Wie man Montagsdemos spaltet und Spaziergänge unterbindet

Plancius, Sonntag, 13.02.2022, 11:01 (vor 1452 Tagen)4869 Views
bearbeitet von Plancius, Sonntag, 13.02.2022, 11:06

Weil hier in einigen Fäden davon fantasiert wird, dass die Strippenzieher im Hintergrund die Protestbewegung aus Montagsdemos und Spaziergängen übernehmen und man mit Traktoren die Hauptstadt lahmlegen kann.
Zu diesen beiden Punkten nun ein Lagebericht aus dem Nordosten der Republik, wie denn sowas in der Praxis funktioniert. Beispiel sind die beiden ehemals mächtigsten Demos in MeckPomm - die in Rostock und in Wolgast.

Wolgast hat sich im Dezember/Januar zu der wegweisenden Demo in MeckPomm mit bis zu 5.000 Teilnehmern gemausert. Am Ufer der Peene gab es zuerst eine Kundgebung mit wirklich guten Rednern und auch Redebeiträgen. Hier wurde die Masse auch schon stimmungsmäßig auf den anschließenden Umzug durch die Stadt vorbereitet. Wichtig war den Veranstaltern immer die Bildung regionaler Netzwerke, d.h. Einkaufen im Hofladen des Bauern usw.

Nun hat man 10 Bauern der Umgebung eingeladen, die den Umzug mit ihren mächtigen Traktoren anführen sollten. Wurde auch gemacht. Allerdings kam es anschließend ganz fett für die Bauern. Alle Traktoren hatten grüne Nummernschilder und da wurde im Anschluss an den Umzug polizeilich festgestellt, dass alle Bauern ohne gültigen Führerschein fuhren. Was keinem bewusst war, die Demo hatte kein landwirtschaftliches Thema und da braucht man für Traktoren dieser Größenordnung einen Lkw-Führerschein, um ein solches Gerät im öffentlichen Straßenverkehr bewegen zu dürfen. Das heißt, alle Bauern werden mit einem empfindlichen Bußgeld wegen Fahren ohne gültigem Führerschein belegt.

https://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Usedom/Darum ..

Aber es kommt noch besser. Der Diesel, der für die Landwirtschaft steuerbefreit ist, wurde auf der Demo einer unsachgemäßen Verwendung zugeführt. Hier müssen die Bauern jetzt eine Spendenbescheinigung erbringen und den Diesel nachversteuern. Und zu guter Letzt müssen se wohl auch mit einer Zahlung von Kfz-Steuern rechnen, weil sie mit ihren steuerbefreiten grünen Kennzeichen ihr Fahrzeug für nicht-landwirtschaftliche Zwecke eingesetzt haben.

Ich will hier nur darauf hinweisen, welche Konsequenzen es hat, wenn die Bauern die Straßen in Berlin wegen eines nicht-landwirtschaftlichen Protests sperren oder auch nur an einer Demo teilnehmen.

Nächstes Beispiel ist Rostock. Dort hat man ab Mitte Januar die Montagsdemo verboten, die die mächtigste Veranstaltung in ganz Deutschland war. Die darauf folgenden unangemeldeten Spaziergänge wurden durch Kesselungen unterbunden. Jetzt gibt es nur noch sogenannte Wellen, wo sich bis zu 50 Teilnehmer spontan über Telegram verabreden und dann mit Trillerpfeifen und Skandieren von "Frieden - Freiheit - Selbstbestimmung" durch die Stadt laufen, dabei aber ständig auf der Hut vor der Polizei sein müssen. Diese Wellen erregen jedoch keine Aufmerksamkeit, haben keine mediale Präsenz und schrecken eher auch das protestwillige Bürgertum ab, das sonst auch auf der montäglichen Demo war.

Ich kann es überhaupt nicht verstehen, wie es in anderen Teilen der Republik unangemeldete Spaziergänge mit vielen Hundert oder Tausend Teilnehmern geben kann. Hier wird so was sofort polizeilich zerschlagen. In Städten wie Grimmen, Stavenhagen, Demmin hat man es auch mit Spaziergängen versucht. Das wurde aber alles seitens der Polizei sofort durch Kesselungen und Bußgelder unterbunden.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER


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