Sie haben alles unter Kontrolle. Und Dich kriegen sie auch noch...
Hallo Talleyrand, da ich diesen Märchen-Artikel in einem anderen Beitrag ebenfalls empfohlen habe, fühle ich mich durch Deinen Einwurf ebenso angesprochen und darf Dich bitte zum Wikipedia-Eintrag über Herrn ERNST Wolff führen (bei Dir Markus), wo man eine Liste seiner Veröffentlichungen findet (dazu kämen dann diverse, etwas handlichere Interviews auf Video und viele Artikel).
Servus Weiner,
Markus Wolf war ein freudscher Lapsus ("Mischa Wolf".
Der Herr Ernst Wolff mag ja, was akademische Glasperlenspiele betrifft, seine Meriten haben. Ich habe mich ausschliesslich auf seine Börsenartikel und den letzten bei mm-news verlinkten bezogen.
Und da wimmelt es von haarsträubenden Fehlern und haltlosen Behauptungen.
Eigentlich redet Wolff aber ziemlichen Klartext.
Er versteht aber nichts von der Sache, in obigem Text. Klartext, bezogen auf seine eigenen Denkbewegungen, ja, aber die haben nichts mit der Realität zu tun.
Im Text heisst es:
Niemand sollte glauben, die Wall Street sei so dumm, die Masse der mittlerweile mehr als 15 Millionen Trader von RobinHood und WallStreetBets unbeobachtet gewähren zu lassen, ohne deren Plattformen ständig zu beobachten und zu manipulieren.
Alles, was geschieht - "Schwarmbildung", selbstemergente Prozesse in grossen Gruppen - kann also und muss Wolffs Meinungs nach zurückgeführt werden auf Manipulationen der Drahtzieher im Hintergrund, die alles "unter Kontrolle haben".
Verschwörungstheorien sollten über solche quasi metaphysischen, weil a priori - Annahmen schon sehr weit hinausgehen, um glaubwürdig zu sein. Das tun sie hier aber nicht.
Man muss sich nur die geschäftlichen Verbindungen im Hintergrund ansehen, denn zwischen den Betreibern der Plattformen und den Hedgefonds gibt es enge Verbindungen. So zählt der Hedgefonds Citadel, der Melvin Capital zu Hilfe gekommen ist, zu den Kunden von RobinHood und dürfte wohl kaum daran interessiert sein, die Hand, die ihn füttert, zu beißen.
Ja klar, warum geriet dann der Hedgefonds in Schwierigkeiten? War das auch geplant, um den Schwarm der kleinen Trader noch anwachsen zu lassen?
Oder geriet er gar nicht in Schwierigkeiten, und man behauptet das nur?
Es ist egal, was passiert, und für welche Alternative man sich entscheidet, wenn man vom Wolffschen Apriori ausgeht: die Mächtigen im Hintergrund haben alles unter Kontrolle. Jedes Ereignis wird umgehend im Sinne der Verschwörungstheorie gedeutet. Deduktiv, ausgehend von der ideologischen Wahrheit, die Herr Wolff bereits besitzt, bevor er die Fakten analysiert.
Vielleicht manipulieren die Mächtigen im Hintergrund ja auch Wolff selbst, so daß er zu seinen Artikelinhalten kommt. Wieso ist er immun gegen die Manipulationsmacht der Herren "im Hintergrund?"
Außerdem sollte man wissen, dass die größten Anteilseigner von GameStop mit insgesamt 26 Prozent BlackRock und Fidelity sind, also zwei Vermögenverwaltungen, die mehr als zehn Billionen Dollar ultrareicher Investoren verwalten, und denen der Kursanstieg satte Gewinne eingebracht hat.
Die verwalten auch die Fonds der Kleinanleger, als meine und die der RobinHood-Anleger. Es geht ihm nicht um Fakten, es geht darum, im Leser Wut, Ohnmacht und Hilflosigkeitsgefühle zu erzeugen. Dann bleibt er am Ball und lässt sich weiter von Herrn Wolff "unterrichten."
Im Übrigen sollte man alle RobinHooder darauf hinweisen, dass die Betreiber ihrer Plattform erst vor wenigen Wochen von der US-Börsenaufsicht SEC zur Zahlung einer Strafe von 65 Millionen Dollar verurteilt wurden, weil sie ihre Kunden jahrelang belogen und betrogen hatten, indem sie die Kundenorders von ihren Brokern nicht zu den bestmöglichen Kursen ausführen ließen und sich die so entstehenden Kursspannen zum Nachteil ihrer Kunden mit ihnen teilten.
Das ist ein Themawechsel. Hier hat er zwar recht, das hat aber mit seinem eigentlichen Thema des Artikels nix zu tun.
Er mischt einfach alles rein, um eine empörende Story zu bekommen.
Die Trading-Plattformen wie RobinHood und WallStreetBets ...
Ihre Aufgabe besteht darin, das vom Staat im Interesse des digital-finanziellen Komplexes erzeugte Geld aufzusaugen und es auf direktem Weg in das Finanzcasino zu leiten, damit die ungehemmte Zockerei unser Tage ungehindert weitergehen kann – und das ganz bestimmt nicht zum Vorteil von Schwärmen ahnungsloser Kleinanleger.
Ach so, das dient alles der Manipulation der kleinen Leute. Diese Firmen werden nur deshalb gegründet. Alles manipuliert.
Sie sollen ihr Geld an der Börse verlieren. Und nur deshalb wird das Helicoptergeld an sie ausgeschüttet.
Das ist mir echt zu blöd. Wer's nicht merkt, was das für ein zusammengeschwurbelter Unsinn ist, der ist eben selber schuld und sollte weiterhin die Artikel von Wolff lesen.
Die Kleinanleger, die seiner Meinung nach reingelegt werden, haben sich aber die Taschen vollgemacht dieser Tage. Ich schäme mich, aber ich gestehe: ich auch.
Gut, dass ich nicht auf Herrn Wolff höre, sondern auf meine eigenen Analysen.
Aber Jedem das Seine.
Gruß
Talleyrand