Steuerrecht - nervtötend aber voller trickreicher Chancen (+kleiner Einblick in den Weitblick)
Wenn man das Spiel kennt, kann man sich gut durchwurschteln. Etwa dass man Fristen einhalten sollte - aber selbst wenn man zu spät dran ist, wird man schnell merken dass verhängte Zwangsgelder nicht gezahlt werden müssen sofern man die geforderten Formulare baldmöglichst nachreicht. Ist wie mit den gelben Briefen von Inkassobüros und Abmahnungen von Anwälten. Wer aus Erfahrung weiß was dahinter steckt, den kann kaum etwas aus der Ruhe bringen.
Der Papierkram macht jedenfalls keinen Spaß. Ich bin immer wieder erstaunt wie bescheuert komplex die Steuerformulare und Sozialversicherungsangelegenheiten sind. Es ist eine nervtötende Arbeit, die die meisten besser abgeben. Die Buchhalter machen zwar auch Fehler und eine echte Beratung kann man von Steuerberatern nicht erwarten, aber wenn man nicht ein gutes System zurechtgelegt hat, wird man DIY schnell an seine Grenzen stoßen. Was mich gerettet hat ist, dass Papier geduldig ist. Solange man irgendwas abgegeben hat, sind sie meistens zufrieden. Statistisch hat ein kleiner Unternehmer nur alle hundert Jahre eine Prüfung zu erwarten.
In letzter Zeit taucht aber noch ein weiteres verwandtes Problemfeld auf. Man muss sich neuerdings immer öfter bei Banken erklären. Geldwäscheprüfungen sind deutlich strenger geworden. In letzter Konsequenz führt das dazu, dass man z.B. Einkaufsbelege und Einkommensnachweise über Jahrzehnte aufbewahren muss, sonst kommt man in Erklärungsnot. Betrifft besonders die Gold- und Bitcoin-Investoren, aber auch Immobilien- und Auto-Transaktionen sowie Erben.
Ich mache die Steuer ebenfalls selber für einen gewerblich tätigen Familienverein (=Körperschaft), das ist quasi nur stemmbar wenn man nicht in die bilanzierungspflichtige Schwelle aufrückt (siehe §141 AO). Für die alltägliche Buchhaltung gibt es zwar Software, aber auch die macht einiges an Arbeit und bringt auch noch das Vendor-Lock-in Problem mit sich.
KI kann und wird in Zukunft sicherlich eine Rolle spielen, doch für die allermeisten Buchungen ist das gar nicht einmal nötig, weil die meisten Vorgänge simpel und wiederkehrend sind. Andererseits wiederum braucht es sorgfältige strategische Planung und etwas Steuerverständnis für die eigene Kalkulation, z.B. beim Einkaufszeitpunkt als sogenannter Istversteuerer. Befragt man ein ChatGPT jedoch zu Steuerfragen, so kommt dort einiges an Müll raus. Fake Urteile, erfundene Gesetze, veraltete Binsenweisheiten, ... Vorsicht ist geboten.
Beschäftigt man sich mit Steuergestaltung, eröffnen sich völlig neue Türchen. Auch das Thema Asset Protection und Haftungsabschirmung lässt sich clever proaktiv designen. Aber auch hier gilt: Jede Umstrukturierung ist aufwändig, sollte gut überlegt sein. Jede Rechtsform hat gewisse Vor- und Nachteile. So kann eine GmbH etwa keinen Eigenbedarf an Wohnungen anmelden.
Gerade wird die neue holländische Kapitalertragsteuerreform auf fiktive Gewinne heiß diskutiert. Aufruhr macht sich im deutschen Social Media breit. Wer das Spiel jedoch kennt, weiß: Betroffen sind nur ahnungslose Privatleute. Körperschaften hingegen haben ganz andere Regularien. Es gibt fast immer Schlupflöcher. Etwa der genannte familienkontrollierte Verein zahlt auf viele Arten von Kapitalerträge nahezu gar keine Steuer. Und wenn man sich mit dem Thema beschäftigt wird man feststellen, dass der für bereitgestellte Mitgliedervorteile keinerlei Versteuerung vornehmen muss, ergo man gratis 'Sachleistungen' ausschütten kann. Sehr spannend vor allem für Nebengewerbe, da die Einkünfte der Körperschaft nicht privat angerechnet werden. Für diese Art der Trennung kann man sich gut inspirieren lassen von den Großen mir ihren Stiftungen, GmbHs und Genossenschaften. Je nach Rechtsform gestaltet sich auch das ganze Erbthema deutlich geschmeidiger.
Weiteres Feld welches tangiert wird sind Sozialbeiträge und Förderungen. Auch da lässt sich sehr viel gestalten. Die meisten Unternehmer werden jedoch besser beraten sein, sich erstmal auf Unternehmenswachstum zu konzentrieren.
Auch später kann man vieles noch geraderücken. Etwa nachträglich eine Stiftungsholding einzufügen, oder einen zusätzlichen Gesellschafter in die Operativgesellschaft aufzunehmen, um Anteile faktisch unpfändbar zu machen (Einzugsklausel). Wer gut vorbereitet ist, geht besser durch Steuerdschungel und Krisen. Wer aufmerksam mitgelesen hat, wird gemerkt haben, dass Unternehmensstrukturierung eine generationenübergreifende Angelegenheit ist und weit mehr als nur das Steuerrecht betrifft, deswegen kann es sich lohnen, sich damit zu beschäftigen. Vor allem, weil manche Krisen gar nicht selbstverschuldet sind, dann ist es immer gut wenn man einen Plan B hat.
(Legaler) Steuerboykott ist in einem übergriffigen Staat zunehmend Bürgerpflicht. Ein möglicher Baustein ist etwa, seinen Strom selber zu produzieren. Oder steuerfreie Kapitalanlagen zu nutzen. Günstigerprüfung gezielt einzusetzen. Und noch viel mehr. Interessante Steuersparmodelle gibts ja durchaus sogar für Angestellte, etwa die Abschreibungen auf Kapitalanlageimmobilien für Gutverdiener. Da ich den Immobilienmarkt aktuell jedoch eher kritisch sehe, würde ich das nur bei einem herausragenden Deal machen.
Was sind denn typische Fangfragen einer Steuerprüfung, @Dieter? Eine der Fallen ist wahrscheinlich die unbewusste Aufnahme von gemischt genutzten Gegenständen ins Betriebsvermögen. Und überhaupt sollte alles gut dokumentiert und begründet sein.
PS: Falls jemand den Steuerfahndungs-Konz hat, gerne einscannen und private Nachricht. Ist im Handel sehr schwer erhältlich. Gerne im Tausch gegen andere Steuerliteratur, habe vieles digitalisiert.