Jährlich
Hi tar,
Mitunter behält mein Steuerberater auch im Folgejahr den alten Gegenstandswert bei, obwohl die Betriebseinnahmen und -ausgaben ja ab Januar wieder von vorne beginnen.
Machen wir auch bei einigen, aber niemals pauschal in jeder Branche. Man kann ja auch monatlich mit abweichenden Vereinbarungen abrechnen. Wir leben im Jahr 2023. Alles muss hinterfragt werden.
Siehe unten.
Da hätte ich nun 2 Fragen, da ich im Netz dazu nicht wirklich fündig werde:
1. Muss der Gegenstandswert nicht zu jedem Jahresbeginn wieder neu starten?
Nein, die unterjährigen Abschläge sind frei verhandelbar.
2. Ergibt sich der Gegenstandswert (bei monatlicher Buchführung) aus den jeweils monatlichen -oder- aus der Summe aller innerhalb eines Jahres aufgelaufenen Betriebseinnahmen (bzw. Ausgaben)?
Streng genommen: Jährlich (auf Vorjahr bezogen).
Aber Gegenstandswerte hin, Gegenstandswerte her.
Ich betreue z.B. einen Mandanten, dessen Buchführung mit knapp 120.000 Buchungen pro Monat mit unzähligen Zahlungssystemen und Verkaufsplattformen aufwartet (Umsatz zwischen 2 und 3 Mio. pro Monat). Das kann man dem Mandanten mit Gegenstandswerten gar nicht verkaufen und ist auch so streng genommen gar nicht abrechenbar. Was ist Vorbereitung, was ist Systemberatung, was ist sonstige Tätigkeit?! Wir greifen durch Fakturasystemoptimieungen bis in das Zahlungsmanagement und das Serversystem bzw. ausgelagerte Speicherorte des Mandanten (Microsoft 365 ist richtig angewandt ein Segen).
Am Ende muss es fair sein und für beide Seiten verträglich. In Zeiten der Digitalisierung und einem top-down in sich geschlossenem Kreis aus Debitoren-/Kreditorenimporten bzw. -Zugpferd/OCR-Erkennungen mit OP-Ausgleich wie Bestell-/Rechnungs-/Transaktionsnummer ballern meine Fachwirte und deren untergeordneten Fachangestellten zehntausende Buchungen mit hunderttausenden Euro an Umsätzen binnen Minuten ins System und sind am Ende mehr mit der umsatzsteuerlichen Verprobung und Abstimmung von Aufrechnungen / EU-Auslandssacheverhalten (igL, Ausfuhren, Reihengeschäfte, Dreiecksgeschäfte, OSS-Verfahren) beschäftigt, als mit der eigentlichen Buchführung.
Buchhaltung darf sich heute fast ausschließlich um Systemanalysen und Effizienzgewinnung drehen. Wer da keine Mitarbeiter hin ausbildet, wird nur noch Krawall in 5-10 Jahren haben. Weil uns schlicht die Zeit fehlt und sich die Kosten enorm nach oben bewegen. Das dämmert immer mehr Beratern und ich sehe da wirklich schwarz. Meine Branche - und ich will mich da auch wenn wir gut aufgestellt sind gar nicht immer außen vor nehmen -maßlos überfordert. Bei dem Personal von vor 30 Jahren handelt es sich heute buchhalterisch (ausgenommen diejenigen die von Natur aus Begeisterung für Weiterentwicklungen zeigen) schnell um Praktikanten. Man muss soviel investieren um die alle mitzureißen. Oder man sitzt es aus und kippt vor negativen Deckungsbeiträgen aufgrund deren Überforderung hinten über.
Mit der ersten Frage bei einem Erstgespräch gebe ich bereits gegenüber dem Mandanten den Takt vor und erkläre weshalb bereits dieses Gespräch nicht umsonst ist. Das Ziel lautet Kostenkontrolle, für beide Seiten. Ich hab in früheren Kanzleien soviel Blabla gehört. Heute darf es nur noch straight nach vorne gehen. Sind die Kreise (Von Auftrags-/Bestellannahmen bis Zahlunsgausgleich) nicht schließbar, ziehen sie bitte weiter. An sowas hat kein Angestellter mehr Lust bzw. die Chance einer Zeiterfassung, bei der am Ende Deckung und damit auch das Potential für Gehaltsverhandlungen wächst.
Und ich kann mich damit nur überwachend beschäftigen, Vorschläge der Mitarbeiter umsetzen und allen das Gefühl verleihen, dass wir gemeinsam auf der Voyager durchs All fahren. Dazu haben wir vor einem Jahr Tabula Rasa gemacht und mehr als 30 Mandatsverhältnisse aufgehoben. Mittels Rechnung. Wir wurden echt gefeiert und die Fachwirte ziehen nun mit Analysen das Ruder an sich, wachsen in leitende Team-Positionen, was wir auch nicht mehr mit dem Gehaltsgefüge der Steuerberaterbranche wertschätzen können / wollen. IT/Steuerfachwirte mit 100 TEUR Jahresgehalt sind bereits in Ausnahmen Gegenwart. Vor 20 Jahren unvorstellbar. Weil sie auch 250 bis 300 TEUR Umsatz durch ihren Optimierungseinsatz, enormen Zeitersparnisse und dann auch wegen der in Echtzeit stimmigen Buchführungen sehr gut abrechenbare Jahresabschlüsse reinbringen.
Die Steuerberatung ist heute ein Spagat zwischen Höllenritt und einem immer aufregender werdendem Ausflug in neue Welten. Und dennoch glauben viele, dass bereits ein E-Roller und Tankgutschein Begeisterung entfacht. Man merkt echt, was für Generationen da werben. Da lachen sich die jungen Auszubildenden doch tot. Sie wollen auf die Voyager.
Herzlichst,
Ashitaka
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Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
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