Ein Beispiel für Bürgerengagement - Zivilcourage. Thema: NATO-Vorbereitung in Rumänien

helmut-1, Siebenbürgen, Freitag, 29.03.2024, 08:57 (vor 21 Tagen)3897 Views

Damit das ja nicht falsch verstanden wird: Ich schreibe das nicht zum Zweck der Selbstbeweihräucherung. Ich will nichts anderes, als damit erreichen, dass jeder, der sich hier im Forum über die aktuellen Themen alteriert, darüber nachdenkt, wie er sich stärker in der Öffentlichkeit einbringen kann, damit die Themen mehr Gehör finden.

Noch hat jeder das Recht und die Möglichkeit, sich öffentlich zu äußern und zu engagieren, was seine politische Meinung betrifft. Obwohl ich zugeben muss, dass das Wort "Meinungsfreiheit" in Rumänien wesentlich deutlicher geschrieben wird als in Deutschland. Wie lange noch, das wissen die Götter.

Aber es liegt auch in unserer Hand, das zu beeinflussen, in der Hand jedes Einzelnen.

Warum:

Reinhard Mey hat es in einem Lied im Refrain benannt, und klarer kann man es nicht ausdrücken:

"Pass auf, dass Du Deine Freiheit nutzt, -
die Freiheit nutzt sich ab, wenn Du sie nicht nutzt!"

Ich mache das, zwar nicht mehr mit Zielrichtung Deutschland, weil ich dort nicht mehr lebe und auch schon das Handtuch geworfen habe. Genauso ziehe ich einen klaren Endstrich unter mein Heimatland Österreich, genauso aus zwangsreglementarischen und politischen Gründen. Aber hier in Siebenbürgen, in Rumänien, wo ich seit Jahrzehnten lebe und auch einmal begraben werde, da engagiere ich mich aktiv, im Interesse meiner Mitbürger. Mit meiner Person, meinem Namen, meiner Adresse, ohne irgendetwas zu verheimlichen. Zum Glück habe ich meine Frau, die das versteht und da mitzieht.

Nun zum Thema als Beispiel:

Ich habe bereits hier darüber berichtet, dass Rheinmetall in unserer Stadt eine große Fabrik durch Aktienmehrheit übernommen hat. Sämtliche Appelle meiner Wenigkeit verhallen ungehört, meine Schreiben werden auch nicht beantwortet.

Bei uns (vermutlich ist das in Deutschland ähnlich) hat man das Recht, bei der öffentlichen Stadtratssitzung als Zuhörer im Saal sich unter "Diverses" registrieren und zu Wort melden zu können. Genau das habe ich bei der gestrigen Stadtratssitzung auch getan.

Das, was ich dort vorgetragen habe, nun auf deutsch übersetzt:

Stadtratssitzung 28.3.2024

Vermutlich ist es vielen bereits bekannt, dass ich mich mit der geplanten Waffenproduktion der Firma Automechanica befasse, die nun von Rheinmetall aus Deutschland, dem größten europäischen Waffenproduzenten, durch Aktienmehrheit übernommen wurde.

Ich habe darüber in den sozialen Netzwerken geschrieben, ich habe mehrmals versucht, mit Rheinmetall in Düsseldorf Kontakt aufzunehmen, ich bekomme von dort keine Antwort. Genauso habe ich an unsere Abgeordnete geschrieben, Fräulein Christine Thellmann, aber auch da habe ich keine Antwort bekommen. Derzeit befindet sich der Beginn der Produktion in der Prüfphase von Consiliul Concurenţei Romania (*1). Mir ist das Ergebnis nicht bekannt.

Es ist mir vollkommen klar, dass hier fast alle Parteien an einem Strang ziehen, was die Position Rumäniens zur NATO betrifft, und da haben sowohl die PNL(*2) als auch AUR (*3) dieselben Interessen. Vermutlich werde ich auch von einem Bürgermeister und einem Stadtrat, der genauso die Interessen der PNL vertritt, keine Antwort bekommen.

