der Althistoriker hält sich für schlauer als die Zeitzeugen

randomizer, Freitag, 20.08.2021, 10:47 (vor 1614 Tagen) @ kicker2878 Views
bearbeitet von randomizer, Freitag, 20.08.2021, 10:52

Hallo kicker!

der Althistoriker Karl Julius Beloch (* 21. Januar 1854 - 1929 in Rom),
hat die Thermopylen anders interpretiert,
er wurde u.a. auch deswegen von Mommsen nach Italien vertrieben

https://www.welt.de/geschichte/article214568216/Thermopylen-480-v-Chr-War-Leonidas-von-...

Als einigermaßen sicher gilt, dass es das viel beschworene Gesetz, bis zum Letzten zu kämpfen, in Sparta nicht gab. Auch später wurden Feldherrn keineswegs gescholten, wenn sie in aussichtsloser Position den Rückzug dem Selbstmord vorzogen, zumal das Leben von 300 Vollbürgern innenpolitisch höchste Verantwortung verlangte.

Richtig, Leonidas muß darüber hinausgehende Motive gehabt haben. Im Jahr darauf kämpften in Plataiai übrigens 5000 Spartiaten, Herodot zählt in jener Zeit insgesamt 8000 kampfbereite schwerbewaffnete spartanische Vollbürger.

Aber warum wählte Leonidas den sicheren Tod. Den Rückzug seines Heeres hätte er doch viel besser in der kämpfenden Nachhut decken können. Für den Althistoriker Karl Julius Beloch war der Fall klar: Die Niederlage bei den Thermopylen „hat das Bundesheer von einem unfähigen Oberfeldherrn befreit“.

so sei der Rückzug der Bundesgenossen bei den Thermopylen in Wahrheit eine Flucht gewesen, der Leonidas nicht mehr Einhalt gebieten konnte.

Das wäre dann den hellenischen Zeitgenossen jedesfalls komplett entgangen, auch die spätere antike Rezeption ist nahezu ausschließlich postiv, obwohl die meist attischen Quellen ansonsten stets geringschätzig und mißgünstig über Sparta berichten und sparta-freundliche Quellen in der Regel gar nicht erhalten sind. Im fünften Jahrhundert v.Chr. geizten die Griechen übrigens generell sehr mit öffentlichen Ehrungen und Denkmälern, nicht jedoch im Fall des Leonidas und seiner Spartiaten.

Viele Grüße,
randomizer


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