Tut mir leid, wenn ich der "Leserzuschrift" widersprechen muss. Ich halte meine Signatur für aufschlussreicher. Die Leserzuschrift halte ich für Psychologisierei.

Mephistopheles, Sonntag, 10.07.2022, 11:48 (vor 1449 Tagen) @ Ikonoklast2375 Views
bearbeitet von Mephistopheles, Sonntag, 10.07.2022, 12:39

Wir leben in einer Welt, in der das Ausmaß an Desinformation und offener Lüge eine solche Dimension erreicht hat, dass die Mehrheit der westlichen Welt möglicherweise zum ersten Mal überhaupt an ihrem eigenen Verstand und dem ihrer Umgebung zu zweifeln beginnt. Das zunehmende Misstrauen gegenüber allem "Autoritären", gepaart mit einer verzweifelten Ungläubigkeit, dass "nicht jeder mit drinstecken kann", lässt viele langsam in eine immer enger werdende Zwangsjacke schlüpfen. "Alles in Frage stellen" ist zum neuen Motto geworden, aber sind wir denn in der Lage, diese Fragen zu beantworten?

Die Antwort ist derzeit ein klares Nein.

Der kranke Witz der Sozialverhaltensforscher, dass sie ausgerechnet zu Beginn einer vermeintlichen Krisenzeit dafür gesorgt haben, dass alle von einem Mangel an Toilettenpapier besessen sind, ist ein Beispiel dafür, wie viel Kontrolle sie über den roten Knopf mit der Aufschrift "Auslösung einer Massenpanik der Stufe 4" haben.

Aber kann man es den Menschen verdenken? Denn wenn wir belogen werden, wie können wir uns dann zusammentun und mit dem Finger auf die Wurzel dieser Tyrannei zeigen, sind wir dann nicht an dem Punkt, wo sie überall ist?

Das Schaf trachtet danach, in die Mitte der Herde zu gelangen. Das ist sehr vernünftig. In der Mitte der Herde ist es am ehesten vor einem Angriff geschützt, während Raubtiere zunächst die außenstehenden erbeuten. Dann bleibt dem Schaf immer noch Zeit, zu flüchten.

Was aber geschieht, wenn die Herde so groß ist, dass das Schaf keinerlei Chancen hat, die Ränder zu beobachten? Dann kann jede beliebige, auch eine an sich ungefährliche Aufregung zu einer selbstzerstörerischen Panik der ganzen Herde führen.

Ein Ersatz für die Herde ist für den Menschen das Eigentum, von dessen Nutzung er seine Existenz fristet. An den Schwankungen des Wertes des Eigentums kann er normalerweise frühzeitig feststellen, ob Gefahr droht, oder sich ihm neue Chancen bieten, wie wenn eine Schafsherde eine neue Wiese entdeckt hat, die noch nicht abgegrast ist.

Wer aber, inmitten einer Herde von Eigentümern, selber über kein Eigentum, um von dessen Nutzung leben zu können womit man verfügt, also die Schwankungen des Eigentumswertes zeitnah nicht mitbekommt, den Rand der Herde und die Gefahren, die drohen, nicht mitbekommt, ist tatsächlich in der Situation dessen, der bei jedem Alarm in selbstzerstörerische Panik verfällt.

Ich finde, die Zerstörung der Gesellschaft ist durch die übergreifende Eigentumslosigkeit der westlichen Gesellschaft prädestiniert. Dass die Wirkung der Zerstörung auch wahnsinnsähnliche Zustände verursacht, ist eher ein Nebeneffekt und nicht die Ursache.

Gruß Mephistopheles


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