Spannende Antworten - Frage noch etwas offen
Hallo nereus!
Ebenfalls vielen Dank für die Beantwortung!
Ich bin bei den meisten Punkten bei dir. Allerdings ist das für mich wenn die Gelegenheit, die Versäumnisse 2008/09 nachzuholen, als die Wall Street bettelnd an der Tür des Weißen Hauses stand und kurz Bush / dann Obama (fast) alles hätte fordern können und doch nahezu nichts umgesetzt hat (mein Eindruck kann trügen - paranoia ist da sicher der Experte!).
Allerdings lösen diese Vorschläge das Problem nicht, dass viele Unternehmen, selbst die profitablen und überwiegend gesunden, die Krise überstehen können, wenn sie denn länger anhält. DIe Meinungen zur Länge und zum richtigen Umgang gehen hier ja weit auseinander.
Wenn die Banken und andere "Investoren" den Selektionsprozess, der ja sehr viele Unternehmen auf einmal treffen würde, durchführen, wäre das wohl akzeptabel. Zumindest gäbe es dort eine gewisse Expertise. Aber wenn der Staat wahllos Kreditlinien einräumt...
Also, wie könnte dieser Selektionsprozess sinnvoll umgesetzt werden mit Blick auf wenig Zeit und viele Anfragen? Ich sage das, weil die Banken in der Finanzkrise 2007/08 immer weniger Kredite ausgereicht haben. Die Lösung damals wie heute sieht die Politik in der Rekapitalisierung der Banken.
Zum Umbau des Finanzsystems:
Zuerst ist das Trennbanken-Gesetz wieder umzusetzen.
Meines Wissens galt das Trennbankensystem in den USA von 1933-1999 (oder auch etwas länger) und soll weitestgehend bis zur Umwandlung der Investmentbanken Ende 2008 in Geschäftsbanken (um Kredite aus Geschäftsbanken vorbehaltenen Töpfen zu erhalten) durchgehalten worden sein.
Sinn meint ja sogar, dass das Trennbankensystem das Risiko für Geschäftsbanken erhöht habe, weil sie die Kredite auslagern (Zweckgesellschaften, SPVs) "mussten", anstatt selbst zu verbriefen.
Mir scheint, solange die Bankkunden als Geiseln gegen die Politik ausgespielt werden können, müssen Banken evtl. "langweilig" gemacht werden.
Spekulanten dürfen gerne spekulieren, aber komplett auf eigene Rechnung.
Spekulation ist ja nicht nur schlecht, viele Erfindungen und Errungenschaften beruhen darauf. Willst du Fremdkapital für Spekulation verbieten?
Wer sich verzockt, muß untergehen .. oder darf sich auch gerne für eine vorübergehende Zeit in Schuldknechtschaft begeben.
Das ist für mich ein zentrales Problem. Wie gelingt eine Haftungseinbindung? Wenn Gewinne privatisiert werden und Verluste auf den Steuerzahler umgelegt, ist das untragbar. Wenn aber Private ein höheres Risiko eingehen möchten und einen Geschäftsmann finden, der das umsetzt, warum nicht? Hier müsste also vor allem das Systemrisiko berücksichtigt werden, damit keine Steuerzahler-Rettungsaktionen kommen.
Dann würde ich das Aktienkapital in entscheidender Höhe auf die Firmenbeschäftigten umlegen, z.T. als kleiner Lohnanteil und als Altersvorsorge. Es muß zwischen Aktionären und Firmen wieder natürliche Verbindungen her, so daß langfristige Interessenausgleiche möglich sind.
Das dürfte auch die elende Zockerei erheblich mäßigen.
Die SPD hat die Deutschland-AG zerschlagen. War vermutlich viel Korruption dabei, die Deutschland-AG dürfte aber wohl alles in allem eher nützlich für Deutschland gewesen sein. Die Deutschen wollen ja keine Aktionäre sein. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen dürfte das wieder so schlimm wie zu Telekom-Zeiten werden.
Dann muß Steuergerechtigkeit her.
Es kann nicht sein, dass Kapitaleinkünfte niedriger besteuert werden als Arbeitseinkünfte.
Sehr spannend. Habe ich grundsätzlich auch ein Problem mit. Mit der richtigen Gestaltung kann man die 25%+Soli+Kirchensteuer aber nochmal gut unterbieten. Nötiges Kleingeld vorausgesetzt.
Ebenso wäre eine Einkommensbegrenzung nötig, also z.B. daß die Geschäftsleitung nicht mehr als das 10- oder 15-fache des Durchschnittsverdienst aller Firmenangestellten beziehen darf – quasi als Ethik-Regel des Managements.
Managementvergütung ist nochmal sehr interessant. Hier gab es sicher einige Fehlanreize. Vergütungen mit langfristigen Vergütungsbestandteilen, gegen die man nicht hedgen darf, finde ich eine interessante Lösung. Ist die Vermutung unrealistisch, dass ein Manager bei hohem Risiko in fünf Jahren seinen Lebensabend verdienen kann/konnte? Oder kommt man mit so riskantem Verhalten gar nicht erst in die Positionen, in denen solche Gehälter gezahlt werden?
Und – gaaanz wichtig – Politniks und CEOs müssen endlich für ihre Entscheidung haften!
Wie gestaltet man das aus? Beim Strafrecht wird's am Vorsatz und Beweis fehlen.
Eine Korruptionsbehörde fände ich auch nicht übel, aber
Ich war nie ein Freund von Korruption, aber ein gewisses Maß an Nepotismus kann ich schon nachvollziehen. Ich würde auch jemanden bevorzugen, den ich kenne. Und vergleichbar sind Lebensläufe doch nie. Solange aber Berufspolitiker quasi direkt in Groß-Konzerne wechseln...
mfG
nereus
Beste Grüße Athen
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