Wie sieht die Lage eigentlich derzeit in Russland aus?

Plancius, Donnerstag, 04.08.2022, 12:24 (vor 6 Tagen)4365 Views

Während wir mittlerweile doch ziemlich viel über die Situation in der Ukraine erfahren, sowohl von russischer als auch von ukrainisch-westlicher Seite, wissen wir doch sehr wenig zur Situation in Russland.

Ich lese eigentlich sehr gern den anti-spiegel vom Thomas Röper und schaue auch regelmäßig seine Sendung "Tacheles" auf Nuoviso. Leider ist er vor lauter Jubelmeldungen über Russland von einem ernsthaften journalistischen Anspruch, relativ unparteiisch über die Lage in Russland zu berichten abgekommen. Auf diese Weise ist sein Kanal zu einem einseitigen russischen Propagandainstrument verkommen. Gerade von ihm hätte ich mir gewünscht, da er ja nun schon viele Jahre in Russland wohnt, zu beschreiben welche Auswirkungen die Sanktionen auf die russische Wirtschaft und das Leben im Alltag haben.

Ich habe noch regelmäßig Kontakt zu einem Freund aus Moskau. Trotz eines starken Rubels hat Russland derzeit mit einer Inflationsrate von 20% (also höher als bei uns) zu kämpfen.

In russischen Betrieben kommt es wegen fehlender Teile aus dem Westen zu Produktionsengpässen, die auch zu Angebotsverknappungen im russischen Einzelhandel führen.

Die Produktivität der russischen Wirtschaft sinkt mit einer damit verbundenen Unterbeschäftigung vieler russischer Arbeitnehmer. Ein sprunghaftes Ansteigen der Arbeitslosigkeit wird nur durch massiver Subventionen der russischen Unternehmen seitens des Staates unterbunden.

Insbesondere die junge bis mittlere, woke Generation in den russischen Großstädten ist von den Sanktionen ziemlich angepisst. Sie sind stark konsumorientiert und können nun keine italienische Mode mehr kaufen oder ihr Bad mit deutschen Fliesen ausstatten. Viele mögen den billigen Plunder aus China oder der Türkei nicht.

Da nicht absehbar ist, wann sich die Versorgungslage und die Konsummöglichkeiten in Russland bessern, kam es seit Beginn des Krieges zu einer verstärkten Abwanderung von jungen, mobilen Fachkräften - vorwiegend im IT-Bereich - in den Westen, insbesondere in Richtung USA.

Die Rückenhalt zu Putins Politik ist nach wie vor groß, auch bei den woken Großstädtern, selbst bei den Auswanderern in den Westen, die Arbeit an der Front soll aber bitte der arme Mushik aus Sibirien machen. Genauso sieht's in der Ukraine aus. Die ukrainischen Männer strotzen zwar nur vor Patriotismus und Zustimmung zu Selenskis Politik, aber wenn es möglich ist, setzen sie sich mitsamt der ganzen Familie nach Deutschland ab und führen sich als die neuen Herren Europas auf, indem sie mit ihren protzigen Audi Q7, Porsche Panameras und BMW X6 vor teuren Hotels und Restaurants posieren und dem deutschen Michel zeigen, was sie von ihm halten. Er soll gefälligst die Schnauze halten und zahlen. Und wenn er sich auch nur verbal aufmuckt, wird ihm seitens der Ukraine ein Nürnberger Tribunal 2.0 angedroht.

Gibt's also irgendwo noch seriöse Berichte zur Lage in Russland?

Gruß Plancius

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Der Königsweg zu neuen Erkenntnissen ist nach wie vor der gesunde Menschenverstand.


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