+1 - R.I.P - genial in etlichen Bereichen, aber eben auch mit blinden Flecken - Interview vor 2 Monaten mit Marc Friedrich als Empfehlung
Ich kenne Heinsohn eigentlich nur im Hinblick auf seine Kriegsindex-Theorie, die besagt, je höher der männliche Geburtenüberschuss ist, desto höher ist das Land anfällig für einen Krieg und desto höher der Kriegsindex.
Heinsohn hat mit "Söhne und Weltmacht" zuvor zusammengefasst, wie es zu den Wanderungsbewegungen kommen muss, wenn der Nachwuchs in Ländern mit kinderreichen Familien keinen Platz mehr in der Gesellschaft findet. Im Zuge der Migrationswelle 2015 hat er in etlichen Gesprächsrunden /Interviews die Folgen ruhig und schonungslos dargelegt - aber zu den Maßnahmen dagegen sich immer in schwammige bzw. sehr soziale, fast schon salbungsvolle Formulierungen geflüchtet. Das so ein wacher Geist nicht weiter denkt, wie schon @Ashatika bei der Eigentumsokonomie/Debitismus ausführte, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Um sich selbst nicht in rauhes Fahrwasser zu bringen, vielleicht auch in Sorge um sein Lebenswerk, hat er sich selbst seine Grenzen eingezogen, so sehe ich das zumindest. Die Forderungen nach unbequemen Gegenmaßnahmen, auf Basis seiner Analysen, überlässt er lieber anderen.
Der Ukraine-Krieg zeigt aber, dass seine Kriegsindex-Theorie, die durchaus wohl begründet und plausibel ist, den Praxistest nicht bestanden hat.
Das sehe ich nicht so. Der Index sagt ja nur aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Krieges sinkt und eine Akteptanz eines Krieges im Volk schnell versiegt.
Die Planer dieses Krieges mußten die aktuellen Kriegsparteien dazu bringen, dass sie diese "natürliche" Index-Hürde überwinden und in den Krieg ziehen. Das schüren eines irrationalen fanatischen Nationalismus in der Ukraine war ein Grundstein dazu. Die Wette war dann, ob Putin den Index respektiert und zurück weicht oder eben nicht. Auch hofft man, dass Putin "indexbedingt" schnell den Rückhalt verliert bzw. den Machtverlust mehr fürchtet als den Krieg. Hätte das funktioniert, wäre Russland der mittelfristigen Zerschlagung preisgegeben worden, denn über weitere Jahre hätte man ein bis an die Zähne bewaffnetes riesiges Heer in einer sich extrem nationalistischen entwickelnden UA aufgebaut, die dann der NATO beitritt. Mit tollwütigen Polen und NGO-Farbenrevolutions-Wühlmäusen in allen angrenzenden Ländern hätte man dann gerne ohne Kampf die Schlinge zugezogen. Mit dieser Drohkulisse wäre dann dem Index ein Schnippchen geschlagen worden, denn es wäre eben nicht zum Krieg mit vielen Toten gekommen.
Es läuft aber nun ganz anders. Über die künstliche Verlängerung des Krieges hoffen die Planer nun nur noch, dass Putin über die Zeit den Rückhalt im Volk verliert. Zumindest kann man auf jeden Fall das Nachwuchspotential an gebürtigen Russen mindern. Ohne den Hauch von Skrupel werden dafür 100sde Ukrainer sinnlos verheizt. Videos von Bussen mit 18-jährigen Mädchen in Kampfmontur zur Schnellausbildung tauchen aktuell auf. Man könnte auch sagen: Um den Index der Russen um 0,01 % weiter zu senken, wird der Index der UA um einen x-faktor mehr gesenkt.
Und nur für das Kalkül, dass zukünftig geschrumpfte russische Volk dann eben später samt Nation zerschlagen zu können.
schicken ihre autochthonen, eigenen Söhne in den Fleischwolf, so dass sich die muslimischen Jungmänner dann an den einzigen Töchtern der Familien laben können.
Das sehe ich definitiv nicht bzw. das würde den Laden hier zum exlodieren bringen.
Nach Umfragen sollen ja 5% zum Kampf gegen RU bereit sein. Mal sehen, was davon übrig bleibt, wenn es zum Schwur kommt. Wenn diese Freiwilligen dann massakriert werden, wird das ganz schnell umschlagen. Die gut 60% hier, die bereits gegen Waffenlieferungen sind, werden zu einem Heer des Widerstands werden. Vielleicht werden die Deutschen dann doch noch ihrer historischen Verpflichtung, keinen Krieg mehr auf deutschen Boden zu dulden, gerecht.
In seinen letzten Beiträgen auf Tichy oder der Achse des Guten schlug Heinsohn heftiger Gegenwind im Kommentariat in der Ukraine-Frage entgegen, vor allem deshalb, weil er sich in letzter Konsequenz auf die Seite der Kriegstreiber gestellt hat. Trotz seiner intellektuellen Fähigkeiten hatte er überhaupt kein Verständnis für Geopolitik.
Da bin ich absolut bei dir, bzw. er wollte sie nicht öffentlich haben. Eine große Schwäche ist auch, dass eben der Index nationenbezogen ist. Das Söldnertum, ein wesentlicher Aspekt in diesem Krieg, wird völlig ausgeklammert. Laut Wagner-Chef Prigozin kam es nach einem Aufruf zu 10 Mio. Anträgen, weitgehend aus den USA, der Söldnertruppe beizutreten, davon sollen 1 Mio. ehemalige US-Soldaten sein.
Wenn das stimmt, ist das eine ganz neue Dimension von Söldnerarmeen für potentiellen Widerstand gegen den US geführten Wertewesten. Zudem sind wir bereits in der Frühphase von Maschinen- und Cyborg-Kriegen. Auch das wird die Aussagekraft des Indexes mindern.
Um seine triftigen Punkte und Heinsohns aktuelles Verständnis der Lage nachzuvollziehen, sei das vermutlich letzte (?) lange Interview mit Marc Friedrich von vor 2 Monaten verwiesen. Tatsächlich ist es zunächst fasst ein Monolog, d.h. Heinsohn doziert 50 Min. lang, Friedrich lässt ihn gewähren - zeitweilig sehr mühselig, dran zu bleiben.
Die etwa letzten 30 Minuten sollte man sich aber auf jeden Fall anhören.
Jeder mag selbst beurteilen, wo Heinsohn seine blinden Flecken in seiner Sichtweise der aktuellen Situation hat.
https://www.youtube.com/watch?v=rJoqK2BbSx4
► Timestamps
00:00 Intro & Vorstellung
01:15 Was sagen sie als Experte zum Ukrainekrieg? Wo stehen wir?
51:05 Können sie den Kriegsindex erklären? + Thema Demografie
01:02:24 Kann man anhand des Index potenzielle neue Kriege feststellen?
01:10:36 Können sie was zu ihrem neuen Artikel "Putins nukleare Vorsicht" sagen?
01:17:21 Selenski meint, es gäbe nur Verhandlungen, wenn die Krimm oder Donbass zurück in ukrainische Hand geht, was denken sie darüber?
01:23:20 Zusammenfassung von Marc zur Krimm/Donbass
01:27:02 Wie groß schätzen sie die Gefahr eines Eingriffs der NATO?
01:29:49 Zusammenfassung Marc zu den Aussagen von Herrn Heinsohn allgemein + haben wir (der Westen) falsch reagiert?
Gruß
Odysseus