Falsche Erwartungen? Die Demokratie lädt Interessenten ein, selber ein Teil der Machtkonzessionäre zu werden
...oder wo ist es anders?
Die Frage ist, ob direkte Demokratie besser funktioniert, m.E. schon, aber auch sie ist zu zahnlos, bewusst geschaffenen Sachzwängen nennenswert etwas entgegenzusetzen. Auch in ihr dominieren mehr oder weniger gleichgeschaltete Oligarchenmedien und Angst.
Die Zivilisation wurde begonnen, um auf eroberten Gebieten nicht mehr selbst arbeiten zu müssen, sondern die dort Lebenden zur Arbeit und zur ausreichenden Abgabe des Produktes an die Herrschenden zu zwingen. Dazu benötigt es Zwingkräfte, und im Laufe der Geschichte haben diese ausführenden Organe von den Herrschern immer mehr Machtzessionen erpresst, bis hin zu den demokratischen Revolutionen.
Die Eigenheit der Demokratie ist ihre grosse Klassendurchlässigkeit. Es ist bei entsprechender Eignung und Ausführung vergleichsweise einfach, aus der Unterschicht bis in die Oberschicht aufzusteigen. Ebenso ist es bei besonderer Unfähigkeit nicht unmöglich, über 2-3 Generationen aus der Oberschicht rauszufallen. So wird in der Demokratie für frischen Wind gesorgt, um die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und des Systems aufrechtzuerhalten.
Medien, Parteien, Institutionen etc sind darin Mittel zum Zweck, dorthin wurden Teile der Macht zessioniert.
Es ist nicht Inhalt und Ziel der Demokratie, dass diejenigen, die selber zu Machtausübung und Führung nicht in der Lage sind, den Gang der Dinge festlegen.
Die direkte Demokratie wäre in der Vorstellung der Idealisten ein System, wo sich die Unterschicht selber zwingt, das Wirtschaftsprodukt zu erarbeiten, und womöglich auch, es "gerecht" zu verteilen. Wie das ausgeht, kann man sich auch vorstellen.
Bisherige Machtzessionen wurden allerdings nicht einfach gefordert und gewährt, sondern sie wurden von den Machthabern erpresst und erkämpft. Direkte Demokratie setzt also voraus, dass diejenigen, die mehr Macht zessioniert bekommen möchten, in einem Kampf die Machthaber besiegen oder zumindest vorhersehbar besiegen werden. Dafür müssen sie überhaupt kampffähig sein, und den Eliten, denen sie gegenüberstehen und deren Macht sie beschneiden wollen, an Planungsfähigkeit, an Einsatzfähigkeit, an Effektivität und Effizienz überlegen sein. Ein jeder mag selber darüber urteilen, wie realistisch das ist.
Für die Leute hingegen, welche die Fähigkeiten und den Antrieb haben, um die Massen zu führen, hält das System die Grenzen durchlässig offen: sie können jederzeit ins Lager der Eliten wechseln und dort je nach ihren eigenen Fähigkeiten ihre persönliche Machtzession erlangen. Das funktioniert offensichtlich ganz gut. Es stellt sich auch die grundsätzliche Frage für jeden mit den entsprechenden Fähigkeiten: Warum sollte er das Angebot zur Partizipation auch ablehnen?
Gruss,
mp