Einige Fragen wären offen
Hallo nereus,
Wie Du vielleicht weißt, gehöre ich zu den kritischen Betrachtern des Debitismus.
Ich bin allerdings der Meinung, daß er erheblich mehr über Geld, Kredit und Wirtschaft erklärt als viele andere Theorien.
Völlig einverstanden.
Warum hat von den vielen Anhängern des Debitismus' noch nicht einer versucht, die Corona-Krise unter dem Aspekt dieser Theorie zu erklären?
Was soll da erklärt werden?
Die Pandemie beschleunigt nur den lang erwarteten Niedergang.
In diesem Sinne sehe ich keine unbeantworteten Fragen.
Ich schon. Mich interessiert, wie sich die Vulgär-Marktwirschaftler und Vulgär-Debististen dazu stellen, daß die Corona-Krise eine Folge dessen ist, was sie anbeten wie das Goldene Kalb, die von keinerlei Regulierung und staatlichem Rahmen eingegrenzte Marktwirtschaft.
Erstens ist das alles über viele Jahre hier durchgekaut worden und zweitens würde das jetzt auch wirklich kaum jemand mehr wissen wollen.
Mich interessiert sehr, weshalb viele, die ich als Verfechter eines brutalen Marktliberalismus in Erinnerung habe, auf einmal wie kleine Kinder nach dem Staat schreien?
Zumindest wäre zu erwarten, daß sie zugeben, mit ihrer früheren Anwendung des *Markt um jeden Preis* falsch gelegen zu haben.
Und eine Theorie hilft nicht das Unvermeidliche zu vermeiden, allerhöchstens beim sich anschließenden Neuaufbau ein paar wesentliche Dinge zu berücksichtigen.
Herrlich, wieder ein Neuaufbau unter anglokapitalistischen Vorzeichen. Wie lange wird es nächstesmal gut gehen? Nur bis zum Crash oder droht wie 1914 und 1939 wieder ein großer Krieg?
Das Corona-Virus hat nur den Eckstein in dem maroden Laden gelockert und alle Welt sieht es jetzt aus den Wänden rieseln.
Natürlich. Mir geht es darum, ob das Virus nicht den massenmordaffinen Wahnsinn der marktradikalen und libertarianistischen Theorie offengelegt hat, was eine Art Apokalypse wäre?
Der marktwirtschaftlichen Erleuchtung hoffend und harrend.
Da wird nichts erleuchtet werden.
Warten wir's ab, ob die Anhänger Mises', Hayeks, Friedmans, Hoppes und Vulgarisierer der brillanten Theorie dottores, die er selbst in unangemessener Bescheidenheit als Beschreibung bezeichnet, ihr Pulver schon verschossen haben?
Weißt Du was ich vermute? Der Marktradikalismus ist wie die Demokratie eine reine Schönwetterveranstaltung, die nur so lange funktioniert, wie deren infame Lügen nicht offenkundig werden.
Das ist meine Hypothese, die jeder widerlegen kann.
Wenn Du es bildlich willst, ist das Ende der Lügen erreicht, um es einmal metaphorisch zu betrachten.
Wem sagst Du das?
Man hat dem Säufer nicht mehr seine täglichen 2 Gläschen kredenzt, um ihn bei Laune zu halten, sondern man nach und nach mit ihm Party gefeiert, den Schnaps erst Flaschen- und später Kistenweise geholt.
Irgendwann waren alle so besoffen, daß keiner mehr der Realität ins Auge blicken wollte.
Wer ist der Säufer, wer ist alle? Bin ich Rothschild oder Goldman Sachs?
Ich sehe künftig eher den neuen Triumph des Sozialismus, wobei noch nicht ganz klar ist, ob er rot, braun oder grün sein wird. Vermutlich eine Mischung aus allem, mit gut erkennbarem grünen Grundton.
Meine Erwartungen gehen eher in Richtung messianische Bankendiktatur. Das kann ich nicht als Sozialismus betrachten, wenn die kleinen Leute zugunsten der Banken, Großkonzerne und fremder Staaten enteignet werden.
Sobald wir Ackermann, Leusder, Ortseifen, Bellavite, Kaeser, Albrecht, Quandt, Klatten, Schäffler, Fürstin Gloria und Jens Nonnenmacher mit dem Hut in der Hand am Rand der Bürgersteige sehen, reden wir über Sozialismus.
Tempranillo
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*Die Demokratie bildet die spanische Wand, hinter der sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen eine etwaige Empörung des Volkes*, (Francis Delaisi).