Fallpauschalen (aG-DRG) - Einige Schaubilder/Grafiken

InflationDeflation, Samstag, 02.05.2020, 00:11 (vor 2108 Tagen) @ sodele1960 Views

https://www.krankenhaus-statt-fabrik.de/53187

"Damit sind wir beim Kern der deutschen Krankenhausmisere: der Finanzierung nach den so genannten Fallpauschalen (DRG). Denn deutsche Krankenhäuser bekommen nur ein Minimum ihres Budgets für die Vorhaltung von Kapazitäten (Sicherstellungzuschläge und Notfallzuschlag). Die Krankenhäuser werden pro Patientenfall bezahlt, den sie behandeln. Sie müssen ihre Kapazitäten immer so auslasten, dass sie über die Erlöse durch die einzelnen Patientenfälle genug Geld einnehmen, um den Betrieb ihrer gesamten Infrastruktur (inklusive Personal) fnanzieren zu können, zudem stehen sie miteinander in Konkurrenz um die niedrigsten »Produktionskosten«."

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"»Es muss sich rechnen« als oberstes Prinzip
Für jeden, der im Krankenhaus schon vor der DRG-Einführung gearbeitet hat, ist die am meisten beeindruckende und vermutlich auch am meisten verstörende Änderung der neue Geist, der allenthalben zu spüren ist. Alles steht unter dem Zwang, sich rechnen zu müssen. Mitgefühl hat da immer weniger Platz. Das fängt im Kleinen an, wenn in den elektronischen Patientenakten kleine grüne, gelbe oder rote Ampeln anzeigen, ob ein Patient schon zu lange liegt, und endet nicht damit, dass insbesondere die Ärzt*innen den Druck verspüren, dass ihre Entscheidungen über Aufnahme, Behandlungsart, Dokumentation und Entlassung in letzter Konsequenz über die Fortexistenz des Krankenhauses entscheiden. Dieses ökonomische Kalkül ist den meisten, die sich einmal für einen Beruf im Krankenhaus entschieden, zutiefst fremd und belastet mindestens genauso stark wie die ständig steigende Arbeitshetze."

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"Getrieben von der Möglichkeit, durch den Betrieb eines Krankenhauses Gewinne zu machen,
aber auch durch das Risiko, bei negativen Bilanzen den Bestand der Abteilung oder des gesamten Krankenhauses zu gefährden, sind die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen zu einer der wichtigsten, wenn nicht gar zur alles dominierenden Zielsetzung jeder Krankenhausleitung avanciert. Um dieses Denken bis in den letzten Winkel jeder Abteilung durchzusetzen, hat man flächendeckend sogar die Defnition der Patient*innen verändert: Im Neusprech sind sie zu Kund*innen geworden, deren Wohl zwar in jeder Klinikinformationsbroschüre besonders hervorgehoben wird, denen aber letztlich Leistungen verkauft werden sollen, und zwar wenn möglich solche, mit denen der Verkäufer, das Krankenhaus also, Gewinne
erwirtschaften kann.
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"Bedenkt man, dass der Erlös einer Kaiserschnitt-Operation ca. 1/3 höher liegt als der einer natürlichen Geburt, dass Kaiserschnitte außer in Notfallsituationen zeitlich gut planbar sind und nicht während der Nachtschichten durchgeführt werden und dass gleichzeitig mit weniger vaginalen Entbindungen auch Hebammenstellen eingespart werden können, liegt der Schluss nahe, dass nicht nur Sicherheitserwägungen für die Schwangeren die Indikationsstellung zur operativen Entbindung leiten, sondern ein komplexes Bündel an betriebswirtschaftlichen Erwägungen, das Erlössteigerung und Personaleinsparung in idealer Weise miteinander verknüpft. Dass die Risiken bei Folgeschwangerschaften dadurch steigen, bleibt außen vor."

"Beatmungsdauer:
Bei Intensivpatient*innen, die beatmet werden müssen, richtet sich die Vergütung neben der Diagnose auch nach der Dauer der Beatmung. Wird zum Beispiel ein Patient mit einer Lebertransplantation unter 59 Std. beatmet, erhält das Krankenhaus je nach Bundesland ca. 39.300 Euro. Wenn nur eine Stunde länger beatmet wird, steigt die Vergütung auf ca. 56.700 Euro, wird er über 179 Std. beatmet, sogar auf ca. 103.080 Euro. Damit entsteht ein fnanzieller Anreiz, die Beatmung über die jeweiligen Grenzen hinaus fortzusetzen, auch wenn dies medizinisch nicht notwendig ist. In der Presse sind solche Fälle mehrfach berichtet worden."

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