Sonderfall Preußen und Deutschland

Tempranillo, Dienstag, 25.02.2020, 11:28 (vor 2184 Tagen) @ Karin1623 Views

Was Mey und Sardou gemeinsam haben, ist, dass sie sich einer ordentlichen Grammatik bedienen.

An Mey finde ich inzwischen so interessant, daß er nicht den deutschen Sonderweg verkörpert, einen solchen hat es nie gegeben, das ist eine der vielen infamen Lügen der Sieger, aber den Sonderfall Preußen, treibende Kraft der deutschen Einheit natürlich schon.

Preußen und die deutsche Hauptstadt sind seit Friedrich II., Sans-Souci, Mauperthuis und Voltaire untrennbar mit Französischem verbunden.

Ohne Französisch wird man kaum in der Lage sein, die für Deutschland nicht ganz unwichtige Figur des Alten Fritz zu verstehen. Ich weiß nicht, wie viel von dem, was Friedrich an politischer Korrespondenz hinterlassen hat, übersetzt wurde und wenn ja, ob dann auch richtig?

In diese Linie, die über Friedrich II., Bismarck und einem Schlenker nach Bayern führt, König Max Joseph, ordne ich auch Reinhard Mey ein, dessen beste Texte zunächst auf Französisch geschrieben wurden, und erst später entweder von Mey selbst oder anderen ins Deutsche übersetzt wurden.

Für diese bestimmt nicht schlechte Zeilen muß man den DeepL-Translator bemühen und das Ergebnis anschließend bereinigen:

Il neige au fond de mon âme,
Il brume dans mon univers.

Ce soir vacille la flamme
De mes espoirs, et en moi c'est l'hiver.
Vous, mes amis, ne dormez pas encore,
Ne me laissez donc pas tout seul ce soir.

Que la tristesse qui s'instaure
Ne nous soit qu'un prétexte à boire.
Buvons! Chantons! Veillons ensemble,
Gueulons! Que nos rires et nos voix

Résonnent et que les murs en tremblent,
Et que se couvre le silence en moi!

Il neige au fond de mon âme...

A ceux qui m'ont aimé et me renient!
Tant de mensonges et trop de bruits
Ont semé le doute et l'envie,
Et l'orgueil nous a désunis.

Et à ceux qui de leur mémoire
M'ont rayé en me condamnant!
J'aimerais tant qu'ils puissent croire
Que je n'ai pas pu agir autrement.

Il neige au fond de mon âme...

Buvons à ceux absents à notre table
Et dont nous ignorons le sort!
Que le vent leur soit favorable
Et qu'il les ramène à bon port.

A nous! Que ce toit nous abrite
Dans la paix et la liberté.
Que ceux d'entre nous qui le quittent
S'en souviennent sans rancœur ni regrets.

Et une brise printanière
Fond la neige dans mes pensées.
Buvons jusqu'à l'aube mes frères!
Et alors ivre je m'endormirai.


Es schneit in den Tiefen meiner Seele,
In meinem Universum ist es neblig.
Heute Abend flackert die Flamme
Meiner Hoffnungen, und in mir ist es Winter.

Meine Freunde, schlaft noch nicht,
Also laßt mich heute Abend nicht allein.
Die Traurigkeit, die sich einstellt,
Soll uns nur ein Vorwand sein, zu trinken.

Trinken wir! Singen wir! Bleiben wir gemeinsam auf,
Schreien wir, daß unser Lachen und unsere Stimmen
Widerhallen und die Mauern zittern,
Und daß in mir die Stille zugedeckt wird!

Es schneit in den Tiefen meiner Seele...
Denen, die mich geliebt haben und jetzt verleugnen!
So viele Lügen und zu viel Lärm
Haben Zweifel und Neid gesät,

Und der Hochmut hat uns entzweit.
Und denen, die mich ihrem Gedächtnis
Getilgt und mich verdammt haben.

Ich wünschte, sie könnten glauben.
Daß ich nicht anders handeln konnte.

Es schneit auf dem Grund meiner Seele...

Trinken wir auf die Abwesenden an unserem Tisch
Und deren Schicksal wir nicht kennen!
Daß sie günstigen Wind finden
Der sie in den sicheren Hafen bringen wird.

Trinken wir auf uns! Daß dieses Dach uns
In Frieden und Freiheit beherbergen möge.
Daß die, die es verlassen,
Sich daran ohne Groll oder Reue erinnern werden.

Und eine Frühlingsbrise
Den Schnee meiner Gedanken schmelzen läßt
Lasst uns bis zum Morgengrauen trinken, Brüder!
Danach werde ich mich betrunken einschlafen.

https://www.youtube.com/watch?v=r0Ogc6p6Eh0

Meys konstantes Flirten mit dem kleinen und großen Abschied verbindet ihn mit Fado und Wiener Lied, was aus ihm eine herausragend europäische Erscheinung macht. Was ihm völlig abgeht, sind Elemente der Anglobestialität. Aber England und Amerika gehören ja nicht mehr zu Europa.

Tempranillo

--
*Die Demokratie bildet die spanische Wand, hinter der sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen eine etwaige Empörung des Volkes*, (Francis Delaisi).


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung