Das mit der Schulbildung muss man differenzieren
Du hast mit Sicherheit recht, was die Allgemeinbildung betrifft, - und das Abi zähle ich nun mal zu dieser Kategorie. Die Fachhochschulen und höhere Ausbildung, z.B. auch auf den Unis, da wars damals besser als in anderen Ländern. Wie es heute ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Anfang der 70er bin ich nach D gekommen, um mein damals in Wien abgebrochenes Studium fortzusetzen. Es war eine weise Entscheidung, denn in Stgt.-Hohenheim habe ich wesentlich mehr gelernt, als meine Kommilitonen, die in Wien abgeschlossen haben. Die Ausbildung in D war wesentlich umfangreicher und vor allem realitätsbezogener. Eine ganze Reihe von Lehrkörpern kamen aus der Wirtschaft oder der Verwaltung, - die wussten deshalb, wovon sie sprachen.
Interessant war mein finanzieller "Gewinn" während dieser Ausbildung. In Österreich hätte ich nichts bekommen, - mein Vater hatte dafür ein zu hohes Einkommen. Da ich aber bereits einen abgeschlossenen Beruf hatte, konnte ich das über das AFG einfädeln (Arbeitsförderungsgesetz). Vorher hatte ich ja in D zwei Jahre gearbeitet, um anspruchsberechtigt zu sein. Am Schluss als Vorarbeiter, und ich hatte da ein sehr gutes Einkommen, - überhaupt ware die 70er Jahre wesentlich ertragreicher.
Dann bekam ich im Laufe der gesamten Jahre 80% meines davor erhaltenen Einkommens für das Studium vom Staat. Nicht rückzahlbar, - ohne Auflagen. Hat mich natürlich gefreut. Ich hätte auch erwartet, dass der Staat sagt: Lieber Freund, Du kriegst als Ausländer (damals war Österreich auch nicht in der EU/EWG) nun eine Menge Kohle für Dein Studium, - wenn Du fertig bist, dann hast Du wenigstens 5 Jahre im Land zu bleiben, in Deiner neuen Position, damit über die Steuern das Geld wieder kompensiert wird. Ich hätte auch so eine Vereinbarung unterschrieben.
So aber hätte ich nach meinem Abschluss sagen können: Herrschaften, es war mir ein Volksfest, ich geh wieder dort zurück, von wo ich gekommen bin, um mir dort eine Zukunft aufzubauen. Dass ich trotzdem in D geblieben bin, hängt mit der Begegnung mit meiner ersten Frau zusammen. Die hat übrigens auch in Stgt. studiert, hatte Geld über BaFög bekommen, musste das aber danach in monatlichen Raten wieder zurückzahlen (als deutsche Staatsbürgerin).
Noch so eine Anmerkung am Rande: Ich sagte, dass ich bereits einen abgeschlossenen Beruf hatte. Das war damals in Wien die Voraussetzung dafür, dass man zum Studium angenommen wurde. Hat man - meines Wissens nach - im Laufe der Zeit abgeschafft. Man soll eben die aktuell erworbenen theroretischen Lehrinhalte nicht gleich auf praktischen Erfahrungen aufbauen können, - es ist besser, wenn alles im theoretischen Bereich bleibt, den man als Nicht-Praktiker sowieso nicht bewerten kann.