Absolut richtig. Vielleicht kann ich dazu noch etwas ergänzen

helmut-1, Siebenbürgen, Sonntag, 12.12.2021, 06:09 (vor 1504 Tagen) @ XERXES1790 Views

Leider geht das Bewusstsein um das Brauchtum sowie dessen Herkunft immer mehr verloren. Natürlich gab es die alten germanischen und keltischen Traditionen, und die Vertreter des Christentums mussten sich überlegen, wie man das hinbekommt, den Glanz der alten Bräuche verblassen zu lassen, und anstelle dessen die Werte des Christentums hervorzuheben.

Deshalb ist es kein Zufall, wenn man die Geburt Christi nahe der Wintersonnenwende gelegt hat, weil man ja eine Art "Ersatz" für die alten Sitten und Bräuche benötigte. Nach Forschungen und Aufzeichnungen fand ja die Volkszählung, in die die Geburt Christi fiel, im Sommer statt, vermutlich August.

Aber zu den alten Traditionen:

Es gab und gibt den Begriff der Rauhnächte, der auch heute noch in Bayern geläufig ist. Man kann hier einiges darüber nachlesen:

https://www.br.de/kinder/rauhnaechte-raunaechte-brauchtum-weihnachten-kinder-lexikon-10...

In ähnlicher Form gibt es - besonders auf den Dörfern - in Rumänien ähnliche Bräuche:

https://www.rri.ro/de_de/winterbraeuche_in_rumaenien-2592114

Später hat man die Bedeutung des germanischen Julfestes zur Wintersonnenwende zunehmend eliminieren wollen:

https://www.weihnachtszeit.net/julfest/

So hat man nach der Einführung des Christentums später am 21. Dezember, der eigentliche Tag des Julfestes, den "Thomastag" erfunden.

https://www.zauberspiegel-online.de/index.php/mythen-aamp-wirklichkeiten-mainmenu-288/a...

Es gibt die unterschiedlichsten Sitten und Gebräuche zum Thomastag:

http://www.sagen.at/texte/sagen/sagen_jahr/stthomas.html

Was aber unabhängig von Brauchtum und Glaube ist, das sind die Traditionen des Holzeinschlags, wo auch der Thomastag eine Rolle spielt:

https://www.ib-rauch.de/holz/schlagzeit.html

Im Sudetenland gab es die unterschiedlichsten Bräuche, zum Beispiel im Egerland diesen:

Thomas (21. Dezember)

Der Thomastag erinnert an den Apostel Thomas. Die Thomasnacht galt im Egerland als eine sog. „Losnacht“, die es nach dem Volksglauben ermöglichte, einen Blick in die Zukunft zu tun. Am 21. Dezember ist der Tag am kürzesten und die Nacht am längsten; es ist die Wintersonnenwende.

Ein Mädchen im Egerland, das wissen wollte, wer ihr zukünftiger Herzallerliebster sei, sollte dies erfahren können, wenn sie in der Thomasnacht gegen ihre Bettstatt trat und sich dabei an den Heiligen Thomas mit folgendem Gedicht wandte:

„Heilicha Thomas, ich bitt di(ch,
Bettstood ich tritt di(ch;
Herzallerliebster mein,
leg dich zu mir herein!“

Aus einem Mundartgedicht in egerländerischem Dialekt geht die Stimmung hervor, die man in dieser Zeit empfunden hatte. Ich will versuchen, dieses Gedicht in halbwegs verständlichem Deutsch wieder zu geben, - weil vermutlich kaum jemand egerländerisch versteht, wie dieses Gedicht aufgeschrieben wurde.

Der Thomastag

Es ist grundverschieden, was die Zeit dir bringt.
Packs Glück fest, wenns auf dich zukommt.
Arg schnell verrinnt doch die Sommerzeit.
Ums Handumdrehen geht die Lust und die Freud.
Kaum denkt man, und das schönste Stündlein ist fort,
das letzte Röslein auch verblüht, verdorrt.
Der Wind verweht, vernicht', vertreibt,
was uns vom Sommer übrig bleibt.
Bei den Leuten häufen sich Wunsch und Klag
sich alleweil zum Thomastag.

Der Thomastag.
Was ist aber nach dem Thomastag?
Lass ab von der albernen Klag!
Was recht ist, kommt, und das Gute bleibt.
Was leben will, wird und wächst und treibt.
(bei diesen zwei Zeilen setzen meine Kenntnisse der Sprache aus)
Moinst manches gwiß grundas vadurrt
Da(n schäins weng Glück füar völla furt

Was bestimmt ist, kommt, ob Not ob Freud.
Im Stamm steigt das Leben um die Weihnachtszeit.
Darum frag nicht lang, wo das Glück herkommt!
Nimm das Beste von dem, was die Zeit dir bringt!


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