Du liegst total daneben. Mich trifft aber eine Mitschuld, weil ich mich etwas unscharf ausgedrückt habe

Mephistopheles, Mittwoch, 07.10.2020, 09:09 (vor 1962 Tagen) @ Weiner1298 Views

Hi, Mephisto, Du schreibst:

"Der Staat ist eine juristische Person zum Zweck der widernatürlichen Überproduktion von natürlichen Personen"

Das ist zunächst sehr treffend ausgedrückt, aber es suggeriert, dass der Staat etwas Unnatürliches sei bzw. sich unnatürlich verhalte.

Er widerspricht den biologischen Gegebenheiten des Menschen, z.B. der, dass der Mensch es nicht aushält, dauernd ihm wildfremden anderen Menschen zu begegnen. Der Mensch braucht Abstand. Der Mensch ist darauf programmiert, in einem solchen Fall entweder zu verhandeln oder zu kämpfen. Auf jeden Fall bedeutet eine solche Begegnung Stress.
In einem Staart ist weder das eine noch das andere möglich. Die Folge davon ist, dass die Menschen sich in ihre eigenen vier Wände zurückziehen, und vereinsamen. Lauter Untote.

Da der Staat nicht nur unter Menschen anzutreffen ist sondern etwa auch unter Tieren (Bienen, Termiten ...), muss dieser Auffassung widersprochen werden.

Nimm mal einen Nachhilfekurs in Biologie.
Es gibt doch einige biologische Unterschiede zwischen Menschen und Termiten, obwohl man das auch bei Menschen probiert hat, dass sich nämlich nur ein Individuum fortpflanzen darf und die anderen nicht. Das scheidet aber an den biologischen Unterschieden der Frauen, dass eine Bienenkönigen zwar 100.000e Nachkommen haben kann, nicht aber eine Frau.

Und ganz extrem dargelegt: jeder höhere Organismus, der aus einer Vielzahl von miteinander agierenden Zellen besteht, ist in gewisser Weise ein "Staat". Bereits eine Zelle ist ein Staat, insofern sie aus Zellorganellen zusammengesetzt ist.

Damit bist du zurückgefallen auf des Wissensstand des Agrippa Menenius Lanatus, was aber gleichzeitig, von die unbeabsichtig, auch eine widerlegung deiner Fortschrittsoption ist. Man schreitet zwar voran, aber nicht in die Tiefe, sondern wird immer dümmer.

Dass Staaten (oder gar Kulturen als Komplexe von Staaten) gelegentlich oder 'gesetzmäßig' zusammenbrechen, ist ebenfalls eine ganz natürlich: Lebewesen sind nur beschränkte Zeit lebensfähig (Entropieproblem), haben aber einen eleganten Ausweg gefunden: zyklische Erneuerung durch Produktion von Nachkommen. So viel wie möglich ....

Staaten haben keine Nachkommen, auch wenn sich das heilige römische Reich deutscher Nation für einen Nachkommen des Imperium Romanum hielt.

Und wenn Du (vielleicht?) klagst, wir Menschen würden uns widernatürlich vermehren

Sie vermehren sich nicht widernatürlich, sondern ihre Vermehrung kommt zum Stillstand und führt sogar zum aussterben der Population. Was sich vermehrt, ist die Anzahl der Individuen wie in einem Stall, wo der Bauer, wenn sich die Schweine nicht mehr vermehrren, weil die Eber kastriert wurden, zugekaufte fremdassige Schweine einstellt.

und dabei Ressourcen zerstören, so muss ich Dir sagen: wir dürfen das! Jede Tierart darf das, mithin auch der Mensch. Wenn ein Tier oder eine Pflanze keine Feinde hat, dann werden sie sich so lange vermehren - ungebremst - bis die entsprechenden Umweltressourcen erschöpft sind. Ist alles erlaubt ...

Wir dürfen das zwar, aber wir machen es nicht. Die Zerstörer sind die fremdrassigen Schweine.

Das Kennzeichen des Menschen ist es - und darüber haben wir neulich schon gesprochen -, dass er mit Hilfe seiner neuartigen Sozialorganisation namens "Staat" (in Kombination mit technischer Innovation) seine Umweltgrenzen fortlaufend überschreitet. Und das ist etwas ganz, ganz Besonderes, das es zu schützen und zu bewahren gilt (siehe etwa, unter vielen anderen, Wernadskis Noosphäre).

Diese neuartige Sozialorganisation franst aus und wird schließlich, nachdem die Bevölkerung, die diese Sozialorganisation ursprünglich geschaffen hat, erfolgreich ausgerottet worden ist, wieder verschwinden.
Wie sagte Michael Winkler:
Erst, wenn ihr den letzten Deutschen vergrault oder unter die Erde gebrqacht habt, werdet ihr feststellen, dass die Zuwanderer euch keine Pensionen bezahlen.

Bei Dir höre ich dagegen im Hintergrund Geräusche wie "ja keine Ressourcenverschwendung mehr" (grüne Agenda!?) oder "zurück ins Zeitalter der Wikinger" oder "zurück ins Zeitalter der neolitischen Bauern" oder "zurück zu Familie und Stamm" (reichsbürgerlich ...?).

Die Zeit lässt sich leider nicht zurückdrehen.

Aber die Intelligenz. Schwund an Intelligenz bemerkt man daran, wenn einer wenig sagt mit vielen Worten.

Gruß Mephistopheles


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