Staaten haben keine Zukunft, aber wir brauchen eine Organisationsform, die ihre bisherigen Aufgaben übernimmt ohne die Freiheit zu beschränken

Morpheus, Montag, 17.10.2022, 03:31 (vor 1223 Tagen) @ Bergamr3059 Views

Hallo Bergamr,

danke für Deine inhaltliche Frage. Da kann man wenigstens was zu schreiben.

Du schreibst:

>>Wir hatten hier die Mängelwesen-Debatte, weil der Mensch eben alleine, mangels Verteidigungsfähigkeit, in der Natur kaum überleben kann. Er kann es aber recht gut in Staatsform analog zu Bienen und Ameisen.<<

Das paßt zwar sehr gut (nicht nur mangels Verteidigungsfähigkeit) auf das 'Mängelwesen' Mensch, kommt in diesem Sinne auch einer tauglichen (nicht unbedingt guten => Totalitarismus + Diktatur) Lösung dieses Mängelproblems nahe; aber wie paßt denn die Staatsform eines absolut hierarchischen, massenhaften und individualitätsfernen Bienen- oder Ameisenstaats zu Deiner Idee der 'unbeschränkbaren Freiheit'?

Natürlich war das die Lage in der Vergangenheit. Die Sicherheit war seit der neolithischen Revolution, was die Leute "pro Herrschaft" eingenommen hat. Ich hatte es oben auch bei einer Antwort an Dieter geschrieben, der meinte Geld macht nicht glücklich. "Geld als Steuerzahlungsmittel" ist das Mittel, über welches seit Jahrtausenden in einem Konsens die Sicherheit der Menschen organisiert wird. Wir werden heute von den Regierenden bewirtschaftet und wenn morgen eine andere Regierung kommt, wird sie uns genauso bewirtschaften. Aber solange Regierungen für die Sicherheit sorgen können und das Freiheitsversprechen einigermaßen eingehalten wird, macht das Geld uns unter dem Strich schon glücklich. Denn ohne Sicherheit ist alles nichts. Das merkt man jetzt nach dem Nordstream-Terror recht deutlich. Die westliche Welt kann ihre komplexe und sensible Infrastruktur niemals nie mehr ausreichend schützen. Es macht überhaupt keinen Sinn, Strukturen zuzulassen, die Konflikte nicht strukturell ausschließen. Und dazu gehören sämtliche Herrschaftsmechanismen erst einmal nicht dazu. Denn Herrscher(-gruppen) ist/sind immer an zusätzlichen, zahlenden Untertanen oder am Rauben von fremden Wohlstand interessiert. Die Soldaten bekommen ihren Sold plus Orden und dürfen als Helden sterben. Die Früchte der Eroberung sind für die Herrschenden und ihre Freunde. So wie das Gold von Gadafi/Libyen oder auch der Ukraine.

Wenn wir im Westen unbeschränkbare Freiheit einführen würden, macht eine Verteidigung gegen Putin wieder Sinn. Heute frage ich mich ehrlich, ob eine russische Herrschaft über Deutschland für die normalen Menschen, abgesehen von Abgeordneten und Medienvertretern, nicht besser wäre als die Herrschaft der Ampel.

Da ungefähr sind wir vor einiger Zeit stehen geblieben ...

Um unbeschränkbar frei zu sein braucht man
1) die Steuer, deren direkte, dezentrale Zahlung an die Leistungsanbieter, wir uns selbst auferlegen müssen.
2) einen Mechanismus, um Gemeinschaftsregeln festzusetzen.

Mehr leistet Herrschaft nicht. Das machen von den Herrschenden beauftragte Untertanen. Wenn wir diese beiden Aufgaben ohne herrschende, mit Sonderrechten ausgestattete Menschen erledigen können, sind wir frei.

Aber dann müssen wir keinesfalls auf die Sicherheit, die bisher der Staat organisiert hat, verzichten. Wir wissen genau, welche öffentlichen Aufgaben essentiell sind und die können wir auch ohne Herrscher sehr gut organisieren. Jeder bezahlt seinen Anteil daran, aus seinem eigenen Steueranteil, den wir uns gemeinsam selbst auferlegt haben. Die ganze Korruption ist sofort weg.

Langfristig wichtig ist ein weltweiter zellulärer Aufbau mit ca. 30.000 bis 50.000 gleichartig strukturierten Regionen, die entweder große Flächen mit wenigen Leuten umfassen oder kleine Flächen mit vielen Leuten. Jede dieser Regionen sollte ihr eigenes Geld haben, was dann dank der geringen Größe des Währungsgebiets auch gut funktionieren kann. Heute sind die Staaten viel zu unterschiedlich groß und damit mächtig. Das muss stets zu Unfrieden und Problemen führen.
Eine zelluläre Struktur aus gleichartigen, sich wiederholenden Strukturen ist stabil und typisch für lebendige Strukturen. So etwas sollen wir anstreben, denn wenn eine paar dieser Zellen die Freiheit wieder aufgeben, weil sich wieder Gewaltherrscher breitmachen, dann können die anderen Zellen den ihrer Freiheit beraubten sehr gut zu Hilfe kommen. Es kann (dann, wenn es einmal erreicht wurde) nie wieder eine Situation entstehen, in der Mächte wie heute die USA meinen den gesamten Globus beherrschen zu dürfen, indem sie ihre Gesetze/Sanktionen weltweit anwenden und dort Kriege führen wo es ihnen gerade gefällt. Dazu werden die Territorien einfach zu klein sein, was bei unseren Körpern auch hilft Krankheiten oder Verletzungen zu überleben.

Was ich damit andeuten will, man kann die Nachteile der Mängelwesen auch anders und besser ausgleichen, als das mit Herrschern und ihren Territorien, genannt Staaten, der Fall ist.

Grüße
Morpheus

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