doch, man kann es nachvollziehen :-)

Rheingold, Sonntag, 28.08.2022, 17:08 (vor 1272 Tagen) @ nereus1913 Views

Hallo Rheingold!

Wenn Stützel schreibt: Während ein Darlehen nach seiner Tilgung aus dem Geldkreislauf verschwindet und nur die geleisteten Zinszahlungen als Ertrag der Bank darin verbleiben, sind die Staatskredite dauerhafte Vermögensgrößen in den Bilanzen der Finanzinstitute, denn sie werden nie getilgt, sondern lediglich in ihren Fristigkeiten immer wieder überwälzt und dabei in der Regel erhöht.

Dann hat er absolut recht damit.

Nur ist das Stützel unvollständig verstanden. Erst mal gut, dass Staatskredite nicht als Schulden, sondern als Vermögensgrößen gesehen werden. Und je größer die Vermögen, umso besser, oder? Wir können schlichtweg kein dauerhaftes Wachstum unserer Geldvermögen haben ohne in exakt gleicher Höhe die Kredite wachsen zu lassen. Denn alles Geld ist Schuld.

Wenn die Privaten und die Firmen nicht bereit sind, sich noch höher in Schulden zu stürzen, um anderen das gewünschte Geldvermögenswachstum zu ermöglichen, bleibt nur noch der Staat als Schuldner.
Das ist der Grund, weshalb die Fristigkeiten immer wieder überwälzt werden und schon wegen der aufgeschlagenenen Zinsen und wegen des gewünschten Geldvermögenswachstums erhöht.

Alternativ könnten wir die Staaten zur Tilgung zwingen, damit würden wir aber Geld vernichten. Je höher die Tilgung, desto höher die Geldvernichtung.

Die Zinszahlungen, die können makroökonomisch nicht als Ertrag verbleiben, da sie auch aus Kredit geschaffenem Geld entstanden sind, das nach baldiger Tilgung ruft. Wenn sie als Ertrag verbleiben sollen, dann geht das nur, indem jeweils um den Zinsertrag die Schulden erhöht werden. Entweder erzwingen sie eine noch höhere Verschuldung der Marktteilnehmer (inzwischen meist nur noch die Staaten, weil Private und Firmen da in den geforderten Höhen ausfallen) oder aber sie verbleiben eben nicht als Ertrag, sondern werden durch Tilgung vernichtet.

Auf dieser Basis entstanden die ersten Bücher des Debitismus, die Krisen-Paule in den Achtzigern auf den Markt werfen ließ.
Gemeinsam mit Walter Lüftl errechnete er den Termin des absehbaren Staatsbankrotts für Mitte der Neunziger Jahre.
Allerdings gingen die zwei Autoren damals vermutlich von ordnungsgemäßer Buchhaltung aus, so wie jeder Kleinbetrieb vom Finanzamt zerlegt wird, wenn die Bücher nicht ordentlich geführt werden.
Beide hatten die kriminellen Machenschaften der Staatsbürokratie unterschätzt
.

Absolut einverstanden. Immerhin hat es den überfälligen Crash des alten Geldes so prolongiert.


Denn alles Geld wird "aus dem Nichts" geschaffen, also gegen die Hinterlegung von fiktiven oder mehr oder weniger "realen" "Sicherheiten".

Dieser Satz offenbart das ganze Verständnisdrama!
Aus dem Nichts wird überhaupt nichts erschaffen, denn wenn man einen Kredit haben will und nichts anbietet, dann bekommt man auch nichts.

Natürlich wird Geld aus dem "Nichts" erschaffen, denn es war vorher nicht da. Dass der Schuldner vom selbsternannten Gelderschaffer aus dem Nichts, diesem "etwas" anbieten muß, ist schon klar, wofür haben wir denn Zentralbanken und ein Bankenkartell der üblichen Verdächtigen, wenn nicht zur kompletten Unterjochung und Vermögensabschöpfung der tatsächlich Arbeitenden (Unternehmer wie Arbeiter)?


Viel spannender sind dagegen Deine fiktiven und mehr oder weniger realen Sicherheiten.

Was ist denn das überhaupt? [[hae]]
Das sind Zahlungsversprechen, die VERMUTLICH geleistet werden oder eben auch nicht.
D. h. eine Vertragspartei hält sich ggf. nicht mehr an den Vertrag und genau das hat Stützel gemeint, wenn er vom Roll-Over der Fristen spricht, also alte Schulden werden mit neuen Schulden bezahlt.

Dafür braucht man auch keinen Debitismus – das weiß jede schwäbische Hausfrau – das so etwas auf Dauer nicht gut gehen kann.

Mikroökonomisch mag der geistige Horizont einer schwäbischen Hausfrau ausreichen, um mit ihren Spätzle zu haushalten, für makroökonomische Zusammenhänge ist diese Art geistiger Horizont eher schädlich.

Klar ist es mikroökonomisch sinnvoll für sie zu "sparen", makroökonomisch würde ein kollektives "sparen" aööer jegliches Einkommen verhindern und das Elend im Nu vergrößern. Mikroökonomische Lösungen verschlimmern makroökonomisch Situationen.

Nein, Stützel sprach nicht von dem bösen Schuldner, der vorsätzlich dem lieben Banker, der das Geld (selbstverständlich nicht aus dem Nichts, sondern durch Tellerwaschen siehe Soros eigene Biographie-Darstellung) hart erarbeitet hat, prellen will, sondern dass die für die Gelderschaffung verpfändeten dinglichen Sicherheiten (richtiger Rechtstitel) beim Ausfall der Tilgungen schlicht nicht in Geld gewechselt werden können, wenn und da die Nachschuldner dafür fehlen.

Während wir alle doof in der Schule lernen, sich zu verschulden ist böse und Geld "rückzahlen" gut, können wir es besser wissen. Nur wer Schulden macht, schafft das dringend von allen benötigte Geld und wer Schulden bezahlt, vernichtet in Wahrheit Geld.

In der Schule wurde nicht gelernt, daß man keine Schulden machen soll, sondern dort wurde gelehrt, daß Kredite zu bedienen sind.
Und das ist das 1 x 1 des Finanzwesens, dass offenbar völlig verlorengegangen ist.

Ja, halte die Masse als Schuldner doof und gehorsam. Weswegen ist denn Bill Gates und George Soros wohl "Bildung" so wichtig? Makroökonomisch und das wissen sowohl Gates als auch Soros ist Kredittilgung komplett unerwünscht, die Tilgungsdrohung (insbesondere gegen wehrlose failed states) der Geldgeber dienen nur und lediglich der Vermögensumverteilung, denn je höher die Verschuldung, desto -automatisch- höher können die Geldvermögen beider Herren wachsen und so deren Macht.


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung