.. und das will er immer noch, ohne Aussicht auf Erfolg .. [edit'2]
Putin wollte eine Übernahme im Schonwaschgang. Das klappt nicht, weil der Ukrainer sich wehrt.
Das sehe ich genau so.
Putin hat vermutlich mit 1 Woche gerechnet, bis die U. komplett besetzt ist und es zu direkten Verhandlungen mit dem (anwesenden) Selenskyj über die Neutralität der U. kommen wird. Das scheint nicht mehr zu funktionieren, da der Widerstand zäh und effektiv ist.
Die Russendoktrin lautete m.M.n.: So wenig eigene und gegnerische Verluste an Menschenleben, wie irgend möglich, aber vollständige Zerstörung der schweren militärischen Ressourcen .. erst recht kaum Verluste bei der Zivilbevölkerung. Auch die zivile Infrastruktur des Landes sollte verschont werden (wie Brücken, Versorgungsunternehmen, Eisenbahn etc.). Ganz so lauteten Lawrow's Statements in einem kurzen Telefoninterview mit einem CNN-Reporter am Freitag (oder Samstag?).
Da die eigenen Verluste so untragbar werden, wird man bald zur alten Taktik zurückkehren: Mit der Stalin-Orgel erst die Feuerwalze vor und zurück laufen lassen, dann Panzer marsch!
Nun ist die Lage für die Russen prekär geworden. Es geht "im Schonwaschgang" nicht mehr voran. Ich glaube aber nicht an ein rückloses Trommelfeuer mit der "Stalin-Orgel", sondern an einen festgefahrenen Stellungskrieg und sinnloses Besetzen von militärisch ungeschützten Landstrichen.
Man könnte da nun an eine Belagerung und das Aushungern des Landes und der U.-Wirtschaft denken, wenn da nicht die massive Versorgung der U. über die Westgrenzen erfolgen würde, so über Polen, Tschechien-Slowakei, Rumänien und evtl. Ungarn, sowie über das Schwarze Meer. Diese Versorgungsschnittstellen sind militärisch stark besetzt und ohne massives Bombardements, mit vielen zivilen Opfern, nicht zu kappen. Die U.-Armee hat zudem großen Heimvorteil: Kenntnis der Landschaft, gut eingegraben/vorbereitet, braucht sich nur wenig zu bewegen, bessere Versorgung und Bevorratung etc. .. und nicht zuletzt die bessere Übersicht durch Aufklärung der NATO.
Auch die Versorgung und die Kampfmoral der russischen Soldaten leidet sicher zunehmend .. es ist bitter nass-kalt; seit Tagen sitzen im Panzer, ohne warmes Wasser, ohne warmes Essen, ohne anständige Toiletten, Beschuss aus dem Nirgendwo etc.. Das zwingt den Putin, sich nun etwas Neues einfallen zu lassen. Das könnte entweder heftigeres Zuschlagen oder vollständiger Rückzug sein, um sich und die eigene Politik "neu zu formieren". Auch das westliche Embargo (z.B. des Luftraums, Zahlungsverkehrs etc.) gegen russische Wirtschaft wird wohl seine massive Wirkung nicht verfehlen.
Ich habe ja noch vor dem Einmarsch hier prognostiziert, dass Putin es nur auf den Donbass abgesehen und seine Umzingelung der U. nur als Drohkulisse aufgestellt hätte .. weil er sich sonst NUR riesige Probleme einhandeln würde (ohne jeglichen Nutzen). Nun kam es aber anders .. und der Putin sitzt nun in der Falle des Westens. Das macht die ganze Situation umso gefährlicher für uns Alle.
Ein schnelles Besetzen der U., inkl. vollständiger Entwaffnung der U.-Armee, wäre auch noch gut gegangen .. geht nun aber nicht mehr.
Der Putin hat den Gegner unterschätzt bzw. sich selbst enorm überschätzt .. sehr typisch für diesen Persönlichkeitstypus (vgl. Hybris): wie schon bei Napoleon und bei Hitler. Hier kann ihm nur noch der Chinese helfen, was nicht ohne heftige Bedingungen zu haben ist.
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NACHTRAG: Die nächste Eskalationsstufe wäre : dass Putin seine Rohstoff-Waffe voll gegen den Westen einsetzt, mit eher mäßigem Erfolg. Das kann er auch problemlos rechtfertigen.
Mit Gruß, Beo2