Es ging nach meiner Einschätzung um die Ukraine, das Schwarze Meer und Russlands Zugang zum Mittelmeer (mT)

Diogenes Lampe, Donnerstag, 15.07.2021, 15:30 (vor 21 Tagen) @ stokk1091 Views

Es gab zwei Manöver. Das eine, "Defender Europe 2021" fand auf Initiative der USA statt und wurde von SHAPE - Oberstes Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Europa - geleitet. Das andere, "Steadfast Defender" war ein NATO-Manöver, das von den Briten und ihren Interessen dominiert wurde. Das USA-Manöver konzentrierte sich auf die Nord- und Ostseeanrainer GB, Niederlande, BRD, Polen und die drei Baltischen Staaten, auf die Mittelmeeranrainer Italien, Griechenland und die westlichen Balkanstaaten, und vor allem die Anrainer des Schwarzen Meeres Rumänien, Bulgarien, Türkei, Ukraine und Georgien. Aber auch das kleine Moldawien abzüglich Transnistrien war tapfer dabei.

Das NATO-Manöver fand dagegen punktuell in drei unterschiedlichen Regionen statt: Im Atlantik, konkret nicht weit von der Straße von Gibraltar, dem Ausgang des Mittelmeeres vor der Küste Portugals, dazu im Baden-Württembergischen grünkatholischen Kretschmann-Land an der Grenze zum Bayernland, konkret in Ulm und um Ulm herum, sowie ebenfalls in Rumänien, dem Schwarzmeeranrainer.

Das US-Manöver nannte sich "Verteidiger". Das NATO-Manöver "standhafte Verteidiger". Warum verwendeten die Amis für ihr Manöver den Begriff "Verteidiger" und die Briten noch den Zusatz "standhaft"? Weil diese Bezeichnungen defensiv sind und implizieren, dass Amis und Briten mit ihren 26 verbündeten Staaten, die sie vorgeben, im Ernstfall verteidigen zu wollen und mit ihren angeblich 28 000 Soldaten (Quersumme mal wieder 18, also 6+6+6; in Wahrheit waren es wohl nur 9000 gleichzeitig, also + 26 = Quersumme 17, siebzehnter Buchstabe des Alphabets ist Q) dem militärischen Druck der Russen und Chinesen auf Europa standhalten wollen, der wohl inzwischen beträchtlich sein muss, obwohl das nicht in unseren Zeitungen steht.

Vor allem auf dem Balkan und in der Ukraine. Doch ihre Standhaftigkeit bei der Verteidigung wurde schnell von den Russen geprüft und für viel zu schwach befunden, als die Briten mit ihrem Kriegsschiff "Defender" bei ihren Verbündeten Eindruck schinden wollten, indem sie sich ins russische Hoheitsgebiet begaben, weil sie darauf bestanden, dass es ukrainisches sei, da sie nunmal auf Empfehlung des Rothschild-Oligarchen Chodorkowski und seinem Nawalny die Krim partout nicht als russisch anerkennen möchten und das natürlich auch von ihren tapferen rumänischen und türkischen Partnern erwarten. Die aber haben sich das Eindringen in russische Hoheitsgewässer nicht getraut und ob die Briten sich nochmal trauen, ist eher zweifelhaft.

Dabei hatte Putins Marine nur Warnschüsse abgegeben und noch nicht einmal ihre elektronischen Folterinstrumente gezeigt, wie seinerzeit den Amis und ihrer völlig demoralisierten Besatzung der "USS Donald Cook", nachdem sie von einer Suchoi-24 überflogen wurde.

In beiden Manöver trainierten die Transatlantiker im Wesentlichen schnelle Truppenverlegungen. Und das wohl nicht allzu erfolgreich, da letztlich nicht so viele Soldaten daran teilnahmen, als geplant. Warum auch immer. Corona war's aber bestimmt nicht. In beiden Manöverplanungen spielte die BRD ihre klassische Rolle der Drehscheibe und des Transitlandes, von dem aus die US-Truppen wie die NATO-Truppen koordiniert verteilt werden können.

Rumänien war als Schwarzmeer-Anrainer von Bedeutung. Die NATO hat eine Einheit, die nennt sich "Very High Readiness Joint Task Force", also "sehr hohe Bereitschaft". Klingt irgendwie verzweifelt. Die wird ausgerechnet von Erdogans Türken geführt, was ebenso ein Indiz dafür ist, wie eng die militärische Zusammenarbeit Londons mit Ankara ist und welche bedeutende Rolle die Muslimbruderschaft hier spielt, um Erdogan militärisch bei der Stange zu halten und so die durch den Bosporus und ihre Schwarzmeerküste strategisch so außerordentlich günstig gelegene Türkei weiterhin gegen Russland zu stellen und damit Putin - notfalls unter Bruch international anerkannter Verträge - den Seeweg vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer zu verbauen, was ein Kriegsgrund Russlands gegen die Türkei wäre, was dem Perfiden Albion durchaus nicht missfiele.

4000 türkische Soldaten landeten nach Angaben der NATO in Rumänien, das Jahrhunderte von den Türken besetzt war. Instinktsicher sind solche Übungen in Bezug auf den Ernstfall sicher nicht. Rumänien und Bulgarien ausgerechnet mit Hilfe der NATO-Türken gegen die Russen zu stellen und dabei auf ihre Zuverlässigkeit zu vertrauen, kann nur ein planerischer Verzweiflungsakt der Marine Ihrer Majestät sein. Oder die haben dort - was sehr gut möglich ist - nicht mehr alle Latten am Zaun.

