Wie alle Welterklärungen, gerät auch der Debitismus irgendwann in Erklärungsnot

trosinette, Dienstag, 17.03.2020, 13:56 (vor 2158 Tagen) @ nereus2139 Views

Guten Tag,

Aha, sie räkelt sich auf dem Divan und gibt sich dem Drängen des Unbekannten ganz selbstlos
hin. Weil „Sie“ nicht anders kann und weil es die Umstände so wollen.

Mir ist auch klar, dass hinter allem was geschieht handelnde Personen stehen. Ich hebe hier nur extrem darauf ab, dass die Umstände alles so wollen, weil hier das andere Extrem vorherrscht – alles ist nur deshalb so wie es ist, weil es die Hochfinanz und die da oben so wollen.

Diskutiere ich mit Rechten argumentiere ich links, diskutiere ich mit Linken argumentiere ich rechts. Diskutiere ich mit Libertären argumentiere ich sozialistisch, diskutiere ich mit Sozialisten, argumentiere ich libertär. Das funktioniert voll gut, weil alle mit ihren Ideen irgendwo recht haben.

Das ist der gleiche Sprech, den uns schon @dottore servierte, als die Yachten und Villen
der Abramonwitschs dieser Welt als notwendig zu befriedigende Urschuld deklariert wurden.

Hier würde ich allerdings auch nicht die Urschuld als Begründung bemühen, sondern die Psychoanalyse eines profanen angloamerikanischen Rockersängers zu Rate ziehen:

"Poor man wanna be rich
Rich man wanna be king
And a king ain't satisfied
'Til he rules everything"

Und ich bin selbst nicht frei davon. Nach über 30 Jahren Börse kenne mich damit persönliche gut aus. Egal wieviel Kohle ich hatte, es hätte immer ein bisschen mehr sein können. Da ich mittlerweile ein sanierungsbedürftiges Eigenheim erworben habe, könnte es sogar noch viel mehr sein.

Genau hier kann ich mit dem Verständnis des Debitismus nicht mehr viel anfangen.
Wirtschaften ist eben doch noch etwas mehr als reine Biologie oder Physik, wo Naturgesetze
herrschen.

Ich würde eher sagen, dass wir die Naturgesetze im letzten Grunde nicht genau kennen. Ich kann Dir keine genaue Auskunft darüber geben, wieso ich dieses und jenes denke tue oder lasse. Der Großteil meiner Handlungs- und Denkmotivation liegt im Verborgenen und die Befriedigung der Urschuld, also das nackte Überleben, ist nur eine Handlungsmotivation von vielen.

Auch ein Konzentrationslager konnte mit „günstigen“ Arbeitskräften effektiv produzieren,
also rein ökonomisch kann man dagegen nun wirklich nichts vorbringen, oder?

Kann man auch nicht. Als ich im Zuge eines Betriebsausfluges vor Jahren das VW-Werk in Wolfsburg besucht habe, war ich erschüttert und kam mir vor wie in einem KZ. Meine Kollegen waren von so viel Optimum und Effizienz weitestgehend begeistert.

Vielleicht bin ich auch nur zu sensibel. Business-Fliegerei erscheint mir wie ein Viehtransport. Mit dieser Wahrnehmung stehe ich auch meist allein auf weiter Flur.

Was macht die Macht da eigentlich ganz genau?
Frönt sie nur den Umständen, weil das Schicksal sie dazu verdonnert hat oder betrügt sie
einfach nur im ganz großen Stil, weil sie weiß, dass sie sich mit diesem System über eine
große Zeitspanne sehr gut gehen lassen kann?

Ich kann auch nicht genau sagen, was die Macht ganz genau macht.

Das ist mir zu kompliziert. Ich habe versucht, meinen Gedankenwust hierzu in einer akzeptablen Darreichungsform schriftlich zu fixieren, es ist mir aber nicht gelungen.

Nur soviel:

Die Macht macht nichts und betrügt nicht, weil sie keine Versprechen macht.

Macht macht erst was, wenn sie von Akteuren ergriffen oder per Geburt verliehen wird.

Warum ich relativ ohnmächtig bin und andere relativ mächtiger kann ich Dir auch nicht sagen. Die Umstände, in die ich hineingeboren wurde, haben darauf bestimmt einen maßgeblichen Einfluss. Der Plan, morgen nach dem Frühstück auch mal Macht zu ergreifen erscheint mir zumindest ziemlich sinnlos.

Und restlos alle wollen es sich gut gehen lassen. Man bracht dafür aber auch entsprechend justierte Antennen. Viele bemerken gar nicht, dass es ihnen gut geht.

Mit freundlichen Grüßen
Schneider


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