Das Schicksal der Reiche

Ostfriese, Mittwoch, 01.03.2023, 19:53 (vor 1097 Tagen) @ Mephistopheles3742 Views
bearbeitet von Ostfriese, Mittwoch, 01.03.2023, 20:28

Hallo Mephistopheles

Vielen Dank für Deine strukturierte Antwort.

... dann beging Rom Fehler, indem es versuchte, Germanien zu erobern, ...

... dann jedoch begingen die Briten einen Fehler, genauer zwei, sie führten zwei Kriege gegen Deutschland ...

Das änderte sich erst mit dem Vietnamkrieg, das war der grundlegende Fehler, den die USA begingen, ...

Auch an @neptun gerichtet, gilt es - nach jahrelangem Studium - den lehrbuchmäßigen Systemcode, der die Notwendigkeit der Vorfinanzierung aller Entwicklungen erzwingt und erst ermöglicht, selbst als Passivum zu verstehen, wenn ich Paul C. Martins Sätze :

Bei der Macht entscheidet nicht die Ausübung derselben, sondern deren Beibehaltung. Dies bedeutet automatisch Expansion.

zitiere und sagte, dass der zweite Satz Dies bedeutet automatisch Expansion den Kern der debitistischen Machttheorie beinhaltet. Der Grund liegt im nicht lösbaren Vorher-Nachher-Problem: Jede Potenzialentfaltung erzwingt Zusatzpotenziale, sodass das vom Zwingherrn abgeforderte Gesamtpotenzial für die Untertanen über die Zeit nicht mehr bedienbar ist - ihr Widerstand gegen den Zwingherrn ist vorprogrammiert.

Es geht also um die Machterhaltungskosten bei: Internalisierung ↔ Externalisierung

Das römische Reich kannte keine Steuern, weil es vorwiegend Machtabgaben in Form von Tributen erhob und genießen konnte: Kaiser Hadrian hat Steuerschuldscheine verbrannt, weil er auf die Abgaben des geraubten Goldes aus Trajan's eroberten Dakien zugreifen konnte. Caesar hat die Eroberung Galliens nicht durchgeführt, um die Werte der römischen Zivilisation zu verbreiten, sondern um die Haftungsräume zur Besicherung der eigenen Verschuldung zu erweitern - vermutetes keltisches Gold sollte als Schuldentilgungsmittel abgefordert werden.

Da die Abgaben zur Staatsfinanzierung externalisiert wurden, war für einige Zeit ab Hadrian wohl eine der glücklichsten überhaupt - allerdings nur für die Römer selbst.

Es geht um das Problem der Reiche, ihre Machterhaltungskosten externalisieren zu können bzw. mangels entsprechender Außenmacht-Mittel internalisieren zu müssen.

Da der Machterhalt immer Staatskonsum ist, und das Reich wegen des nicht lösbaren Vorher-Nachher-Problems nicht ewig per Vorabbezug von Einnahmen (nachdem es keine Externalisierung mehr gab) zu finanzieren war, ging es nach Dakien mit dem Reich bergab: Das gilt historisch regelmäßig, sobald Tributgebiete einverleibt und aus Tribut dann Steuern werden.

In der hermetischen Sprache des Gesetzes der Entsprechung Wie unten, so auch oben formuliert: Wie ein Privatschuldner zur zusätzlichen Nachbesicherung seines terminlich nominal fixierten Kredites bei fallenden Preisen des vom Markt bestimmten nominal variablen Pfandes gezwungen ist, um der Insolvenz zu entgehen, müssen Reiche nach innen und/oder außen expandieren und letztendlich in ihrer überlieferten Form scheitern.

@Phoenix5: "Und über allem schwebt der Debitismus, der seine Zyklen abspult, egal welche Tricks die Politik anwendet."

Gruß - Ostfriese


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