Antwort eines in der Sache aktiven Landwirts aus Niedersachsen

Martin, Mittwoch, 15.09.2021, 08:54 (vor 4 Tagen) @ helmut-1826 Views

Der Landwirt hat auch eine Ausbildung in Informatik und hat sich intensiv mit den Zahlen des UBA beschäftigt:

"Der Bericht ist nicht wirklich korrekt. Er nähert sich dem Problem an. Einiges stimmt, es bleibt aber ein Stochern im Nebel.

Primäre Ursache der Nitratbelastung im Grundwasser ist nicht das Nitrat aus der Landwirtschaft. Die Ursache sind steigende Sauerstoffsättigungsgrade des Wassers. Dies ist eine Folge der Grundwasserabsenkungen ab den 50ern. Bis dahin stand das Grundwasser oft knapp unter Flur. Das Wasser war sauerstoffarm. Mit den Grundwasserabsenkungen wurde das dortige Ökosystem zerstört. Es entstand eine neue relativ trockene Schicht. Je größer dort die Zwischenräume sind (Sand) und je mächtiger diese Schicht wurde, desto mehr Sauerstoff in der Schicht. Versickerndes Regenwasser nimmt Sauerstoff mit in die Tiefe. Dort wo Sauerstoffsättigunsgrade von mehr als 1% sind, gerät die Nitratatmung, der bakterielle Abbau von Nitrat, ins stocken bzw. hört bei höheren Werten komplett auf.

Diese sauerstoffreichen Schichten sind nicht besonders dick, nach unten hin gibt es weiterhin keinen Sauerstoff und somit auch kein Nitrat. Ausserdem fließt der obere Bereich des Grundwassers in Richtung der Oberflächengewässer. Es liegt in der Natur der Sache, dass in diese Richtung der Flurabstand des Wassers geringer wird, denn ansonsten wäre dort kein Oberflächengewässer mehr. Damit nimmt auch der Sauerstoffgehalt ab. Die Nitratatmung setzt wieder ein und das Nitrat verschwindet weitgehend, bis auf den "natürlichen Hintergrund".

Grundwassermessstellen werden gezielt an Stellen mit hoher Sauerstoffsättigung platziert. Laut Gesetz müssen sie in Deutschland im obersten Grundwasserstockwerk, also in der sauerstoffreichen Zone sein. Repräsentativ ist an diesen Messstellen überhaupt nichts. Solange es weiter Grundwassersenkungen gibt, werden auch die Nitratgehalte zunehmen. Egal ob dort gedüngt wird oder nicht. Durch Düngeverbote lässt sich lediglich die absolute Höhe des Nitratanteils beeinflußen.
"


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