Was ist da wirklich passiert?

Radegast, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 09:49 (vor 1 Tag, 16 Stunden, 24 Min.) @ Radegast874 Views
bearbeitet von Radegast, Samstag, 03.01.2026, 09:53

Hab ein paar Szenarien durchgespielt, was da tatsächlich abgelaufen sein könnte, und hier ist das Ergebnis:

Was wir wissen:
- JP Morgan ist seit 15-20 Jahren der zentrale Marketmaker in Silber. Sie sind für die Jahrzehnte langen Preisdrückungen im Silber verantwortlich, die erfahrene Anleger dazu gebracht haben, von Silber generell abzuraten. Fundamentaldaten hin oder her. Wenn der Markt zu sehr manipuliert ist - so wie das bei Silber seit 20 Jahren der Fall ist - dann ist von einem Investement generell abzuraten.

- JP Morgan dürfte also die größten Silber-Shortpositionen weltweit haben. Wohlgemerkt, Papier-Silber. Im Hintergrund sollen sie jedoch still und leise riesige physische Positionen aufgebaut haben, ähnlich der Gebrüder Hunt (siehe Dirk Müller alias Mr. DAX).

- Wenn der Silberpreis weiter steigt, bekommt JP Morgan irgendwann ein Problem. Die Papierpositionen laufen zu weit ins Minus. Silber ist seit dem Sommer 2025 in klassischer Backwardation. Bedeutet, zukünftiges Silber ist heute billiger zu haben (mit Abschlag) als das aktuell gehandelte. Allein dieser Fakt sagt eigentlich schon alles über zukünftige Preisentwicklungen aus, doch die Masse weiß mit Backwardation nichts anzufangen. Auch für JP Morgan ist Backwardation zwar "good to know", es ändert aber nichts an den aktuellen Buchverlusten. Diese Verluste werden irgendwann zu groß.

- Wenn ich mit einer Position im Minus bin, habe ich generell zwei Möglichkeiten. Ich liquidiere oder ich hedge das Risiko. Liquidation bedeutet, die Verluste zu realisieren. Hedgen bedeutet, das Risiko weiterer Verluste einzufrieren. Wenn ich in meinem Leben eines gelernt habe, dann daß diese großen Player keine Verluste realisieren. Sie werden den "Teufel komm raus" tun, aber sie werden kein Geld verlieren. Sie finden einen Weg, und wenn da kein Weg ist, dann schaffen sie ihn.


Jetzt kommen wir zum Part, den wir nicht genau kennen und wo ich nur noch annehme:

Da Silber in Backwardation notiert, wird JP Morgan die theoretischen Verluste natürlich nicht realisieren. Sie wären schön dumm. Also werden sie das Risiko hedgen wollen. Nach dem Motto: Laß den Markt eine Weile machen, was er will, aber bitte ohne weiteres Risiko für uns. Wir wissen, daß er in Zukunft wieder runter kommt, und wir haben alle Zeit der Welt.

Problem: Um das Risiko zu hedgen, müssen sie eine riesige Position Call-Optionen kaufen. Die kostet eine Stange Geld - und simsalabim - JP Morgan ist im Moment nicht liquide genug für eine solch große Hedge-Position. Schließlich sind sie gerade tiefrot im Minus.

Also was machen? Sie berufen eine Notfallsitzung ein und erklären den Beteiligten: Wenn Silber weiter steigt, dann kriegen wir 'nen klassischen Margin-Call. Wenn JP Morgan als größter Silber-Händler pleite geht, haben wir eine Bankenkrise, gegen die 2008 Kindergarten war. Vorschlag: Ihr leiht uns das Geld, damit wir den Margin-Call abwenden können, der dem System das Genick bricht. Ihr kriegt das Geld zurück, wenn der Markt sich wieder beruhigt hat.

Gesagt, getan. Diskutiert werden mußte nur der Preislevel der Hedge-Position, denn davon hängt die Größe der notwendigen Finanzspritze ab.


Wie wir jetzt wissen und wie der Optionsmarkt bestätigt, liegt der Level bei besagten 75 Dollar. JP Morgan ist damit aus dem Risiko raus. Für jeden, der auf weiter steigende Preise spekuliert, weil JP Morgan auf massiven Verlusten sitzt, sollte das ein großes rotes Warnschild sein. Von JP Morgan kommt jetzt jedenfalls kein Druck mehr. Wenn dieser Druck jedoch weg ist, haben wir es - sehr überspitzt formuliert - nur noch mit Hausfrauen, Frisören und Taxifahrern zu tun. Mit denen hat man seit jeher leichtes Spiel.


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