Sorry, sehe ich anders ...
Cher ebbes,
Die waren aufeinander scharf und haben vergessen das Fenster zu schließen.
Ja, und ich hatte es vor Jahren einmal total eilig und einfach vergessen, beim Einsteigen die Fahrkarte zu stempeln. Hat mir bei der Fahrscheinkontrolle auch nichts genutzt, daß ich in meiner Sakkotasche den am selben Vormittag von der Hinfahrt korrekt entwertete Fahrschein (und noch ein paar ältere) vorweisen konnte (und mit Anzug, Krawatte und Aktentasche auch nicht wie der typische Schwarzfahrer wirkte). Der Kontrollor bedauerte und kassierte ...
Und was das "vergessen" betrifft: nochmals sorry — ich war auch mal jung und durchaus scharf darauf mit jungen Damen intim zu werden. Aber ich machte das nie vor einem offenen Fenster. Wer es dort macht, der will gesehen werden. Und dafür habe ich kein Verständnis, weder bei normalen Pärchen, noch bei homosexuellen.
Ein Polizist geht diskret und lächelnd hoch klopft an die Türe und macht sie darauf aufmerksam doch bitte nicht so nah am Fenster sich zu vergnügen. Aber stattdessen sind lt. Bericht (Übersetzung) Agenten in die Wohnung eingefallen.
Warum "diskret und lächelnd"? Man hat mit seinem Intimleben niemand anderen zu belästigen. Punkt. Wenn Männer schon vor Medientribunalien und Gerichte gezerrt werden, weil sie einer Frau bspw. in volkstümlichen (aber keineswegs ordinären!) Worten eine gute Figur attestieren (Brüderle, Sie erinnern sich vermutlich ...), dann ist, pardon l'expression, Schnackseln bei offenem Fenster erst recht unzulässig!
Die Kinder werden es "überleben".
Das arme, arme Brüderle-"Opfer" mußte m.W. auch nicht wegen akuter Suizidgefahr in die nächste Nervenklinik eingewiesen werden. Mit Verlaub: Ihr Argument ist ziemlich unterirdisch — der Mensch "überlebt" viel ...
Aber zwei Leben werden zerstört. Denn das kommt sicher in ihre Akte, selbst wenn sie auch nur wenige Tage im Gefängnis verbringen.
Ja, das ist so im Leben: was man verbockt hat, steht in den Akten. Nicht nur bei denen, die am offenen Fester Hinterladung betreiben (bzw. sich gegenseitig einen blasen oder was auch immer sie getan haben — bloß Händchenhalten und Wangenküßchen werden's nicht gewesen sein ...), sondern bei allen (außer denen, die dank Protektion/Korruption unantastbar sind).
Natürlich kenne ich die Einzelheiten nicht und weiß nicht ob sie es mit Absicht vor den Kindern getrieben haben und ob es das erste Mal war.
Falls dies aber nicht der Fall war, kann sich Russland nicht beschweren, wenn andere Länder die Nase darüber rümpfen.
Die "Einzelheiten" kennen Sie ebenso nicht wie ich — aber da die Polizei sich auch in Rußland nicht lächerlich machen will, wird es wohl eher was "Handfestes" gewesen sein.
Sex in der eigenen Wohnung ist beim ersten Mal keine Straftat, wenn ich es nicht darauf anlege von Minderjährigen beobachtet zu werden, das sagt doch der gesunde Menschenverstand.
Dafür darf man nicht vor Gericht gestellt werden.
Wie wir aus dem Beispiel der alsdann vom Staatsanwalt "behandelten" deutschen Rentnerin, die ins Fenster ein Plakat mit "Danke Putin" hängte, ersehen können: was durch Fensteröffnungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist eben nicht mehr "in der eigenen Wohnung". Wobei mir als Jurist das bei der Rentnerin noch weitaus rechtsstaatlich skandalöser vorkommt, denn auch dem Wortlaut ihrer Meinungsäußerung selbst kann ein strafbares Verhalten vielleicht böswillig unterstellt, niemals aber als erwiesen abgeleitet werden — im Gegensatz zum offenbar vorgenommenen "Austausch von Körperflüssigkeiten", wie man jetzt so prüde zu sagen pflegt, der als Tathandlung eindeutig ist.
Auf den Punkt gebracht: ich wäre ebensowenig interessiert, daß mein schwuler Friseur (ja, von ihm weiß ich es, weil er sich bemüßigt fühlte, es mir aus Anlaß seiner "Hochzeit" zu berichten; ich kommentierte das mit einem trockenen "Aha" und dachte mir: De gustibus ...) bspw. in seinem Schaufenster einen Schniedel plakatiert, um auf sein, wie ich mich seinerzeit nur suboptimal daran freute, daß ein jungen Pärchen im Wohnhaus vis-à-vis ihre ausdauernde Genitalakrobatik uns vorzuführen geruhte. Als die junge Maid um 2h morgens bei offenen Fenstern lautstark in ein wiederholtes "Ich koooooomme"-Gestöhn ausbrach, rief ich stinksauer über die Gasse hinüber: "Wenn Sie noch länger 'kommen' wollen, dann machen Sie gefälligst das Fenster zu!"
Derlei Erlustigungen gehören ins Schlafzimmer — und wenn das jemandem zu wenig "Gesellschaft" sein solte: der nächste Swingerclub freut sich über Kunden! Aber dort schauen eben nur die zu, die's wollen. Und jedenfalls keine kleinen Kinder. Was ich irgendwie beruhigend finde ...
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LePenseur