"Wie Frau überleben kann" oder "Die gewünschten Tipps zum Elektro-Basteln"

Hannes, inmitten des Landes S-A d. BRD in der EU, Mittwoch, 20.01.2021, 01:10 (vor 81 Tagen) @ Olivia772 Views

Hi Olivia,
nur wieder schnell, sry, denn eigentlich ist schon wieder der Tag vorbei.

Damit Du weiter kommst und dir nicht weh tust. Sowohl 230 V~ als auch 10 kA Kleinspannung können töten.

Folgendes könnte helfen. Aber ich kenne das Problem nicht. Deswegen versuche ich mich hinein zu fühlen und eine möglichst einfache Lösung vorzuschlagen.

Bei Aktientipps kennt das jeder: Immer ohne Gewähr!!! Analog soll das jetzt von mir keinerlei Empfehlung sein im Sinne von verantwortlicher Planung. Erstens sind Missverständnisse möglich und zweitens können meine Hinweise nicht erschöpfend sein.

Ich verstehe das so, dass Du zwei getrennte Stromkreise bastelst, mindestens bestehend jeweils aus einem Photovoltaik-Modul, Laderegler, Akku, Aderleitung und Verbraucher(n).

Das Wichtigste ist, dass Du wenigstens eine Sicherung einbaust in jeden der Stromkreise. Ich empfehle Dir robuste Schmelzsicherungen. Das ist beispielsweise bei Sportbooten in rauher Umgebung bewährt und simpel. Und dort (Schiffsausrüster) auch zu kaufen oder sehr billig im Internet.

Wenn Du Dich im Internet umguckst, siehst Du Hinweise, wie die Nennströme der Sicherungen auszuwählen sind. Nennstrom ist Maximale Leistung dividiert durch Akkuspannung und ein kleiner Aufschlag (in Ampere). Auch die Querschnitte der „Kupferdrähte“ ergeben sich so: Nach maximalem Wert der Dauerstrombelastung und Länge, jeweils stufig aufsteigend dickere Leitungsquerschnitte nötig. Such nach Tabellen.

Fette Warnung: So ein Akkumulator ist sehr potent. Der berühmte Schraubenschlüssel auf den beiden Polen kann dir dein Gesicht verbrennen, bei Frauen besonders unbeliebt, passiert auch Männern, die eine Sicherung rausdrehen, selbst erlebt. Durch die Hitze-Strahlung des Lichtbogens und da keine Sicherung bleibt der stehen und stehen und stehen …. Und wenn Du Pech hast, fliegen wir noch Teile in die Augen, flüssiges Blei und Säure aus dem explodierendne Akku. Ein randvoller Benzintank ist wie gesagt harmlos dagegen! Bei uns im Kraftwerk wo ich gelernt habe hat mal einer in der Schaltanlage nach Schaltfehler*innen die erweichte Farbe von der heißen Stahltür gekratzt mit seinen Fingern, weil er die Klinke suchte, um rauszukommen … Lichtbogen … Ich 'tu damit lieber schweißen.

Es reicht, wenn Du jeweils eine Sicherung an den Pluspol machst, so dicht dran wie möglich, also eben keine 5 Meter Kabel dazwischen! Du kannst ruhig auch zwei Sicherungen in Reihe einbauen, zum Beispiel auch eine am Minuspol, schadet nix aber nützt auch kaum.

Wenn Du das in Panik-Fall ausschalten können möchtest (es brennt), ist ein Ausschalter sinnvoll, aber der muss starken Gleichstrom abschalten können! Dieser Not-Aus-Schalter kann auch auf dem Fluchtweg angeordnet sein. Der darf nämlich beliebigen Abstand haben von deinem Akku, kannst auch einen zweiten in Reihe einbauen irgendwo anders, schadet auch nix. Da Du ja diese Schmelzsicherungen drin hast, muss der auch nicht besonders Kurzschlussstrom-schaltfähig sein (der muss nicht extrem starken Strom aushalten). Ich meine, dass er nur die normale Belastung ertragen können muss in der Stärke, wie sie deine Schmelzsicherung nur hat.

Das kann irgend ein genügend strombelastbarer Nockenschaltersein. Aber dafür musst Du wieder ein Gehäuse und Kabeldurchführungen haben und basteln und anschrauben.

Ein Kleinverteiler mit Hutschiene zB, und dann da drin die billigste und nicht unvernünftige Variante: Ein gebrauchter Leitungsschutzschalter von sagen wir mal 63 Ampere. Das wären dann 63 A mal 12 Volt (wie ich annehme?) genau 756 Watt. Deinen Schalter kannst Du dann rot und gelb anstreichen und mit Not-Aus beschriften oder so, es ist alles besser als gar nichts zum ausschalten zu haben! Und Du kriegst diese Dinger billig bei EBay.

Wenn Du so gegen 800 Watt aus deinem Akku zögest, würde der Schalter natürlich den Stromkreis auftrennen, oder Deine Schmelzsicherung, die Du auch mit 63 Ampere oder „selektiv“ eine Stufe größer wählst. Und wenn er nichts tun würde, also er schaltet nicht automatisch aus bei „Kurzschluss“, weil Du dir bei EBay einen kaputten gekauft hast, dann würde deine Schmelzsicherung kommen irgendwann im Fehlerfall, „alles gut“.

Eines Deiner vielen Probleme wird vermutlich dann sein (sowieso?), mit den dicken Querschnitten der Adern umzugehen. Bezweifle, dass Du eine Quetschzange hast um Aderendhülsen oder Kabelschuhe zu montieren. Guck Dir die Verbindertechnik an bei Gleichstromanlagen im 12V-Bereich, das ist Grobschmiedetechnik, weich Löten verboten!

