WEF-Berater: Die meisten Menschen bald „nutzlos“ und nicht mehr „zu brauchen“

Falkenauge, Montag, 19.09.2022, 08:20 (vor 13 Tagen)3662 Views
bearbeitet von Falkenauge, Montag, 19.09.2022, 08:59

Der israelische Historiker und Berater des Weltwirtschaftsforums (WEF) Yuval Noah Harari sagte in einem Interview, die große Mehrheit der Bevölkerung werde im frühen 21. Jahrhundert überflüssig werden. Die Zukunft bestehe darin, immer ausgefeiltere Technologien zu entwickeln, wie künstliche Intelligenz und Biotechnik, welche es ermöglichten, die Menschen zunehmend in ihren bisherigen Arbeitsplätzen zu ersetzen, so dass die meisten Menschen dadurch nutzlos und überflüssig würden. Spule man ins frühe 21. Jahrhundert vor, sei man in der Zeit, wo „wir die große Mehrheit der Bevölkerung einfach nicht mehr brauchen.“ – Dies soll nachfolgend widerlegt und seinen untermenschlichen Prämissen nachgegangen werden.

Mehrheit nutzlos

In dem Interview (1) fasste Harari die rasante Entwicklung der modernen Technologien ins Auge und die Sorgen und Ängste, die viele „einfache Leute“ damit verbinden. Diese befürchteten, in einer von „intelligenten Menschen“ geführten Zukunft „zurückgelassen“ zu werden. Diese Befürchtungen, so Hararri, seien gerechtfertigt, wenn man bedenke, dass die neuen Technologien in vielen Kategorien der Wirtschaft die bestehenden Arbeitsplätze verdrängen:

„Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie zurückbleiben und aus der Geschichte ausgeschlossen werden, selbst wenn ihre materiellen Bedingungen noch relativ gut sind. Im 20. Jahrhundert hatten alle Geschichten – die liberale, die faschistische und die kommunistische – gemeinsam, dass die großen Helden der Geschichte das gemeine Volk waren, nicht unbedingt alle Menschen, aber wenn man z. B. in den 1930er Jahren in der Sowjetunion lebte, war das Leben sehr düster, aber wenn man sich die Propagandaplakate an den Wänden ansah, auf denen die glorreiche Zukunft dargestellt war, war man dabei. Man sah sich die Plakate an, die Stahlarbeiter und Bauern in heroischen Posen zeigten, und es war klar, dass dies die Zukunft war.

Wenn die Leute jetzt die Plakate an den Wänden betrachten oder den TED-Talks zuhören, hören sie viele dieser großen Ideen und großen Worte über maschinelles Lernen und Gentechnik und Blockchain und Globalisierung, und sie sind nicht dabei. Sie sind nicht mehr Teil der Geschichte der Zukunft, und ich denke, dass – auch das ist eine Hypothese – wenn ich versuche, den tiefen Groll der Menschen an vielen Orten auf der Welt zu verstehen und eine Verbindung zu ihnen herzustellen, ein Teil dessen, was dort vor sich geht, darin besteht, dass die Menschen erkennen – und sie haben Recht, wenn sie das denken – dass ´die Zukunft mich nicht braucht. Es gibt all diese klugen Leute in Kalifornien, New York und Peking, die diese fantastische Zukunft mit künstlicher Intelligenz und Biotechnik und globaler Vernetzung und so weiter planen, und die brauchen mich nicht. Wenn sie nett sind, werden sie mir vielleicht ein paar Brosamen zuwerfen, wie ein universelles Grundeinkommen`, aber es ist psychologisch viel schlimmer, sich nutzlos zu fühlen, als ausgebeutet zu werden.“

„Spulen wir nun ins frühe 21. Jahrhundert vor, wenn wir die große Mehrheit der Bevölkerung einfach nicht mehr brauchen, weil die Zukunft darin besteht, immer ausgefeiltere Technologien zu entwickeln, wie künstliche Intelligenz [und] Biotechnik….“

Was hier so kalt und scheinbar objektiv und logisch zwingend auftritt, muss in seiner schillernden Oberflächlichkeit und seinen unausgesprochenen Prämissen durchschaut werden. Harari behauptet, wer in der Wirtschaft durch die fortschreitende Automatisierung keinen Arbeitsplatz mehr finde, bringe der Gesellschaft keinen Nutzen mehr, er werde nicht mehr gebraucht, sei nicht mehr Teil der Zukunft.
Der Wert eines Menschen besteht für ihn also in seinem wirtschaftlichen Nutzen. Arbeitet er nicht in der Wirtschaft, ist er nutzlos und damit wertlos.
Bevölkerungsreduktionen durch Krankheits-Pandemien könnten da ja nur von Vorteil sein.

