Ein Schüler Hobbes`! Dass es so etwas heute noch gibt! Oder haben wir es mit dem letzten Überlebenden des 17. Jh. zu tun?

Mephistopheles, Mittwoch, 29.09.2021, 15:37 (vor 1572 Tagen) @ Weiner2478 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Mittwoch, 29.09.2021, 16:08

... dass Deine Mitmenschen gut werden und den richtigen Weg gehen -

denn dann erübrigt sich aller Staat.

Das ist Hobbes. Nach Hobbes würden alle Menschen zu aller Zeit übereinander herfallen, wenn sie nicht vom Staat und seinen weisen Gesetzen (und der Religion?) davon abgehalten würden, der sie mit dem Strafrecht und der Überwachug davon abhält. Von Hobbes stammt auch der Leviathan, mit dem wir hier in Deutschland aber weniger Sorgen haben.

Was ist der gute Weg?

Nimm niemand etwas weg von dem, was er sich selbst ehrlich erarbeitet hat.
Gib großzügig helfend und tausche das, was Du selbst erarbeitet hast und erübrigen kannst.
Töte niemand, denn dann nimmst Du ihm und seiner Familie alles, was sie haben.
Handle so nicht nur gegenüber Deinen Mitmenschen sondern gegenüber aller Natur.
Suche den Grund der Wirklichkeit zu erkennen - und in Dir selbst zu berühren.
Denn weil auch Du ein Teil der Wirklichkeit bist, ruht der Grund der Wirklichkeit auch in Dir.

Das ist 18. Jh. und der Pietist Immanuel Kant, den Nietzsche gründlich entlarvt hat. Aber ich gebe @Oblomow recht, wen es interessiert, soll es selber lesen.

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist der Mensch ein Rudeltier. Jedes Rudel hat sein Revier. Insofern man die Grenzen fremder Reviere respektiert und einem anderen Menschen außerhalb seines Reviers begegnet, sind die Menschen im allgemeinen friedfertig. Sogar so friedfertig, dass man sich überall; auch in völlig fremden Revieren, ungeefährdet bewegen kann.

Das ändert sich aber plötzlich und ziemlich strikt, wenn einer in das Revier eines anderen Rudels eindringt. Dann wird es sehr schnell und ziemlich plötzlich lebensgefährlich.

So weit hat das über Jahrhunderttausende Funktioniert.
Ein Problem entstand erst mit dem Auftauchen des Staates und der Zerstörung der natürlichen Reviere.
Seitdem kann jeder Mensch aus nichtigstem Anlass plötzlich unangemessen gewalttätig werden, weil die Zerstörung der natürlichen Reviere geht einher mit der Zerstörung des natürlichen Verhaltensrepertoires.
Der Staat verbietet die Verteidigung des eigenen Reviers (wobei es genaugenommen ein Revier für ein Indivuum gar nicht gibt, sondern nur das Revier des Rudels) und verspricht im Gegenzug, den Schutz dieses Reviers zu übernehmen. Das ist der Contrat sozial.

Die Begründung Hobbes für die Existenz des Staates ist also eine Tautologie, weil die Menschen erst seit dem Moment sich so verhalten, seit es den Staat gibt und dieser die natürllichen Reviere zerstört hat. Kant ist ein reiner Voluntarist; man muss nur gut sein wollen, dann klappt das schon - irgendwie.

Woran erkennt man nun das Revier eines anderen Rudels? Hunde heben ihr Beinchen, auch andere Tiere benutzen Duftmarkierungen, nur die Menschen riechen dafür zu schlecht.
Ich weiß es nicht genau, ich habe aber eine Vermutung: Es ist der Rauch des Herdfeuers. Wo man den Rauch des Herdfeuers eines anderen Rudels riecht, befindet man sich in dessen Revier, umgekehrt natürlich genau so, wenn man das Herdfeuer eines fremden Rudels riecht.
Das Herdfeuer befindet sich im allgemeinen in der eigenen Wohnung. Daher auch die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Gruß Mephistopheles


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