Mein Interesse aber betrifft die Sicherheit der Einwohner von Mediasch, was offensichtlich kaum jemanden interessiert. Worum geht es bei dieser Sicherheit:

Sicher waren die wenigsten unter Ihnen im Militärdienst, ich aber wurde in meiner Militärzeit (Kommandoeinheit) ausgiebig instruiert. Deshalb weiß ich, dass die Militärbasen sowie die Fabriken, in denen militärische Güter und Fahrzeuge produziert werden, in erster Linie im Fokus stehen, was ein mögliches Bombardement im Falle eins militärischen Konfliktes betrifft.

Ich freue mich, wenn die Firma Rheinmetall in Mediasch neue Arbeitsplätze schafft, aber ich möchte alle Beteiligten davon überzeugen, - Stadtverwaltung, Parteien, NGOs und die Kirchen - , im Interesse der Sicherheit unserer Einwohner darauf zu dringen, dass Rheinmetall in Mediasch ihr ziviles Programm produziert und keine militärischen Güter.

Die meisten ignorieren, dass Rumänien über die NATO sukzessive in einen Krieg hineingezogen wird, der uns überhaupt nichts angeht. Nicht umsonst investiert man auf dem rumänischen NATO-Stützpunkt Kogalniceanu mehrere Milliarden Euro zur Errichtung der größten NATO-Basis in Europa, noch größer als Ramstein in Deutschland. Es befinden sich bereits Bodentruppen aus Deutschland, Polen und Frankreich in der Ukraine, und vor kurzem sind auch in Rumänien 2000 französische Soldaten angekommen.

Die Russen haben daraufhin die Produktion von 3 – Tonnen – Bomben aufgenommen (*4). Ich weiß, was das bedeutet. Es mag sein, dass das in Rumänien niemanden interessiert und man sich als williges Schlachtvieh der NATO zur Verfügung stellt. Aber dann sollen doch die Befürworter in der ersten Reihe am Schlachtfeld stehen und nicht diejenigen, die gar nicht wissen, warum plötzlich der Russe ihr Feind sein soll.

Es mag Ihnen vielleicht egal sein, aber ich verspreche ihnen, dass in dem Fall, den Gott verhüten möge, wenn die erste Bombe auf die Automechanica und Mediasch fällt, ich jeden von Ihnen aufsuchen und ihm die Frage stellen werde, warum er nicht für die Bürger unserer Stadt interveniert hat, als noch Zeit dafür war.

Ja, viele schweigen und ignorieren, aber einer hat den Mund aufgemacht, und das bin ich.
__________
(*1) Vergleichbar mit dem Bundeskartellamt in Deutschland.
(*2) Die Konservativen in der Regierungskoalition
(*3) Vergleichbar mit der AfD in Deutschland
(*4) link in rumänisch: https://mariustuca.ro/externe/rusia-incepe-productia-de-bombe-aeriene-de-trei-tone-7014... - kann man leicht mit deepl.com übersetzen

Noch was zum Abschluss:
Vielleicht gibt es noch welche aus meinem Jahrgang, die sich daran erinnern, wie man in den 60er Jahren von der "Nicht-Erlebnisgeneration" die Fragen an diejenigen gehört hat, die in der Nazi-Zeit gelebt haben:

"Warum habt Ihr geschwiegen? Warum habt Ihr das alles zugelassen? Habt Ihr nicht gesehen, wohin das führt? Warum habt Ihr nicht dne Mund aufgemacht, als noch Zeit dafür war?"

Nun wird in Deutschland nicht nur die Zukunft unserer Nachfahren an die Wand gefahren, sondern es bewegt sich auch ernsthaft auf einen Krieg zu. Denkt einmal darüber nach, wenn man Euch in ein paar Jahrzehnten die ähnlichen Fragen stellt, was Ihr darauf antworten werdet (sofern Ihr den Sch. überhaupt überlebt).

Meine Kinder und Enkel wissen schon jetzt, was sie darauf antworten werden.


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