Was wiederrum die Folge von Standesdünkel, Beamtenmentalität und neoliberaler Phase ist...
Abitur ist halt immer noch gleichgestellt mit Studium, daher gehen 99,99% aller Schulabgänger erstmal an die nächstbeste Uni fast ausschliesslich ein Schwachsinnsstudium, das keiner benötigt - meistenteils irgendwas Geisteswissenschaftliches, denn zu mehr reicht es oftmals schlicht nicht. Diesen Niedergang sieht man auch daran, dass von den Universitäten für viele Studiengänge mittlerweile empfohlen wird, bestimmte Vorkurse zu besuchen, damit evtl. fehlende Vorkenntnisse nachgearbeitet werden können.
...das fing schon zu meiner Abiturzeit (Anfang der 1990iger) an, wer nicht studiert hatte, hatte eine höhere Wahrscheinlichkeit für Arbeitslosigkeit und eine geringere Wahrscheinlichkeit für ein angemessenes Gehalt und gescheite Arbeitszeiten.
Was passiert also? Alle Eltern üben Druck aus, auf ihre Kinder, auf die Lehrer und auf die Politik. Je schlimmer die Jobsituation in einem Bundesland war, desto mehr Druck, deshalb ist das Niveau in Bayern und BaWü ja noch einigermaßen hoch, das in NRW und Berlin usw. aber unter aller Sau.
Verschärfend kommt die Dreigliedrigkeit des Schulsystemes, kombiniert mit Migrationsproblemen, dazu. Ein perverses westdeutsches System (eigentlich noch von den Nazis oder vom Kaiser, glaube ich), in dem man schon in der fünften Klasse (!) die Kinder in "Versager", Mittelmäßige und "künftige Elite" separiert und die Bildungseinrichtungen auch noch entsprechend unterschiedlich mit Geld ausstattet (wobei in die "Versager"nicht etwa mehr, sondern weniger Geld investiert wird, da sie eh abgeschrieben sind).
Natürlich versucht jeder, der auch nur einen Funken Ehrgeiz in sich hat, nicht "Versager" oder mittelmäßig zu sein und seinen Kindern so ein Schicksal zu ersparen, insbesondere eine Karriere an der Hauptschule führt schnell in einen Abwärtskreislauf, da schlechter bezahlte Lehrer, der Unterricht ist unruhiger und schlechter ausgestattet, das Niveau deprimierend, die Kinder ziehen sich gegenseitig runter, die Erwachsenen rümpfen bei Hauptschule die Nase. WAS ZUR HÖLLE soll daraus noch Positives erwachsen?!
Aber das ist nur eine Seite. Dazu kommt die teilweise unerträgliche Beamtenmentalität, die alles am Bildungsstand festmacht (den man ein lebenlang mit sich herumträgt und nur schlecht aufwerten kann). Ein Beispiel? Ich arbeite als Softwareentwickler mit FH-Diplom, seit fast zwei Jahrzehnten, hatte aber auch immer eine Neigung zur Pädagogik (in jungen Jahren redete man uns das aus, Lehrer gäbe es zu viele). Vor einigen Jahren suchte man in BaWü Quereinsteiger u.a. als Informatiklehrer und was tut der deutsche Beamtenstaat? Er zahlt FH-Abgängern einen vollen Tausender weniger als normalen Diplomanten, ja ARSCH lecken! Ich soll die selbe Arbeit machen, aber zeitlebens einen Tausender im Monat weniger verdienen (und ich kenne das Niveau an normalen Unis, es ist teilweise grauenerregend und nicht selten niedriger als an der FH)? Ich hätte mich jeden Tag darüber geärgert, also habe ich es gelassen. Dazu die neoliberale Unsitte, Lehrer nur noch befristet einzustellen und in den Sommerferien rauszuwerfen und sowas.
Generell ist das Umsatteln in Deutschland unattraktiv. Die an sich gute, intensive und vergleichsweise lange Ausbildung, kann man halt einfach nicht mehr machen, wenn man eine Familie ernähren muss und ein Haus abbezahlen. Davon abgesehen hat niemand mit Ü30 Lust, sich nochmal mit Schulabgängern in die Berufsschule zu hocken und sich als Azubi im Betrieb demütigen zu lassen. Das sind alles Strukturen, die einen Wechsel maximal erschweren. Was passiert also? Die Fehleinschätzungen der Vergangenheit werden ausgelebt, statt in einen besseren Beruf zu wechseln.
Auch dafür habe ich zahlreiche Beispiele. Ein guter Kumpel von mir hatte z.B. in den 90igern "Verwaltungsfachangestellter" gelernt, in Sachsen (gute Übernahmechancen!). Nach der dreijährigen Ausbildungszeit war das mit den "guten Übernahmechancen" irgendwie in Vergessenheit geraten, er war direkt arbeitslos und in einem anderen Bundesland wurde absurderweise der Abschluss nicht anerkannt. Was macht er also, er war ja noch jung? Er schult um, damals der große Hype: Mediengestaltung blabla, "neuer Markt", Internet etc. super Jobchancen! Wir alle wissen was daraus geworden ist. Als er mit der Ausbildung (er hatte sogar das Fachabi noch nachgeholt) fertig war, fristete er sein Dasein in einer lokalen Fernsehklitsche, mittlerweile ist er eine niedrige Charge im Zwangsgebühren-Lügen-TV mdr. Der war in der Realschule einer der besten in der Klasse und mir immer eine Nasenlänge voraus und dann so eine verpeilte Karriere! Dank dämlicher Hypes in den Lügenmedien, mangelnder horizontaler Durchlässigkeit, fehlender Anerkennung von Abschlüssen etc.