Zu Ehren des 2500. Todestages des Königs Leonidas von Sparta: Erinnerung an die ruhmreichste Niederlage der Weltgeschichte.

randomizer, Freitag, 20.08.2021, 03:09 (vor 1615 Tagen)4031 Views
bearbeitet von randomizer, Freitag, 20.08.2021, 03:47

Gedenken wir heute den unbeugsamen Helden der Thermopylen und ehren wir den selbstlosen König Leonidas und seine todesmutigen dreihundert Spartiaten, allen voran Diënekes, Alpheos und Maron sowie Eurytos und Megistias, welche im Kampf gegen die Tyrannei zusammen mit Spartas Fürst getreulich den Tod erlitten! An Spartas Seite fielen siebenhundert tapfere Thespier, unter ihnen Dithyrambos und Demophilos.

„Salamis und Sizilien, Plataia und Mykale sind die schönsten Schwestersiege* unter der Sonne, und doch kann sich ihr gemeinsamer Ruhm nicht mit der glorreichen Niederlage des Leonidas und seiner Männer an den Thermopylen messen.“

(Michel de Montaigne (1533-1592) : Essais, livre premier, chapitre XXXième)

*) Knapp sechs Wochen nach Thermopylai siegten die Griechen in der Seeschlacht von Salamis gegen die persische Flotte, während am selben Tag die sizilischen Hellenen bei Himera eine karthagische Invasion Ost-Siziliens militärisch vereiteln konnten. Gut ein Jahr später besiegte ein vereinigtes griechisches Landheer unter dem Kommando Spartas die persische Invasionsarmee endgültig in der Schlacht von Plataiai, parallel dazu gelang eine gleichzeitige amphibische Offensive zur Befreiung der kleinasiatischen Hellenen in der Schlacht von Mykale. In allen vier Schlachten siegten die Hellenen durch Initiative, Mut und Tapferkeit glücklich gegen eine jeweils deutliche Überzahl feindlicher Truppen.


Noch heute rührt uns diese unsterbliche Geschichte:
Ein Nachfahre des Herakles, der kampferprobte König Leonidas von Sparta, zieht als Erster unter Gleichen mit einer Schar loyaler Waffenbrüder aus, um seines Volkes Freiheit fernab der Heimat eigenhändig gegen die hundertfach größere Streitmacht des Xerxes zu verteidigen. Unterwerfungsforderungen und großzügige Versprechungen lehnt der unbestechliche spartanische Feldherr ab, so dass es am mittelgriechischen Engpass bald zum Kampf kommt. Tapfer hält er mit seinen getreuen Hopliten zwei Tage lang den immer massiver anrückenden Feinden stand, bevor er am dritten Tag nach Verrat umzingelt wird. Den Rückzug seiner Verbündeten kann er durch seine Stellung noch decken, stirbt dann aber gemeinsam mit seiner Leibwache im letzten Gefecht. Die Hybris des feindlichen Großkönigs wächst, als er den Leichnam des Herakliden entgegen aller Sitten schänden und enthaupten lässt.
Doch der Heldentod des Spartanerkönigs beeindruckt nicht nur den Gegner, sein Vorbild stärkt Ehrgeiz und Einigkeit der vorher teils zagenden verbündeten Hellenen. Glücklich gelingt ihnen in der Folge die gemeinsame Verteidigung ihrer Heimat zur See und an Land, sämtliche Feinde werden dabei aufgerieben. Die drohende Versklavung wird abgewendet, Freiheit siegt über Tyrannei. Das anschließende goldene Zeitalter nennen wir „griechische Klassik“. Leonidas’ Niederlage wird im Andenken zu einem strategischen und moralischen Sieg.

Der Ruhm anderer Protagonisten der Perserkriege verblasste schnell, einige starben in Schimpf und Schande: Themistokles, der Schirmherr von Salamis, wurde aus Athen verbannt und endete als Satrap im Dienste des Artaxerxes in Kleinasien. Pausanias, der Feldherr von Plataia, erregte in den Jahren danach Missmut durch sein arrogantes, herrisches Auftreten und wurde später in Sparta für Intrigen verurteilt und hingerichtet. Selbst Leotychidas II., der Admiral von Mykale, musste nach einer Anklage aus Sparta fliehen.
Dagegen genoss der tadellose Charakter und hervorragende Heldenmut des Leonidas pan-hellenisch noch Jahrhunderte lang Anerkennung, Bewunderung und Verehrung, die antike Rezeption blieb ausnahmslos positiv. So ist die Thermopylen-Schlacht denn auch die einzige Niederlage, die später in sogenannten Tatenkatalogen in einer Reihe mit den ruhmreichen Siegen der Vergangenheit aufgezählt wurde. Noch die Römer priesen die Schlacht um den Engpass immer wieder gerne als zeitloses heroisches Exempel.

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Die ältesten Zeugnisse

Neben der Leibwache des Leonidas und womöglich siebenhundert weiteren Lakedaimoniern, verteidigten zweitausend Arkadier und knapp achthundert Achaier fern ihrer peloponnesischen Heimat den Engpass von Thermopylai gegen ein übermächtiges medisch-persisches Invasionsheer. Ein Epigramm am Grabmahl vor Ort erinnerte an jene Teilnehmer und Gefallenen der drei Kampftage an den Thermopylen:

„Allhier haben im Kampfe mit dreihunderttausend gestanden
Einst vier Tausende nur peleponnesischen Volkes.“
[Herodot VII, 228]


Eine separate Inschrift allein zu Ehren der beteiligten dreihundert Spartiaten lautete:

„Fremder, melde den Lakedaimoniern, dass wir hier liegen, den Worten jener gehorchend.“ [Herodot VII, 228]


Ein bei Diodor überliefertes Loblied des Simonides († 468 v.Chr.) bezeugt die frühe Heroisierung des Leonidas und schwärmt schon von der überzeitlichen Bedeutung der Heldentat:

„Der bei Thermopylai Gefallenen Schicksal
ist ruhmvoll, untadelig ihr Todeslos,
ihr Grab ein Altar, statt Trauerklage ewiges Gedenken, ihr Geschick ein Lobgesang.
Solch Leichentuch wird weder Moder
noch die allbezwingende Zeit vergehen lassen.
Diese heilige Stätte wackerer Männer hat Griechenlands Ruhm zum Wohngefährten erwählt.
Und Zeugnis legt ab dafür Leonidas,
Spartas König, der die Krone seiner Tugend
und ewigen Ruhm hinterlassen hat.“
[Diodor 11.11.6]


Die vielen Einzelheiten und Hintergründe der Thermopylen-Schlacht verdanken wir einzig Herodot, dessen abschließende drei Bücher seines umfangreichen Geschichtswerkes die Perserkriege der Jahre 480/479 v.Chr. beschreiben. Darin widmet Herodot den Ereignissen am Thermopylen-Pass besonders viel Aufmerksamkeit und exponiert die dortige Schlacht beinahe als Höhepunkt seiner Historien. Daneben ist bei Diodor ein Ausschnitt aus der Universalgeschichte des Ephoros [4. Jahrhundert v.Chr.] erhalten, die aber nur selten über Herodots Detailreichtum hinausgeht und insgesamt wenig Ergänzendes bietet.
Bevor nun die erschöpfende Erzählung aus der Feder Herodots folgt, sei noch diese Verfilmung empfohlen:

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Fortsetzung folgt,
randomizer


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