Teilweise hast Du recht, teilweise nicht

helmut-1, Siebenbürgen, Mittwoch, 18.01.2023, 07:21 (vor 19 Tagen) @ neptun1134 Views

Fangen wir mal damit an:

was glaubst Du eigentlich, wieviel Promille der Bevölkerung (welchen Staates auch immer) in so idealisierten Verhältnissen aufwachsen dürfen, wie es Dir vorschwebt (und wie Du es möglicherweise auch selbst erlebt haben magst, obwohl ich eher annehme, daß Du Dir da etwas vormachst, denn sonst hättest Du es meines Erachtens kaum nötig, in einem Forum wie diesem darüber zu schreiben)? 4 Promille? 7 Promille? Oder gar ein ganzes Prozent?

Wieviele, - das ist schwer abschätzbar. Zumal die Wahrheit in den allermeisten Fällen nicht schwarz oder weiß ist, sondern alle Graustufen hat. Der Grund, warum ich das hier geschrieben habe, beruht auf zwei Punkten:

- der in meinen Augen gute Artikel im Penseur
- meine Erfahrungen und Beobachtungen in den zwei Jahrzehnten meiner Kinder- und Jugendarbeit. Wenn man da nicht völlig blind ist, dann kriegt man da schon einiges mit.


unbekümmerte Jugendzeit, eigentlich das Schönste im Leben.

Dieser Dein Teilsatz ist für mich ein weiteres Indiz für meinen o.e. Verdacht, daß Du Dir etwas vormachst.

Nein, ich mach mir da nichts vor. Natürlich ist das behütete Leben in dem Moment vorbei, wenn sich die Eltern scheiden lassen, wenn das Kind erst drei Jahre alt ist. Aber ich hatte keine negativen Einflüsse von außen, was die Entwicklung der Sexualität betrifft. Zum Glück.

Und das, was ich das "Schönste im Leben" genannt habe, konnte ich tatsächlich auskosten. Ab dem 14. Lebensjahr habe ich mich abgenabelt und mit 16 Jahren war ich absolut selbständig und für mich alleine verantwortlich. Hatte damals schon meine eigene Wohnung (vererbt).

Jeder, der so wie ich seine Jugendzeit in den späten 60er und den 70er Jahren verbracht hat, der weiß, dass er dem Schöpfer auf Knien dankbar sein muss. Diese Zeit der Freiheit, der Unbekümmertheit, des Inbegriffes aller Chancen, die ein junger Mensch haben kann, einschl. der Freiheit, das alles ungehindert ausleben zu können, das gabs nur in dieser Phase. Keine Generation hatte davor die Möglichkeit, das zu erleben, und danach erst recht nicht.

Soll mir einer mal erzählen, was er als Jugendlicher in der Zeit von Woodstock und der sexuellen Revolution nicht machen konnte oder durfte. Alles war möglich, einschl. problemloses Auswandern in andere Länder, ohne Bedingungen, ohne Kapital, ohne Bürgen. Nichts gespart, das Geld mit schönen Erlebnissen zum Fenster rausgeworfen, weil man sowieso in den nächsten paar Tagen wieder genug davon hatte. Damals lohnte es sich noch, zu arbeiten und dabei zu schwitzen.

Ich bezeichne es nach wie vor als "die" Normalität, dass ein Kind aus der Liebesbeziehung von Mann und Frau gezeugt und geboren wird.

Das ist in der Mehrzahl der Fälle nicht so und deshalb definitiv keine Normalität, sondern bestenfalls (D)ein Wunschtraum.

Sagen wir mal so, - bei mir und meinen beiden Ehefrauen war das schon der Fall. Alle meine Kinder konnten auch ihren Weg zur Sexualität frei finden, da gabs keine Beeinträchtigung. Natürlich lüge ich mir dabei nicht in meine eigene Tasche, auch ich als Vater habe viele Fehler bei der Erziehung der Kinder gemacht, vor allem in der 1. Ehe. Das Schlimme dabei ist, dass man diese Fehler micht mehr rückgängig machen kann, - trotzdem ich vieles in der 2. Ehe (und bei dem daraus resultierenden Kind) korrigiert habe.

Einer der Hauptfehler (nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen) liegt darin, wenn man sich schon in jungen Jahren beruflich selbständig macht, dass man dann seine Prioritäten in der Familie falsch oder zumindest einseitig setzt. Im nächsten Leben werde ich sicher vieles anders machen, - aber das bleibt ein Wunschtraum.

Im Refrain dieses Liedes von Udo Jürgens kommt es auf den Punkt:

https://www.youtube.com/watch?v=NEiEU3aH5Bo


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