Wir haben es also mit Militärübungen der Transatlantiker zu tun, die sich vor allem auf die Meere konzentrieren, die Europa umgeben und wo starke Flottenverbände der Russen operieren, sieht man mal von der Nordsee ab, die aber für Putins Marine jederzeit leicht über die Arktis zu erreichen ist.

Interessant hierbei ist jedoch, welche EU- bzw. NATO-Staaten an keinem der Manöver teilnahmen, obwohl ihre strategische Lage militärisch von größter Bedeutung ist. Vor allem Frankreich und Dänemark fallen da als EU-Staaten auf und Norwegen als NATO-Staat. Solange Spanien mitzieht, sind die Mittelmeerküsten Frankreichs marinestrategisch für Amis und Briten sicher entbehrlich. Aber am Atlantik, vor allem an der Straße von Dover sieht es anders aus. Hier stellt sich also die Frage, ob nicht hinter den Kulissen der wankenden NATO zukünftig überhaupt noch mit Frankreich gerechnet wird? Und ob das die USA noch tun?

Dänemark beherrscht nicht nur territorial den Zugang von der Ostsee zur Nordsee über Kattegat und Skagerrak und damit auch den der Ostseeanrainer zum Atlantischen Ozean. Mit dem zu Dänemark gehörenden Grönland ist das kleine Königreich auch noch das größte Europas und der wichtigste Anrainerstaat der EU in der Arktis. So, wie Norwegen aus europäischer Sicht der wichtigste innerhalb der NATO. Aber da kurz vor Beginn der Manöver, am 30.März, der erste China-Europazug der Chang'an-Linie, vom nordwestchinesischen Xi'an kommend glücklich in Fredericia (Jütland) eingetroffen ist, lag's vielleicht daran, dass sich Königin Margarete und ihre Untertanen bei den Manövern der Transatlantiker zurückhielten.

"Die Fracht des Zuges stammt hauptsächlich aus Ost- und Südchina. Darunter u.a. Bauteile für Windkraftanlagen, Audiogeräte, Autoersatzteile, Kleidung und Kohlefaserprodukte. Empfänger sind viele bekannte Unternehmen, beispielsweise die dänische Möbelmarke INVENTARLAND, der Windkraftanlagenhersteller Vestas, die Einrichtungsmarke JYSK, die Bekleidungsmarke BESTSELLER, der deutsche Megawatt-Windturbinenlieferant Nordex, die österreichische Gasmotorenmarke INNIO, der US-amerikanische Konsumgüterhersteller Procter & Gamble und der spanische Hersteller von Armaturen und Zubehör für Badezimmer und Küchen Ramon Soler.
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Nach Erreichen des Hafens von Fredericia kann die Fracht auch die übrigen skandinavischen Länder Finnland, Norwegen und Schweden erreichen, mit der Eröffnung der neuen Eisenbahnlinie wird also nicht nur die Verbindung zwischen China und Dänemark hergestellt, sondern auch der chinesisch-skandinavische Handel ausgebaut.

http://german.beijingreview.com.cn/Wirtschaft/202104/t20210407_800242924.html

Frankreich war mit der NATO noch nie wirklich glücklich, schon weil die Militärs eine eigene EU-Armee anführen wollen, die aber einfach nicht zustande kommen will.

Dass es bei den Truppentransport-Manövern also um die Abwehr der Russen an deren Grenzen und ihren Küsten ging, ist deutlich. Ostsee, Schwarzes Meer und das östliche Mittelmeer sind die Gebiete, welche die NATO wie die EU gerne im Ernstfall umgehend blockieren würden, um einen russischen Vormarsch wenigstens zu Wasser und zu Lande zu verlangsamen. Da aber die Russen schon jetzt die Lufthoheit hätten, sind diese Manöver mehr oder weniger Beschäftigungstherapien für die EU- und NATO-Teilstreitkräfte, weshalb die Amerikaner sich da auch nicht besonders reingehangen haben. Zumal sie sich in der Perspektive ja aus Europa zurückziehen wollen.

Dass Sie hier also den Begriff "Show" verwenden, hat wohl seine Berechtigung.

Anders sieht es bei den Commonwealthstaaten Kanada und Großbritannien aus. Zumindest die Briten fürchten sich sehr, weshalb es für die gerade untergehende Großmacht und ehemalige erste Seemacht der Welt so wichtig ist, die Ukraine zu halten und mit ihr die Nordküste des Schwarzen Meeres zu beherrschen; also auch, enge Verbündete der Türken zu bleiben, die die Südküste beherrschen. Auch hier kann man sehen, wie wichtig die Beziehungen der Briten zur Türkei sind, die sie vor allem über die von ihnen initiierte und in der Türkei installierte Muslimbruderschaft auch weiterhin zu erpressen hoffen. Ähnlich wie Katar.

Mit dem völkerrechtskonformen Anschluss der Krim an Russland ist der Traum der Briten aber geplatzt. Die Ukraine ist als Anrainer des Schwarzen Meeres jetzt militärisch ganz auf die Oblaste Mykolajew und Odessa beschränkt, da auch der Zugang zum Asowschen Meer von den Russen beherrscht wird. Da Odessas Oblast widerum an Rumäniens Schwarzmeerküste grenzt, die an der bulgarischen, die an der türkischen und die widerum an der georgischen, hoffen die Briten und Türken, die Russen wenigstens in Schach halten zu können. Denn zumindest in Ankara und Istanbul weiß man aus der Geschichte, dass die Eroberung Konstantinopels ein lange gehegter Traum Moskaus ist, den der Kreml auch sicher nicht aufgegeben hat, egal, in welcher politischen Form er diesen eines Tages verwirklichen wird.


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