Kleine Brötchen backen
Hallo el_mar,
es gilt: Vorhersagen sind schwierig, vorallem wenn sie die Zukunft betreffen.
Aber ich wag mal einen Blick in meine persönliche Kristallkugel.
Handwerkliche Strukturen werden überleben, wenn sie:
a): in eigenen Räumlichkeiten betrieben werden
b): Einrichtung, Maschinen + Fahrzeuge schuldenfrei sind
c): weniger als 5 Mitarbeiter haben
d): bereit sind, ihre Arbeit auch zu Bartergeschäften anzubieten
Die Philosophie 'Groß muß man sein', die diese Filial-Manie in den 1990er/2000er-Jahren befeuert hat, vorallem im Lebensmittelbereich (Bäcker, Metzger) und in Verknüpfung mit den Supermärkten, aber auch bei Apotheken, Schuhgeschäften, Einzelhandel generell, sogar im 'Gesundheitsbereich' (Physio-, Logo-, Ergotherapie), ist in der kommenden Zeit sinnlos, weil die Milchmädchenrechnung 'Gewinn nur durch hohen Umsatz' bei steigenden Betriebs-, Lohn- und Nebenkosten nicht mehr aufgeht, eine (Neben-)Rendite durch Immobilien wegfällt und die logistische Versorgung der Filialen nicht mehr aufrechterhalten werden kann.
Selbst ehemals 'sichere' Gewerke wie Elektrohandwerk oder Gas-Wasser-Scheiße = Flaschner/Klempner werden erleben, daß ihre Arbeiten durch den Wegfall ihrer Grundsubstanz, nämlich der infrastrukturellen Verfügbarkeit von Strom, Wasser, Gas, Öl, nicht mehr selbstverständlich nachgefragt werden wie bisher. Das KfZ-Handwerk ist da natürlich auch dabei.
Handwerkliche 'Luxus'-Leistungen wie 100g Praline vom Konditor für € 10,50 fallen ebenso durch den Rost wie parkähnliche Anlage des Eigenheimgartens durch den GaLa-Bauer, ein bayrischer Balkon vom Zimmermann oder die Massivholzküche vom Schreiner. Weitere Beispiele nach eigenem Ermessen.
Meiner Meinung nach kann jetzt nur noch wirtschaftlich überleben, wer 'kleine Brötchen backt'.
Gruß
Bergamr
--
Ehrlich schade für die Heimat! Endgültig verloren seit Sommer 2015 ...