Hebel im Vergleich: Bucket-Shop und Terminbörsen
Hallo Radegast,
Das wäre mal ne gute Frage. Antwort: Weil der Casinobetreiber daran interessiert ist, daß die Kunden soviel Geld wie möglich einsetzen. Also erlaubt er ihnen sogar, Positionen vom 10-fachen oder 20-fachen ihrer Einlage einzugehen. Anders ausgedrückt: Der Casinobetreiber gibt dir für den Zeitraum deiner Position Kredit.
Das ist analytisch komplett falsch. Die Börse, oder meinetwegen auch der Casinobetreiber, gibt keinen Kredit. Der rechnet abends die Marktwerte der offenen Kontrakte aus und kassiert das Geld bei den Verlierern und schreibt es den Gewinnern gut.
Kredit manifestiert sich bei den Preisen für Financial Futures darin, dass die Terminkontrakte etwa in Höhe der Finanzierungskosten über der Kasse notieren, also z.B. Dax-Futures gegenüber einem Dax-Korb.
Es nützt also nichts, seinen Dax-Korb, seine Dax-ETFS zu verkaufen, einen Dax-Future zu kaufen und auf den Verkaufserlös Zinsen zu kassieren - die werden vom höheren Kaufpreis des Dax-Futures wieder aufgefressen.
Warum macht er das? Er ist ein ganz schlauer, der Casinobetreiber. Er hat sich Statistiken seiner Kunden angeschaut und festgestellt, daß 95% der Leute ihren gesamten Einsatz verlieren. Ohne, daß er irgendwie manipulieren müßte. Nein, er muß nur den Tisch aufstellen und ab und zu aufpassen, daß niemand Karten zählt. Für den Totalverlust sorgen 95% der Leute von ganz allein.
Du solltest mal darüber nachdenken, wie seriös Dein Casinobetreiber ist, wenn er Hebel von 1000 (Sicherheitseinschuss 1 Promille!!!) bei Silber erlaubt, während eine Comex USD 32500 verlangt, bei einem Kontraktwert von etwa 75 USD/Unze * 5000 Unzen = USD 375 000. Das macht dann einen Sicherheiteneinschuss von 375 000 / 32 500 = ~8,7% aus oder einen äquivalenten Hebel von etwa 11,5.
An alle:
Wer Marginerhöhungen bei Terminbörsen kritisiert, hat das System nicht verstanden. Die Dinge haben eine innere Logik.
Allein schon der jüngste Silberpreisanstieg von 25% im Dezember rechtfertigt schon eine Erhöhung von 25%, selbst wenn die Volatilität der Silber-Futures sich gar nicht verändert hätte, weil die Margins bei den mir bekannten US-Börsen immer in absoluten USD-Beträgen angegeben werden.
Doppelter Kontraktwert => doppelte Margin, gelle?
Gruß
paranoia
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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.