Was soll es sein, Sklave?

Revoluzzer, Montag, 27.02.2023, 10:53 (vor 1097 Tagen)6504 Views
bearbeitet von Revoluzzer, Montag, 27.02.2023, 11:36

"The pro-Putin era is clearly over. Yet, what should recently-reformed pro-Putinists do with the past?"

Ich bin über den oben genannten Satz gestolpert – und an ihm hängengeblieben. Wohl auch deshalb, weil auch russische Kommentatoren sagen, dass das Verhältnis mit dem Westen für „mindestens eine Generation“ zerstört sei.

Deutschland und Russland sind natürliche Partner. Aber die Beziehungen sind gründlich zerstört. Faktisch sind wir den Anglos und der EU-Nomenklatura ausgeliefert: Energie, Militär, Finanzen usw. usf. Die beinharte und kompromisslose Hasskommunikation gegen Russland im polit-medialen Mainstream lässt keinen Raum für Alternativen.

Wenn man nun nicht umhin kommt, diese Lage als zutreffend anzuerkennen, was bedeutet das dann in der Konsequenz? Ich meine, nicht mal die ganzen Corona-Lügen werden aufgearbeitet, haben trotz tausender Toter und hunderttausender Geschädigter keinerlei politische Konsequenzen.

Soll man auf das „Wahre und Richtige“, auf Partnerschaft mit Russland und Putin beharren und mit dem lieben Gott auf das Paradies in ferner Zukunft (nach dem Tode) hoffen?

Das ist eine Option.

Oder soll man sich aktuell von Putin distanzieren – um vielleicht irgendwann mit einem Nachfolger wieder in Kontakt treten zu können? Soll man „Pragmatismus“ in seiner ganzen Widerwärtigkeit praktizieren? Das Wahre und Richtige verraten, um heute und morgen Erfolg zu haben?

Das ist die andere Option.

Individuell kann man die Frage auch ignorieren, aber gesellschaftlich nicht. Das ist also keine Option.

Was wählt der Mensch? Was die Gesellschaft? Wahrheit oder das Brot für morgen? Das Richtige oder die Unterwerfung unter die Macht?

Der Pragmatiker fragt: Wozu an der Idee der Partnerschaft mit Russland festhalten, wenn diese Partnerschaft von Russland bis auf Weiteres gar nicht mehr gewollt wird oder gewollt werden kann?

Der Wahrheitsliebende antwortet: Das Richtige ist richtig weil es richtig ist – es braucht keine weiteren Gründe.

Aber soziale Organisationen leben vom Pragmatismus. Er setzt sich durch, es sei denn, die Organisation hat etwas höchst seltenes - ein unglaublich starkes Ethos.

Man muss es wohl klar sehen: Wir werden bald sehr viel mehr politisch Verfolgte in unserem Land sehen. Emigranten. Märtyrer. Wir leben in der Lüge. Die Lüge bringt das Böse hervor. Das Böse, das Teuflische.

Tja.

Dabei können wir selbst die Situation nicht auflösen (nicht diese, nicht Corona, nicht irgendeine von Bedeutung). Die Russen könnten es, wenn sie endlich die Nato platt machen würden. Oder die Amis. Wir nicht. Wir sind nur noch Sklaven, deren einzige Freiheit darin besteht, wie sie sich zu den Verhältnissen innerlich stellen, die andere bestimmen.

Also: Was soll es sein, Sklave?


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