Harari setzt die Gesellschaft mit dem kapitalistischen Wirtschaftsleben gleich, das in der Tat heute aus egoistischem Gewinnstreben oder existenzieller Not das Bewusstsein des Menschen völlig besetzt hält. Es befriedigt jedoch nur einen Teil der Bedürfnisse des Menschen, überwiegend die aus der körperlichen Existenz hervorgehenden nach Nahrung, Kleidung, Wohnung, Fortbewegung, Kommunikation usw.
Arbeit aber als eine zielgerichtete körperliche oder seelisch-geistige Tätigkeit dient der Befriedigung nicht nur materieller, sondern auch seelischer und geistiger Bedürfnisse des Menschen. Buchhandlungen, Theater, Schulen, Hochschulen z.B. erfüllen seelisch-geistige Bedürfnisse. Und es gibt unzählige soziale und kulturelle Arbeiten, die heute ohne Einkommen geleistet werden, oder eben deswegen zum Schaden der Menschen unterbleiben.

Arbeitslosigkeit

Der Begriff der Arbeitslosigkeit, der als selbstverständlich behauptet wird, wenn Arbeitsplätze in der Wirtschaft durch Maschinen wegfallen, stimmt also so nicht. Er wird unausgesprochen nur für Arbeiten vornehmlich in der Wirtschaft verwendet, die dort mit Einkommen verbunden sind. Genau genommen bezieht er sich aber auf jede Arbeit zur Befriedigung von materiellen oder geistig-seelischen Bedürfnissen, die nicht ausgeführt werden können.

Arbeit bedarf immer bestimmter Fähigkeiten, die je nach Art der Arbeit besonders geschult und entwickelt sein müssen. Fähigkeiten gehen aus Anlagen und Begabungen hervor, die der Mensch mitbringt und die er strebend weiter entwickelt. Sie sind Bestandteil und Ausdruck seiner Persönlichkeit, seines Wesens, das sich in ihnen manifestiert und in der Gesellschaft entfalten will. Ist der Mensch arbeitslos, wird er in der Entfaltung seiner menschlichen Persönlichkeit gehindert. Das kann oberflächlich das Gefühl der Nutzlosigkeit erzeugen, es handelt sich aber im Grunde um das tiefere Gefühl der Sinnlosigkeit seines Lebens, das sich nicht entfalten kann.

Arbeit bewegt sich also stets zwischen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Der Mensch steht daher bei der Wahl seiner Arbeit in der Gesellschaft ständig zwischen dem individuellen Pol der eigenen Fähigkeitsintention, die seine Selbstverwirklichung ausmacht, und dem gesellschaftlichen Pol der Bedürfnisse anderer, deren Befriedigung das Gesamtwohl bedeutet.
In einer menschlichen Gemeinschaft sind also Bedürfnisse und Fähigkeiten aufeinander bezogen. Und man kann davon ausgehen, dass für jedes menschliche Bedürfnis auch irgendwo eine tatsächliche oder latente menschliche Fähigkeit vorhanden ist, es zu befriedigen, und dass umgekehrt jeder Fähigkeit ein Bedürfnis gegenübersteht. Danach dürfte es prinzipiell keine Arbeitslosigkeit geben. Tritt sie auf, bedeutet das, dass einerseits Arbeit irgendwo fehlen muss, also Bedürfnisse nicht befriedigt werden, und andererseits Fähigkeiten da sind, die sich nicht entfalten können. Auf diesen Zusammenhang hat bereits Rudolf Steiner 1920 in einem Aufsatz knapp hingewiesen:

„Arbeitslosigkeit! Menschen können nicht Arbeit finden! Sie muss aber doch da sein, denn die Menschen sind da. Und es kann im gesunden sozialen Organismus die Arbeit, die nicht getan werden kann, nicht eine überflüssige sein, sondern sie muss irgendwo fehlen, muss irgendwo fehlen! (Hervorhebung R. Steiner) So viel Arbeitslosigkeit, soviel Mangel.“ (2)

Können Menschen ihre Fähigkeiten nicht in einer Arbeit einsetzen, sind sie also arbeitslos, so deshalb, weil ihre Fähigkeiten nicht zu den entsprechenden Bedürfnissen geleitet werden, sei es, weil diese aus individuellen Gründen nicht wahrgenommen werden, oder ihre Wahrnehmung verhindert wird, z. B. dadurch, dass nur diejenigen ein Einkommen erhalten, die für bestimmte Bedürfnisse arbeiten. „Arbeitslosigkeit kann nur die Folge ungesunder Wirtschaftsverwaltung sein“, schreibt Rudolf Steiner lapidar. (3)

Der Gesamtzusammenhang

Die anschwellende Automatisierung menschlicher Handarbeit durch Maschinen ist grundsätzlich kein Unglück für die Menschen, soweit sie die neuen Technologien in der Hand behalten und beherrschen. Die Menschen werden dadurch vielfach von der Fron körperlicher Arbeit frei für die Entfaltung ihrer Fähigkeiten zur Befriedigung höherer, kultureller Bedürfnisse, die sie bisher unterdrücken mussten oder die sich noch gar nicht in ihnen regen konnten. Wir stehen eigentlich in einem gewaltigen historischen Umbruch der Verlagerung menschlicher Arbeit auf eine höhere menschliche Ebene.

