logik, selbstverständlich Gegenstand von Vertragsverhandlungen zwischen den Kapitalgebern und den Arbeitsgebern in jedem Unternehmen sein. Eine intelligente "Formel" ließe sich auch per Betriebsverfassungsgesetz (den wir ja bereits haben) für alle Unternehmen festlegen, da die hier besprochenen Sachzusammenhänge überall dieselben sind.

-> Und viertens, was ich noch erwähnen möchte: ist das private Eigentum an wirtschaftlich verwertbarem Grund & Boden (mit allem drauf und drin) in wenigen Händen. Auch hier haben wir ein weiteres dickes "Eigentumsproblem" im Kapital'Ismus**.

Vermögenskonzentration ist eine Funktion des Systems.

Soll das eine Entschuldigung oder eine Rechtfertigung sein? Und wenn Ja, dann wofür?

Sicherlich könnte man durch neue Spielregeln innerhalb des Systems diese Konzentration vermindern oder verlangsamen.

... oder verhindern. Das ließe sich durchaus intelligent und effektiv bewerkstelligen.

Dabei wäre dann zu fragen, ob man den Anreiz zu erfolgreicher Lenkung sämtlicher Wirtschaftstätigkeit verringern will (Kapitaleinkommen aus wirtschaftlicher Tätigkeit) oder aber ob es nicht andere Mittel gibt, die Bildung von Kapitalimperien zu unterbinden (zb Vermögenshöchstgrenzen, Erbschaftsfolgen unterbrechen usw).

Ich möchte aber keine "Stützbalken" für ein sanierungsfälliges, sowieso dysfunktionales Haus, sondern einen schrittweisen Umbau und Anbau .. evtl. ausgenommen die Fassade.

Die Frage selbst ist nur ein untergeordnetes, praktisches Problem. Ein Blick in die Geschichtsbücher legt nahe, dass dies früher oder später gelöst wird...und danach das Spiel wieder von vorne beginnt.

Mein Thema ist aber nicht, ob oder wie die Gesellschaft sowieso einmal sterben muss (wie alle lebenden Organismen), sondern ihre (variable) Lebensqualität und Lebenserwartung WÄHREND sie noch lebt.

Das war das 1x1 meiner BWL, sehr grob skizziert.
Mit Gruß, Beo2


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