Die Schlacht an den Thermopylen bei Herodot
Hintergrund
Der persische Großkönig Xerxes, Despot und Gebieter über hundert asiatische und nordafrikanische Völker, regierte im frühen fünften vorchristlichen Jahrhundert als Nachfolger seines Vaters Dareios das größte Weltreich der Geschichte. Nachdem Dareios mit einer halbherzigen Strafexpedition gegen Athen 490 v.Chr. bei Marathon gescheitert war, rüstete sein Sohn bald nach seiner Inthronisierung für einen Feldzug gegen ganz Griechenland. Dank den unerschöpflicher Ressourcen seines Großreiches scheute Xerxes keine Kosten und Mühen, um ein dreihunderttausend Mann starkes Expeditionsheer auf die Beine zu stellen. Dies wurde die bis heute größte Invasionsarmee, die (mit Ausnahme des D-Days 1944) je in Europa eingefallen ist!
Xerxes hatte im Frühjahr 480 v.Chr. Pontonbrücken über den Hellespont bauen lassen, um sein Landheer von Kleinasien nach Europa überzusetzen. Der Heerwurm wälzte sich in den folgenden Monaten entlang der Küste durch Thrakien, Makedonien und Thessalien, ohne dabei auf bewaffneten Widerstand zu stoßen. Manche nordgriechischen Völker und Städte waren schon vorab "medisiert", die restlichen unterwarfen sich spätestens im Angesicht der völligen Überzahl der Perser kampflos. Da die Truppen des Großkönigs mitunter die „Flüsse leer tranken“ und die Ernten der betroffenen Länder aufzehrten, hofften alle Staaten und Städte, das Perserheer möge schnell passieren.
Im August erreichte das Heer schließlich den Engpaß an den Thermopylen, der nach Süden ins griechische Kernland führt. Im Kontrast zum streng hierarchischen persischen Imperium, war Mittel- und Südgriechenland generell eher ein „Flickenteppich streitsüchtiger, arroganter, selbstverliebter“ [Holland S.11] : geeint zwar durch Sprache, Sitten und Glauben, aber immer wieder untereinander zerstritten. Anläßlich Xerxes’ Feldzug hatte sich aber unter den freiheitsliebenden und unbeugsamen Poleis, allen voran Athen und Sparta, ausnahmsweise eine Verteidigungskoalition arrangiert. Während Athen zuletzt noch eilig seine Flotte verstärkte, verfügte Sparta in jener Zeit über das kampfstärkste Hoplitenheer unter den Griechen und genoss die Loyalität einiger weiterer südgriechischer Städte (Peloponnesischer Bund).
Für die Ereignisse der drei Schlachttage folgen wir nun Herodot (ab VII, 201):
Konig Xerxes also lagerte in der Landschaft Trachis in Malis, die Hellenen aber an dem Engpaß. Die meisten Hellen nennen den Ort Thermopylaimdie Einwohner aber und die Nachbarn nennen ihn Pylai. So lagrten die beiden Heere; Xerxes, das nach Norden zuliegt bis Trachis,die Hellenen aber das ganze Gebiet südlich des Passes auf dem Festland.
Folgende Hellenen standen dort dem Perserkönig gegenüber: aus Sparta dreihundert Schwergerüstete, aus Tegea und Mantinea tausend, nämlich fünfhundert aus jeder Stadt, uas Orchomenos in Arkadienhundertzwanzig, aus dem übrigen Arkadien tausend, aus Korinth vierhundert, aus Phlius zweihundert und ais Mykene achtzig, Das waren die Peloponnesier, von den Boiotern aber siebenhundert aus Thespiai und vierkundert aus Theben.
Außer diesen waren noch zur Hilfe aufgeboten die opuntischen Lokrer mit ihrem ganzen Heer und tausend Phoker, Diese hatten die Hellenen selber aufgeboten und ihnen sagen lassen, sie kämen nur als Vorläufer der anderen, die Ankunft der anderen Bundesgenossen sei täglich zu erwarten; vom Meer her stünden sie gedeckt,da hielten die Athener Wacht und die Aigineten und alle anderen, die zur Flotte gehörten. So hätten die nichts zu befürchten. Denn der anrückende Feind sei kein Gott, sondern ein Mensch; nun gäbe es aber keinen Sterblichen und würde auch niemals einen geben, dem nicht von der Stundeseiner Geburt an neben allem Glück, auch Unglück beschieden sei, und den Größtentreffe dasgrößte; infolgedessen müsse wohl auch dieser Feind, weil er ja sterblich sei, in seiner Hoffart noch zu Fall kommen. Auf diese Botschaft hin eilten die Lokrer und Phoker nach Trachis zu Hilfe.
Diese alle hatten je nach ihrer Stadt ihre besonderen Feldherrn, derjenige aber, der am meisten die Augen auf sich zog und Feldherr war über das ganze Heer, ware ein Lakedaimonier, nämlich Leonidas, der Sohn des Anaxandrides, der Sohn des Leon, der Sohn des Eurykratides, der Sohn des Anaxandros, des Sohnes des Eurykrates, des Sohnes des Polydoros, des Sohnes des Alkmenes, des Sohnes des Teleklos, des Sohnes des Archelaos, des Sohnes des Hegesilaos, des Sohnes des Doryssos, des Sohnes des Leobotes, der Sohnen es Echestratos, des Sohnes des Agis, des Sohnes Eurysthenes, des Sohnes des Aristodemos, des Sohnes des Aristomachos, des Sohnes des Kleodaios, des Sohnes des Hyllos, der Sohnes des Herakles, und war wider Erwarten in Sparta zur Königswürde gelangt.
Denn weil er noch zwei ältere Brüder hatte, Kleomenes und Dorieus, hatte er sich jeden Gedanken an das Königtum verbieten müssen. Da aber Kleomenes starb und keinen männlichen Sproß hinterließ, und Dorieus nicht mehr lebte, sondern auch schon gestorben war, nämlich in Sizilien, mußte das Königtum an Leonidas fallen, weil er früher geboren war als Kleombrotos der Anaxandrides' jüngster Sohn war und Keomenes' Tochter zur Frau hatte. Dieser Leonidas zog also mit der üblichen Schar von dreihundert Männern, die bereits Kinder hatten, nach Thermopylai. Unterwegs nahm er auch die Thebaner mit, die ich oben schon in der Zahl mit eingerechnet habe, deren Führer Leontiades war, Eurymachos' Sohn. Denn gerade um ihr Aufgebot war es ihm besonders zu tun gewesen, weil sie heftig verschieen waren, sie hielten es mit den Medern. Darum rief er sie zum Krieg auf, um zu erfahren, ob sie Gefolgschaft leisten oder sich offen von dem hellenischen Bund lossagen würden. Sie schickten zwar ihr Aufgebot, dachten jedoch ganz anders.
Die Spartiaten hatten diese Männer unter Leonidas deshalb vorausgeschickt, um die anderen Bundesgenossen zum Anschluß zu ermuntern und zu verhindern, daß sie etwa auch zu den Medern abfielen, wenn sie die Spartiaten zögern sähen. Denn das Fest der Karneen hielt sie noch zurück; das wollten sie erst noch begehen, danach aber in Sparta nur Wachen zurücklassen und schnell mit dem ganzen Heer ins Feld ziehen. Dasselbe gedachten auch die andern Bundesgenossen zu tun, denn es traf sich, daß auch die olympische Feier in eben diese Zeit fiel. Weil sie nun nicht glaubten, daß der Kampf bei Thermopylai sich so schnell entscheiden würde, schickten sie nur erst diesen Vortrab.
Fortsetzung folgt heute abend,
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