Dazu müssen vom Wirtschaftsleben entsprechende Finanzmittel in das soziale und geistig-kulturelle Leben fließen, mit denen neue Arbeitsplätze, die mit Einkommen verbunden sind, geschaffen und bestehende mit Einkommen verbunden werden können. Die Wirtschaft muss an der Entwicklung des Geisteslebens, insbesondere des Bildungssystems ein existenzielles Interesse haben, weil es ihm die Fähigkeiten der in ihm arbeitenden Menschen verdankt. Dieser Finanzfluss darf aber nicht wie heute über die Steuern des Staates laufen, der dadurch wieder bestimmenden Einfluss ausübt, sondern muss direkt der Selbstverwaltungsorganisation eines unabhängigen Geisteslebens zufließen.

Durch den Wegfall hoher Personalkosten infolge der Automatisierung haben die Unternehmen ja auch ungeheure Ersparnisse und entsprechende Gewinnsteigerungen im Gefolge, die heute in die privaten Taschen der Eigentümer fließen und in der Hauptsache der Spaltung der Menschheit zugrunde liegen: wenige Superreiche und Mächtige auf der einen Seite und immer mehr Verarmende auf der anderen Seite, die von „Brosamen“ des Staates, also von der politischen Kaste abhängig sind, die selbst wiederum an den Zügeln der Reichen hängt.

Der Gewinnüberschuss der Unternehmen darf also nicht mehr länger in unsozialer Weise als arbeitsloses Einkommen in die Taschen zumeist fernstehender Eigentümer, insbesondere der Aktionäre fließen. Das Eigentum an den Produktionsmitteln, am Unternehmen, das gesellschaftliche Aufgaben hat, und der hier von der gesamten Belegschaft erarbeitete Gewinn dürfen nicht als Privateigentum dem Eigennutz dienen, sondern müssen – rechtlich umgewandelt – als sozialgebundenes treuhänderisches Eigentum der Gesellschaft dienen. (4) Ohne diese grundlegende Veränderung ist die Entstehung einer arbeitslosen, verarmten und von staatlichen Almosen abhängigen Masse, die von einer kleinen reichen Elite gelenkt wird, nicht zu verhindern.

Die Reduktion auf das Tier

Indem sich der Mensch um die Sicherung und den Komfort seiner physischen Existenz bemüht, unterscheidet er sich in der Tat prinzipiell nicht vom Tier, nur dass er dafür durch eine ungeheure gedankliche Raffinesse sorgen kann. Während sich das Leben des Tieres aber in der Sicherung seiner irdischen Existenz erschöpft, bildet das Wirtschaftsleben des Menschen erst die Grundlage, um darauf sein eigentliches Menschsein, seine seelisch-geistige Entwicklung, entfalten zu können. Die kulturelle Höhe eines Volkes hängt davon ab, wie stark dieses seelisch-geistige Leben als das Wesentliche im Bewusstsein der Menschen lebendig ist. Wird ihr Bewusstsein weitgehend vom äußeren wirtschaftlichen und dem ihm dienenden politischen Leben beherrscht, wird es an die materielle Außenseite des Lebens gefesselt und von seinen inneren Quellen abgeschnitten. Der Mensch führt dann im Grunde auch nur das Dasein eines mit Verstand begabten höheren Tieres.

Das heutige kapitalistische Wirtschaftsleben, das die beiden anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, das politisch-rechtliche und das Geistesleben mit seinem Kern, dem Bildungswesen, dominiert und sich weitgehend dienstbar gemacht hat, reduziert den Menschen auf die Stufe eines Tieres, das nur in der Sorge für seine leibliche Existenz aufgeht. Diese Entwicklung ist bereits unbewusst aus einem materialistischen Bild des Menschen hervorgegangen, dem das Bewusstsein vom primär geistigen Wesen des Menschen verloren gegangen ist, das sich in einem materiellen Leibe inkarniert, um darin seine Entwicklung zu vollziehen.

Yuval Harari argumentiert aus der Ideologie, dass der Mensch nur ein höheres, mit Verstand begabtes Tier sei. Er hebt die materialistische Vorstellung vom rein biologisch-leiblichen Menschen ohne Geist, die heute bei sehr vielen Menschen mehr oder weniger bewusst oder unbewusst lebt, ins Bewusstsein und arbeitet sie zu einer „wissenschaftlichen“ Theorie aus, mit der er in mehreren Büchern die Welt überflutet.

Dem soll in einem weiteren Artikel nachgegangen werden.

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1 uncutnews.ch 11.8.2022
2 Rudolf Steiner: „Arbeitslosigkeit“ in Gesamt-Ausgabe 36, S. 30
3 Näher: Arbeitslosigkeit – Manipulation der Gesellschaft; Das besinnungslose Grundeinkommen
4 Näher: „Arbeitsmarkt“

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Quelle:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2022/09/18/wef-berater-die-meisten-menschen-bald-...


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