Man muss den Leuten was bieten, damit sie den Scheiß namens Geldwirtschaft mitmachen.
Guten Tag,
Mir stehen die Zusammenhänge leider wie immer nicht so klar vor Augen, wie Dir. Ich glaube, Du kannst unser Zivilisation, samt Geldsystem drehen und wenden wie Du willst, sie ist nicht mehr zu retten.
Es ist ein Ammenmärchen zu glauben ein Goldstandard hätte etwas mit "Verzicht" im Sinne von wirtschaftliche Stagnation oder etwas in der Art zu tun.
Ich sage, der Goldstandart entschleunigt die Entwicklung, was für mich Verzicht impliziert. Du redest davon, dass der Goldstand nicht das Wachstum hemmt und einen Absatz vorher schreibst Du, dass der Goldstandard mördermäßige nominalen Wachstumsraten nicht zulässt?
Du brauchst Dir dazu nur einmal Deutschland zwischen ca. 1870 und 1914 anzusehen, denn das war eine Zeit des Goldstandards.
Klar, wir starten im Jahr 2025 den Goldstandart und alles ist wie 1870. Das entbehrt jedweder Anstrengung weiterer Überlegungen.
In der Zeit von 1870 und 1914 hat auch komischerweise das seinen Anfang genommen, was von den Minimalstaatvisionären laufend beklagt wird. Interessensvertretung, Sozialstaat, Staatsintervention, Bürokratie.
In England dito - mit Beginn der industrielleren Revolution trat 1795 sofort die erste Sozialgesetzgebung auf den Plan (Speenhamland-Gesetz). Alles vermeidbare dumme Zufälle oder böser Wille der Herrschenden? Ich sage Dir, man muss den Leuten was bieten, damit sie den Scheiß namens Geldwirtschaft mitmachen, egal ob Goldstandard oder Fiat-Money. Und mit Fiat-Money hat man mehr in kürzere Zeit zu bieten.
Von Häusern, die damals kleine Private bauten, träumt heute so manch halbwegs erfolgreiche Kleinunternehmer.
Und Millionen von Arbeitern, die im Kaiserreich mit X Leuten im dritten Hinterhof in Wohnküchen mit Außenklo hausten, 70 Stunden die Woche geschubberten und Betten im Schichtbetrieb nutzten, konnten auch nur davon träumen.
Was ein Goldstandard kaum bis nicht zulässt, sind dauerhafte mördermäßige Wachstumsraten und überbordende Staatsausgaben, was den Kleinen jedoch nicht wirklich schert.
Die kleinen Leute, die direkt vom Staat über Sozialleistungen finanziert werde oder indirekt durch sonstige Förderungen, wird es schon interessieren. Hier interessiert es auch einige, die zur Sanierung der Infrastruktur nach dem Staat rufen.
Der Pöbel richtet es sich lieber im Elend gemütlich ein als dass er in den Geschichtsbüchern liest
Du siehst den Pöbel also heutzutage im Elend und die Situation des Pöbels zu Kaisers Zeiten ist nicht erwähnenswert? Merkwürdige historische Grundlagen die Du da hast.
Du richtest Dich offenbar mit Deiner Minimalstaatvision im Geiste gemütlich ein und liest nur das in den Geschichtsbüchern, was Du lesen möchtest.
Wie es zur Abschaffung des Goldstandards kam, weiß ich, tut aber nichts zur Sache.
Die Frage ist, ob ein Staat unter einem Goldstandard gegenüber einem Staat unter Fiat-Money heutzutage(!) konkurrenzfähig wäre. Ich beantworte diese Glaubensfrage bis auf Weiteres mit nein, er ist nicht Konkurrenzfähig.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider