Ich habe zwar niemals angenommen, dass du in der Lage wärest, Nietzsche richtig zu verstehen, aber das ist dermaßen daneben...

Mephistopheles, Mittwoch, 29.09.2021, 11:00 (vor 1573 Tagen) @ Falkenauge3051 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Mittwoch, 29.09.2021, 11:11

„Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer.
Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus
seinem Munde: ´Ich, der Staat, bin das Volk.`“

(Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra)

Nietzsche hatte den bestehenden Obrigkeitsstaat im Auge, der seit dem Absolutismus alle Lebensbereiche unter seine Regelungswut gebracht und den freien Menschen bis heute – auch hinter demokratischer Fassade - zum Befehlsempfänger unter dem Vorwand gemacht hat, dass er die Interessen des Volkes vertrete. Natürlich meinte Nietzsche nicht, dass es keines Staates bedürfe, aber nicht eines solchen, der als gigantischer kalter Machtapparat von einer „Elite“ benutzt wird, um den Menschen überall ihren Willen aufzuzwingen.

So ein Quatsch! Kannst du nicht lesen?

Das ganze Zitat im Zsammenhang:
[313] Irgendwo gibt es noch Völker und Herden, doch nicht bei uns, meine Brüder: da gibt es Staaten.

Staat? Was ist das? Wohlan! Jetzt tut mir die Ohren auf, denn jetzt sage ich euch mein Wort vom Tode der Völker.

Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer. Kalt lügt es auch; und diese Lüge kriecht aus seinem Munde: »Ich, der Staat, bin das Volk.«

Lüge ist's! Schaffende waren es, die schufen die Völker und hängten einen Glauben und eine Liebe über sie hin: also dienten sie dem Leben.

Vernichter sind es, die stellen Fallen auf für viele und heißen sie Staat: sie hängen ein Schwert und hundert Begierden über sie hin.

Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und haßt ihn als bösen Blick und Sünde an Sitten und Rechten.[313]
http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/Also+sprach+Zarathustra/Die+Rede...

Hier beschreibt Nietzsche eindeutig die Kultur, die tot ist (die Völker und Herden) und die auf die Kultur folgende Zivilisation (dieses kalte Ungeheuer, die Staaten).

Nietzsche schreibt also ganz klar, dass allein die Existenz eines Staates die Folge einer zum Tode führenden Krankheit ist. Jeder Versuch, etwas gegen den Staat zu unternehmen, wird logischerweise die Krankheit beschleunigen. Der Tod tritt noch schneller ein.

Die einzige Möglichkeit, die Nietzsche sieht (nicht hier im Textausschnitt, ergibt sich aber aus seinem Gesamtwerk), besteht darin, dass sich Einzelne weiterentwickeln zu Übermenschen. Das ist aber jenseits von gut und böse oder jenseits von Staat und Gesellschaft.

Gruß Mephistopheles


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