Silber-Backwardation - wo denn?!
Hallo Radegast,
ich sehe keine Backwardation auch wenn die Kasse gerade mal teurer ist als der nächste Kontrakt.
Entgegen der bei Gabler formulierten Definition
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/backwardation-28890
gucke ich auf die Terminpreiskurve:
https://www.cmegroup.com/markets/metals/precious/silver.settlements.html
Wie hieß das aktuelle Geldsystem gleich so zutreffend?
Fiat-System?
Ich würde mich freuen, Du beim Thema bleiben könntest!
Der Knackpunkt ist vielmehr der: Wenn ich die physischen Positionen bei diesen Preisen auflösen will, dann ist das praktisch unmöglich.
Aus welchem Grund sollte JP Morgan ein physisches Silberlager erworben haben und es gleichzeitig auf Termin verkaufen?
Könnte es bei den "physischen Positionen" nicht auch um etwas anderes handeln?
Der Markt ist nicht breit genug und wenn tatsächlich 200 Millionen Unzen im Raum stehen, dann dauert das 1-2 Monate, um die aufzulösen.
200 Millionen Unzen entsprechen 40.000 Kontrakten.
aktuelles tägliches Handelsvolumen im März-Future 2026: über 100.000 Kontrakte:
https://www.cmegroup.com/markets/metals/precious/silver.settlements.html
Bedeutet, wenn ich über so massive Positionen verfüge, habe ich sogar ein Interesse daran, daß der Preis hoch bleibt, weil ich die große Position in einer einzigen Woche o.ä. gar nicht auflösen kann. Auch für dieses Szenario ist es äußerst hilfreich, wenn ich den Markt irgendwie bei so hohen Preisen pinnen kann.
Andererseits weiß ich genau, daß der Markt in 6-12 Monaten wieder auf sein normales Niveau fallen wird und ich meine Papier-Short-Positionen dann auch mit Profit schließen kann. Ich muß nur warten, bis sich die Backwardation wieder in eine normale Forward-Notation dreht. Das dauert eine Weile.
Du meinst, Terminkurve im Contango? Aber dann kostet das Überrollen der Futures doch Geld?!
Jetzt ist die große Frage: Verliere ich die Nerven oder weiß ich, wie das Spiel gespielt wird?
Oder bin ich vielleicht sogar Spielmeister?
Radegast, irgendwie sind diese Sprüche themenfremd...
Ich erzähle Dir jetzt, wie einfach JP Morgan aus einer physischen Long-Position und einem Börsen-Short herauskommt:
0. Zu einem der zugelassenen Barrenhersteller gehen und das Silber umschmelzen lassen
1. Das Silber in ein Comex-Warenhaus einliefern
2. Lieferung in den März-Kontrakt anzeigen
Liegt die physische Position schon im Comex-Warenhaus, ist nur Schritt 2 erforderlich.
Liegt die physische Position in Form von zugelassenen Barren außerhalb des Comex-Lagers, ist Schritt 1 und 2 erforderlich.
Entspricht die physische Position nicht den Comex-Spezifikationen, ist Schritt 0,1 und 2 erforderlich.
Mehr nicht.
Hinter der "physischen Position" könnte sich aber noch etwas anderes verbergen...
Was wir sehen, könnte die Manifestation eines Liquiditätsrisikos aufgrund starker Preisschwankungen (Aufwärtsbewegung) sein. Harmlos, es braucht halt jemanden, der der Börse Sicherheiten stellt, Cash oder US-Staatspapiere, Bills, Notes oder Bonds.
Es gibt aber auch noch ein schlimmeres Szenario. Daran ist eine deutsche Aktiengesellschaft zerbrochen.
Gruß
paranoia
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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.