Die andere Gefahr wie ich bei dir sehe ist, dass Du das Schützen gegen elektrische Durchströmung deines Körpers (und denen Deiner Besucher) noch nicht sicher beherrscht.

Beim Landanschluss ist es leicht, da lass es einen Elektriker machen, das ist für den nichts Besonderes. Bei Deinen Wechselrichtern ist es schon schwieriger. Da mache es selber. Aber einfach. Paradox? Nein. Denn wenn Du ordentliche Technik gekauft hast reicht es, auf dem Hersteller der Wechselrichter zu vertrauen. Die haben eine Grundsicherheit eingebaut. Unter einer Bedingung: Du darfst nicht zwei Geräte oder mehr an einem Wechselrichter anschließen! Nie also die berühmte Verlängerungsschnur mit zwei Brotbackautomaten und den Plattenspieler (ich scherze) an einem Wechselrichter. Denn dann bräuchtest Du eine sogenannte Isolationsüberwachung und das ist jetzt hier wirklich nicht auch noch das Thema hier!

Willst Du also einen zweiten Brotbackautomaten betreiben, nimm für den einen eigenen Wechselrichter. Und die Stehlampe kriegt auch ihren eigenen Wechselrichter. Alle immer it eigener Sicherung und ggf. Ausschalter am selben Akku!

Zu Deiner „Hochspannung“ (nennt man Niederspannung, lustich!):
Deine "FI" heißen ausgesprochen „Fehlerstromschutzschalter“, das ist die alte Bezeichnung, und die machen nichts anderes, als Deine isoliert spannungsführende Draht-Installation 230 V zu überwachen, also, ob in der Isolation irgendwie ein Loch reingekommen ist?

Das kann Nässe sein, oder Du bis das Loch! Wodurch der Strom herauskommt und gegen Erde abfließt. Ab 30 Milliampere setzt dann bei Dir, dem „Leck“ Herzkammerflimmern ein, was (wie bei unserem Coronavirus) für manche nur einen Schreck und für andere das Ende bedeutet. Der FI erkennt das und schaltet schnell ab (wenn ordentlich gebaut, wenn "die Erde" OK ist usw.).

Ich habe fünf Minuten gegoogelt und diese akzeptablen Links gefunden. Sie decken die drei Hauptprobleme ab die Du hast:

Erstens Überspannungen, volkstümlich Blitzschlag genannt, https://www.photovoltaik4all.de/media/pdf/19/07/6a/OBO-Leitfaden-Photovoltaikanlagen.pdf

Zweitens Brandgefahr, volkstümlich Kabel-Überlastung/Dose schmort, beispielsweise findest Du hier eine Tabelle mit erforderlichen Leiterquerschnitten, damit es nicht kokelt, Zitat unten1):
https://www.yachtbatterie.de/de/installationsmaterial/sicherungen.html

Drittens Schutzmaßnahmen gegen elektrischen Schlag, volkstümlich eine-gewischt-kriegen, hier speziell mit Wechselrichtern aus dem Akku erzeugte Spannung 230 Volt Wechslstrom.
https://www.steiko.de/wp-content/uploads/2020/05/Elektrozubehoer.pdf

Das sind ad hoc Links, gibt sicher bessere! Guck selber: Ich würde an Deiner Stelle die in den Links auftauchenden Fachbegriffe rauspicken und dann googeln, da hast Du ruck zuck alles zusammen was Du brauchst. Naja, fast.

Mein obiger Tipp mit EBay ist riskant. Wenn Du genug Knete hast, ist dies sicherer: Such Dir einen Yachtausstatter, da kannst Du Fragen stellen, aber auch Apotheker-Preise zahlen.

Alles Gute!

H.

1) Zitat, sehr richtig!: „Die Absicherung elektrischer Anlagen ist einer der wichtigsten Punkte für die Sicherheit an Bord.
In der Norm DIN EN ISO 10133 wird die elektrische DC-Installation beschrieben. Einer der wichtigsten Punkte ist neben der bekannten Absicherung der einzelnen Verbraucherzuleitungen auf Schalttafeln, die Absicherung aller Hauptleitungen direkt an der Batterie. Ein funktionierendes Absicherungskonzept sieht vor, möglichst nahe an der Batterie eine erste Absicherung vorzunehmen (Hauptsicherung). Gerade die großen Querschnitte die direkt an der Batterie angeschlossen werden, sind in der Lage hohe Ströme im Kurzschlussfall fließen zu lassen. Die dabei in der Batterie und den Leitungen frei werdende Energie führt schnell zu Überhitzung und anschließendem Brand. Selbst eine kleine Starter-Batterie hat genügend Energie gespeichert um eine große Yacht in Brand zu setzen.
Daher muss darauf geachtet werden, daß die Leitung von der Batterie zur ersten Sicherung so kurz wie möglich ist und mechanisch geschützt ist.
Alle abgehenden Leitungen die zur Schalttafel, Ladegerät, Ankerwinde, Messgeräte, Heizungen etc. führen, müssen dem jeweiligen Kabel-Querschnitt entsprechend abgesichert werden“

PS: Hab heute eine Suppe und zwei Besprechungen gemacht. Zu Letzteren: Nur ein Viertel der Teilnehmer saßen am Tisch mit Maske im Gesicht, meine FFP3-CE-beschriftet mit Ventil lag nach wenigen Minuten vor mir auf dem Tisch (Ende Januar 2020 gekauft, werde deswegen immer gefragt – „warum ffp3? reicht keine selbstgenähte?“), Kollege zurück nach Corona-Krankschreibung, man staunt – keine drei Wochen.

--
Eine Hand für den Mann und eine Hand für das Schiff.


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